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Kongress Medizin und Gesellschaft 2007

17. bis 21.09.2007, Augsburg

Neue Methoden zur Bestimmung der Inzidenz von HIV-Infektionen und Public Health Relevanz – Ergebnisse einer Pilotstudie in Berlin 2005-2007

Meeting Abstract

  • Jörg Bätzing-Feigenbaum - Robert Koch-Institut, Berlin
  • Silvia Gohlke-Micknis - Robert Koch-Institut, Berlin
  • Stephan Loschen - Robert Koch-Institut, Berlin
  • Gabriele Poggensee - Robert Koch-Institut, Berlin
  • Andreas Jansen - Robert Koch-Institut, Berlin
  • Claudia Kücherer - Robert Koch-Institut, Berlin
  • Osamah Hamouda - Robert Koch-Institut, Berlin

Kongress Medizin und Gesellschaft 2007. Augsburg, 17.-21.09.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07gmds023

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2007/07gmds023.shtml

Veröffentlicht: 6. September 2007

© 2007 Bätzing-Feigenbaum et al.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielf&aauml;ltigt, verbreitet und &oauml;ffentlich zug&aauml;nglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Gliederung

Text

Einleitung/Hintergrund: Nach vorübergehendem Rückgang der ans RKI gemeldeten HIV-Erstdiagnosen Ende der neunziger Jahre kam es seit 2001 zu einem Wiederanstieg auf 2.486 Fälle in 2005. Die Fallmeldungen erfassen jedoch nicht die tatsächliche Inzidenz, sondern auch Infektionen, die Jahre zurückliegen können und wegen der langen klinischen Latenzzeit erst spät diagnostiziert werden. Neuere Testmethoden (u.a. BED-CEIA) können HIV-seropositive Blutproben in frische (inzidente) und chronische (prävalente) Infektionen unterscheiden. Diese Methodik wird bereits in verschiedenen anderen Ländern eingesetzt. Die Pilotstudie prüft Machbarkeit und Nutzen für die nationale HIV-Surveillance.

Material/Methoden: In Berliner Arztpraxen und Klinikambulanzen wurden zwischen November 2005 und Februar 2007 Blutproben und klinische Daten von Patienten gewonnen, bei denen erstmalig HIV diagnostiziert wurde (anonyme, unverknüpfte Erhebung). Der BED-CEIA wurde am RKI durchgeführt. Außerdem wurden von den Patienten Daten zu Wissen, Einstellungen und Verhalten bezüglich HIV/AIDS erfragt (KAB-Survey).

Ergebnisse: Bisher wurden 132 Patienten einbezogen (darunter 90% MSM). Das entspricht einem Rekrutierungsanteil von etwa 25% der in diesem Zeitraum für Berlin zu erwartenden HIV-Erstdiagnosen. Bei 57 Personen (43%; CI[95%]35;51) wurden mittels BED-CEIA erst kürzlich (≤20 Wochen) erworbene HIV-Infektionen festgestellt. Dieser Anteil liegt bei MSM mit 46% höher als bei Personen mit anderen Risiken (23%). 73% der kürzlich infizierten MSM machten Angaben zum wahrscheinlichen Infektionsweg: 66% durch anonymen sexuellen Kontakt und 21% über den festen Partner. 79% hatten in den zurückliegenden 6 Monaten ungeschützten sexuellen Verkehr. 30% gaben unregelmäßige Kondombenutzung an, weil sie glaubten, für sie bestehe kein Risiko oder der Sexualpartner sei nicht HIV-infiziert.

Diskussion/Schlussfolgerungen: Im Vergleich zu MSM zeigt sich für Frauen und Personengruppen mit anderen Risiken ein Trend zu späterer Diagnosestellung von HIV. MSM mit kürzlich erworbener HIV-Infektion wiederum berichten Hochrisikoverhalten insbesondere im Hinblick auf Kondombenutzung. Insgesamt eröffnen sich durch den Einsatz des BED-CEIA zusammen mit KAB-Datenerhebung neue Möglichkeiten für fundierte Präventionsstrategien und die nationale HIV-Surveillance. (Studie gefördert vom BMG)


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