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51. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V. (gmds)

10. - 14.09.2006, Leipzig

Mobilfunkbasisstationen und gesundheitliche Besorgnis in der Bevölkerung – erste Ergebnisse der bundesweiten Querschnittstudie „QUEBEB“

Meeting Abstract

  • Gabriele Berg - Fakultät für Gesundheitswissenschaften Universität Bielefeld, Bielefeld
  • Jürgen Breckenkamp - Fakultät für Gesundheitswissenschaften Universität Bielefeld, Bielefeld
  • Sven Schmiedel - IMBEI, Universität Mainz, Mainz
  • Brigitte Schlehofer - DKFZ, Heidelberg
  • Ursula Reis - TNS-Healthcare, München
  • Joachim Schüz - Institute of Cancer Epidemiology, Copenhagen
  • Bernd Kowall - Fakultät für Gesundheitswissenschaften Universität Bielefeld, Bielefeld
  • Maria Blettner - IMBEI, Universität Mainz, Mainz

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V. (gmds). 51. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. Leipzig, 10.-14.09.2006. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2006. Doc06gmds247

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2006/06gmds006.shtml

Veröffentlicht: 1. September 2006

© 2006 Berg et al.
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Gliederung

Text

Einleitung

Die Zunahme von Mobilfunksendeanlagen ist ein Resultat des zunehmenden Handygebrauchs sowie des Ausbaus vorhandener und neuer Mobilfunknetze (UMTS). Ein Handlungsbedarf für die Erforschung der gesundheitlichen Auswirkungen der Exposition durch die von Sendeanlagen emittierten elektromagnetischen Felder ergibt sich aus der öffentlichen Besorgnis, der starken Verbreitung der Exposition seit der Einführung der Handys und bisher inkonsistenten Forschungsergebnissen. Ziel der bundesweiten Basiserhebung im Rahmen der „Querschnittstudie zur Erfassung und Bewertung möglicher gesundheitlicher Beeinträchtigungen durch die Felder von Mobilfunkbasisstationen“ (QUEBEB [1]) ist eine Deskription der räumlichen Lage von Mobilfunksendeanlagen in Deutschland und eine bevölkerungsrepräsentative Beschreibung der Besorgnis sowie der subjektiven Beeinträchtigung wegen der möglichen Exposition gegenüber hochfrequenten elektromagnetischen Feldern durch Mobilfunksendeanlagen.

Material und Methoden

Datenbasis der Querschnittstudie sind eine bundesweite Befragung von Personen im Alter von 14 bis 69 Jahren sowie die Standortdaten aller genehmigungspflichtigen Mobilfunkbasisstationen in Deutschland, zur Verfügung gestellt von der Bundesnetzagentur (früher: RegTP).

Die schriftliche Erhebung in den Haushalten erfolgte zwischen August und November 2004. Von den angeschriebenen 51.444 Personen beteiligten sich 30.047 an der Befragung (Responserate = 58,4 %). Die Stichprobe ergibt für die Altersklassen, das Geschlecht und die Bundesländer eine gute Annäherung an die Zusammensetzung der in deutschen Privathaushalten lebenden Bevölkerung.

Die von der Bundesnetzagentur – mit dem Einverständnis der Netzbetreiber - zur Verfügung gestellte Standortdatenbank enthält die technischen Daten sowie die geographischen Koordinaten aller genehmigungspflichtigen Mobilfunksendeanlagen in Deutschland (über 51.000 Standorte mit rund 280.000 Antennen). Die Datenbank umfasst die geographische Lage der Wohnungen der Studienteilnehmer bzw. der Standorte der Basisstationen. Die Geokoordinaten wurde unter Verwendung von Gauß-Krüger-Koordinaten kodiert/umkodiert und kartographisch aufbereitet. Anschließend wurde die Verteilung der Variable zur Besorgnis wegen gesundheitlicher Auswirkungen einer Mobilfunkbasisstation auf unterschiedlichen regionalenVerwaltungsebenen (z.B. Bundesländer) deskriptiv beschrieben.

In einem multiplen logistischen Modell mit der Zielgröße der subjektiv empfundenen Besorgnis bzw. Beeinträchtigung wegen Mobilfunksendeanlagen werden folgende Haupteinflussgrößen berücksichtigt: Die Meinung eine Mobilfunkbasisstation im Wohnumfeld zu haben und objektives Vorhandensein einer Mobilfunkbasisstation im Umkreis von 500m um die Wohnung des Probanden. Bei einem Abstand von mehr als 500m wird davon ausgegangen, dass keine Exposition durch elektromagnetische Felder vorhanden ist. Allerdings erlaubt dies nicht den Umkehrschluss, dass alle Personen exponiert sind, die im Umkreis von 500m zu einer Mobilfunksendeanlage leben. Als weiter Einflussgröße wurden Geschlecht, Alter, Land, Haushaltsgröße, Schulabschluss berücksichtigt.

Ergebnisse

Eine Auswertung der auf Basis der Geokodierung berechneten Abständen ergibt, dass in Deutschland 47,0 % der Privathaushalte außerhalb eines Umkreises von 500m zu einer Mobilfunkbasisstation liegen. Regionale Unterschiede lassen sich durch unterschiedliche Ortsgrößenklassen erklären: mit steigender Einwohnerzahl steigt der Anteil an Personen, die innerhalb des 500m-Umkreises wohnen.

Die Besorgnis und die empfundene gesundheitliche Beeinträchtigung durch die Felder von Mobilfunkbasisstationen zeigen hinsichtlich der Bundesländer ein Nord-Süd-Gefälle. Die norddeutsche Bevölkerung ist weniger besorgt als die süddeutsche. Der Anteil der berichteten Beeinträchtigung durch die Mobilfunksendeanlagen ist in Mecklenburg-Vorpommern mit 6,2 % am geringsten und in Bayern mit 13,0 % am höchsten.

Im multiple Regressionsmodell ist die subjektive Wahrnehmung einer Mobilfunksendeanlage im Wohnumfeld mit einem OR von 1,35 (95% CI: 1,26-1,44) mit der Besorgnis über mögliche Beeinträchtigungen bzw. der selbstberichteten gesundheitlichen Beeinträchtigung wegen Mobilfunksendeanlagen assoziiert. Demgegenüber steht das durch die Georeferenzierung ermittelte tatsächliche Vorhandensein einer Mobilfunksendeanlage im Umkreis von 500m um den Wohnort im multiplen logistischen Regressionsmodell nicht im Zusammenhang mit der Besorgnis sowie der subjektiven Beeinträchtigung (OR: 0,95; 95% CI: 0,90-1,01). Vor allem Personen im Alter zwischen 30 und 50 Jahren und Personen mit höherer Schulausbildung (Fach-/Hochschulreife) äußern häufiger eine Besorgnis wegen bzw. eine gesundheitliche Beeinträchtigung durch Mobilfunkbasisstationen.

Diskussion

Mittels geographischer Kodierung konnte zur Untersuchung subjektiver Besorgnis wegen gesundheitlicher Auswirkungen der hochfrequenten elektromagnetischen Felder von Mobilfunksendeanlagen eine Beschreibung der geographischen Verteilung dieser Sendeanlagen sowie durch Abstandsbestimmungen eine Verknüpfung der befragten Haushalte und der Sendeanlagen durchgeführt werden.

Durch dieses Vorgehens konnte die subjektive Einschätzung der Probanden zur Lage der Mobilfunksendeanlagen mit objektiven Daten verifiziert werden. Die subjektiv berichteten Sorgen und Beeinträchtigungen wegen Mobilfunksendeanlagen sind kaum durch die objektiv vorhandenen Mobilfunkbasisstationen erklärbar, sondern eher durch die subjektive Wahrnehmung von Mobilfunkstationen durch die Befragten. Die Verwendung des Abstandes zwischen Haushalt und Sendeanlage im 500m-Bereich ist jedoch nicht für eine Expositionsabschätzung geeignet. Daher werden in einer weiteren Teilstudie dosimetrische Expositionsbestimmungen in ca. 1600 Haushalten durchgeführt. Die Ergebnisse, die aufgrund der Einbeziehung solcher Messungen bei der Berechnungen des Risikos in einem statistischen Modell gewonnen werden, können dann zur weitergehenden Auswertungen des deskriptiven Ansatzes der Basiserhebung herangezogen werden.


Literatur

1.
QUEBEB-Forschungsgruppe. Querschnittstudie zur Erfassung und Bewertung möglicher gesundheitlicher Beeinträchtigungen durch die Felder von Mobilfunkbasisstationen. Zwischenbericht zum Abschluss der Basiserhebung. 2006. http://www.emf-forschungsprogramm.de/forschung/epidemiologie/ epidemiologie_verg/epi_020.html.