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51. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V. (gmds)

10. - 14.09.2006, Leipzig

Aufbau eines Terminologiemanagementsystems für das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen, Heidelberg

Meeting Abstract

  • Patrick Braun - Zentrum für Informations- und Medizintechnik, Heidelberg
  • Ulrike Kutscha - Zentrum für Informations- und Medizintechnik, Heidelberg
  • Katrin Faiß - Zentrum für Informations- und Medizintechnik, Heidelberg
  • Evelin Deeg - Deutsches Krebsforschungszentrum, Heidelberg
  • Karl Heinz Adzersen - Deutsches Krebsforschungszentrum, Heidelberg
  • Karl Heinz Ellsässer - Tumorzentrum, Heidelberg
  • Nikolaus Becker - Deutsches Krebsforschungszentrum, Heidelberg
  • Björn Bergh - Zentrum für Informations- und Medizintechnik, Heidelberg

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V. (gmds). 51. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. Leipzig, 10.-14.09.2006. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2006. Doc06gmds085

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2006/06gmds378.shtml

Veröffentlicht: 1. September 2006

© 2006 Braun et al.
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Gliederung

Text

Einleitung und Fragestellung

In Heidelberg entsteht nach dem Modell der Comprehensive Cancer Center (CCC) das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT). Ziel des NCT ist es, eine interdisziplinäre, forschungsorientierte und ganzheitliche Patientenversorgung zu etablieren.

Ein wesentliches Organisations- und IT-Projekt des NCT ist die Neuentwicklung eines klinischen Krebsregisters (NCT-Register). Es soll eng in die Routinedokumentation zur Patientenversorgung eingebunden sein, aber gleichzeitig auch die Brücke zur wissenschaftlichen Dokumentation und Auswertung bauen.

Für den Aufbau der klinisch-wissenschaftlichen Dokumentation ist es wichtig, ein einheitliches Datenmodell strukturierter Merkmale zu entwerfen und kontinuierlich weiterzuentwickeln. Für das NCT-Register wurde ein Basisdatensatz entwickelt, der sich an der „Basisdokumentation“ der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Tumorzentren (ADT) orientiert. Das Datenmodell des Basisdatensatzes definiert einen Grundsatz an Merkmalen des NCT-Registers. Es hat hierbei einen modularen Aufbau, welches auch das Strukturgerüst für die erweiterte organspezifische Tumordokumentationen darstellt.

Um wesentliche Informationen zu den Merkmalen des gesamten Datenmodells (Basisdatensatz und spezifische Erweiterungen), wie z.B. Kataloge, Plausibilitäten, Codierrichtlinien und Versionen, gut verwalten, präsentieren und im Dokumentationssystem (NCT-Register) realisieren zu können, wurde im Rahmen des NCT-Registerprojekts ein Terminologiemanagementsystem (NCT-TMS) entwickelt.

Material und Methoden

Im Rahmen einer Systemanalyse wurden Anforderungen an das NCT-TMS erhoben. Für das Datenmodell des NCT-Registers wurde eine Ontologie des NCT-TMS modelliert. Als Basiswerkzeug zur Abbildung des Datenmodells wurde Protégé gewählt, welches sich zur Modellierung von Ontologien ausgezeichnet eignet. Außerdem verfügt Protégé über ein Modul zur Wissensaquisition, so dass in einem System die Struktur des Datenmodells gepflegt werden kann, aber auch Daten eingepflegt werden können [1]. Über die vorhandenen Schnittstellen des Werkzeugs werden zurzeit mit Hilfe von Javaprogrammierung benutzerfreundliche Oberflächen zum Präsentieren und Bearbeiten der Daten entwickelt. Zusätzlich wurden bereits Import- und Exportschnittstellen realisiert, die z.B. vorhandene Merkmalslisten und Kataloge einlesen können bzw. die Übernahme von Inhalten des NCT-TMS bei der Entwicklung des NCT-Registers ermöglichen.

Ergebnisse

Mit Hilfe der Ontologie kann das modulare Datenmodell sowohl für den Basisdatensatz wie auch für die entitätsspezifischen Erweiterungen komplett abgebildet werden. Es können auch komplexere Beziehungen zwischen einzelnen Feldern (z.B. Plausibilitäten) eingepflegt werden (Abbildung 1 [Abb. 1]).

Das NCT-TMS enthält bereits den Basisdatensatz des NCT-Registers (17 Module, 526 Merkmale, 109 Kataloge) und wird aktuell um Plausibilitäten und die ersten entitätsspezifischen Merkmale erweitert (Bsp. Multiple Myelome: 2 zusätzliche Module, 232 zusätzliche Merkmale, 24 zusätzliche Kataloge).

Um Änderungen an den Datensätzen verfolgen zu können, beinhaltet das TMS auch ein Versionsmanagement. Dieses ist in zwei Stufen eingeteilt. Im ersten Schritt werden alle Änderungen an der Terminologie in Arbeitsversionen gespeichert. In einem zweiten Schritt können Datensätze verabschiedet und zur Umsetzung im NCT-Register freigegeben werden. Um Speicherplatz zu sparen, werden die Änderungsaufzeichnungen nach der Verabschiedung gelöscht bzw. ausgelagert (Abbildung 2 [Abb. 2]).

Diskussion und Ausblick

Der stark an den Bedürfnissen des NCT und der NCT-Registerentwicklung orientierte Nutzen rechtfertigt die pragmatische Individualentwicklung des NCT-TMS. Der jetzige Entwicklungsstand stellt einen ersten Schritt zur Unterstützung des Wissensmanagements des NCT dar. Es wird ein allgemeiner Einsatz des TMS für die in Heidelberg geplante Wissenschaftsakte (WEPA) und ein Ausbau der Schnittstellen zum NCT-Register und zu Studien-Management- und Studiendokumentationssystemen angestrebt.


Literatur

1.
Stanford University: http://protege.stanford.edu/index.html