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51. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V. (gmds)

10. - 14.09.2006, Leipzig

Welche Verfahren setzen Krebsregister in Europa zur Vollzähligkeitsschätzung ein?

Meeting Abstract

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  • Irene Schmidtmann - Klinikum der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Mainz

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V. (gmds). 51. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. Leipzig, 10.-14.09.2006. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2006. Doc06gmds267

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2006/06gmds013.shtml

Veröffentlicht: 1. September 2006

© 2006 Schmidtmann.
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Gliederung

Text

Einleitung und Fragestellung

Nur vollzählige Krebsregister können ihre Aufgaben im vollen Umfang erfüllen. Krebsregister, insbesondere neuere, sehen sich vor der Aufgabe, die Vollzähligkeit ihrer Erfassung anzugeben. Gründe sind u. a. der Nachweis der Effizienz gegenüber der Gesundheitspolitik und die Einschätzung der Nutzbarkeit und Repräsentativität der Krebsregisterdaten für Forscher. Es existieren verschiedene Methoden der Vollzähligkeitsschätzung [1], [2], [3], [4]. Die deutschen Krebsregister haben sich – auch um vergleichbare Aussagen zu erzielen – geeinigt, ein vom RKI weiterentwickeltes Verfahren zu verwenden und ihren offiziellen Aussagen zu Grunde zu legen [2], [5], [6]. Bislang ist jedoch wenig darüber bekannt, wie gut die einzelnen Schätzverfahren unter welchen Bedingungen sind. Als Vorarbeit für eine vergleichende Untersuchung wurden die europäischen Krebsregister befragt, ob sie ihre Vollzähligkeit schätzen, welche Verfahren sie einsetzen und welche Erfahrungen sie damit gemacht haben.

Material und Methoden

Ein Fragebogen wurde entworfen, in dem erfragt wurde ob Vollzähligkeit geschätzt wird, welche Methoden eingesetzt werden, ob Software zur Verfügung steht. Außerdem wurde um Hinweise auf weitere Verfahren und Literatur gebeten. Der Fragebogen wurde zunächst unter den deutschen Krebsregistern zirkuliert und danach noch geringfügig modifiziert. Alle in einem Handbuch [7] der ENCR (European Network of cancer registries) gelisteten europäischen Krebsregister wurden angeschrieben und gebeten, den Fragebogen auszufüllen und zurückzusenden.

Ergebnisse

Bisher antworteten 45 von 166 angeschriebenen Krebsregistern in Europa. Davon gaben 38 an, Vollzähligkeitsschätzungen durchzuführen. 28 Register nutzen routinemäßig die DCN-Methode [1], 20 Register setzen regelmäßig historische Vergleiche [1] ein. Vergleiche mit einem Referenzregister [1] setzen 20 Register regelmäßig ein, 8 in speziellen Situationen. Eine unabhängige Fallsuche betreiben 7 Krebsregister regelmäßig, 10 bei besonderen Gelegenheiten. Das von Colonna vorgeschlagene Verfahren setzen 24 Register ein, zwei Drittel davon regelmäßig. Das Verfahren von Bullard et al verwenden nur 8 Register ein, davon die Hälfte regelmäßig – überwiegend in Großbritannien. Capture-Recapture-Methoden wenden 3 Register routinmäßig an, 7 berichten spezielle Auswertungen. Es werden noch zwei weitere Methoden genannt. Die publizierten Methoden werden überwiegend ohne Modifikation angewandt. Nur 10 Krebsregister berichten, dass sie schon einmal mehrere Methoden parallel eingesetzt und die Ergebnisse verglichen haben.

Diskussion

Die „einfachen“ Verfahren werden offensichtlich bevorzugt. Da die Rücklaufquote bislang niedrig ist und insbesondere Krebsregister aus Großbritannien und Mitteleuropa geantwortet haben, sind die Ergebnisse nur bedingt zu verallgemeinern. Es ist gut möglich, dass bisher die Register, die über eher geringe Resourcen verfügen, weder den Fragebogen beantwortet haben noch Vollzähligkeitsschätzungen durchführen. Nur wenige Register haben bisher vergleichende Vollzähligkeitsschätzungen durchgeführt. Wenn dies getan wurde, dann jeweils für konkrete Daten. Eine vergleichende Untersuchung der verschiedenen Schätzverfahren unter realistischen und wohldefinierten Bedingungen erscheint daher sinnvoll. Dabei ist auf die jeweiligen rechtlichen und Meldemodalitäten zu achten.


Literatur

1.
Parkin DM, Chen VW; Ferlay, J, Calceran J, Storm HH, Whelan SL. Comparability and Quality Control in Cancer Registration, IARC Technical Report No 19, Lyon 1994
2.
Colonna M, Grosclaude P, Faivre J, Revzani A, Arveux P, Chaplain G, Tretarre B, Launoy G, Lesec'h JM, Raverdy N, Schaffer P, Buemi A, Menegoz F, Black RJ. Cancer registry data based estimation of regional cancer incidence: application to breast and colorectal cancer in French administrative regions. J Epidemiol Community Health. 1999;53;558-564
3.
Bullard J, Coleman MP, Robinson D, Lutz J-M, Bell J, Peto J. Completeness of cancer registration: a new method for routine use. British Journal of Cancer. 2000;82(5), 1111-1116.
4.
Brenner H, Stegmaier C, Ziegler H. Estimating completeness of cancer registration: an empirical evaluation of the two source capture-recapture approach in Germany. J Epidemiol Community Health 1995, 49:426-430
5.
Haberland J,Bertz J, Görsch B, Schön D. Krebsinzidenzschätzungen für Deutschland mittels log-linearer Modelle. Gesundheitswesen 2001, 63:556-560
6.
Haberland J,•Schön D,• Bertz, J, Görsch. B. Vollzähligkeitsschätzungen von Krebsregisterdaten in Deutschland. Bundesgesundheitsbl - Gesundheitsforsch -Gesundheitsschutz. 2003, 46:770-774
7.
Tyczynski JE, Demaret E, Parkin DM. Standards and Guidelines for cancer registration in Europe. IARC Technical Publication No 40, Lyon 2003