gms | German Medical Science

50. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds)
12. Jahrestagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie (dae)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie
Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie

12. bis 15.09.2005, Freiburg im Breisgau

Spezifisches Muster von Entzündungsmarkern bei Parodontitis

Meeting Abstract

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  • Christian Schwahn - Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Ernst-Moritz-Arndt Universität, Greifswald
  • Henry Völzke - Institut für Epidemiologie und Sozialmedizin,Ernst-Moritz-Arndt Universität, Greifswald
  • Thomas Kocher - Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Ernst-Moritz-Arndt Universität, Greifswald

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie. 50. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 12. Jahrestagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie. Freiburg im Breisgau, 12.-15.09.2005. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2005. Doc05gmds358

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2005/05gmds464.shtml

Veröffentlicht: 8. September 2005

© 2005 Schwahn et al.
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Gliederung

Text

Einleitung und Fragestellung

Eine Erklärung für den wiederholt beobachteten Zusammenhang zwischen Parodontitis und koronarer Herzkrankheit beruht auf der Annahme eines durch Gene und Umweltbedingungen ausgeprägten hyperinflammatorischen Typs (auch: „hyperresponder“), der durch eine erhöhte systemische Reaktion bei Entzündungskrankheiten charakterisiert ist [1]. Dieser hyperinflammatorische Typ soll mithin durch seine Empfänglichkeit sowohl für Atherosklerose als auch für Parodontitis gekennzeichnet sein [1]. - Assoziationen zwischen Parodontitis und Markern der systemischen Entzündung wie der Plasma-Fibrinogen-Konzentration [2] und der Leukozyten-Anzahl [3] sind bekannt. Im Sinne des hyperinflammatorischen Typs ist zu erwarten, daß sich bei der Kombination von Markern der systemischen Entzündung für Parodontitis eine deutlich stärkere Assoziation ergibt im Vergleich zur Assoziation mit einem einzelnen Marker.

Material und Methoden

Von der Querschnittstudie Study of Health in Pomerania (SHIP) wurden Daten von 2815 Personen im Alter zwischen 20 und 59 Jahren analysiert. Das jeweils oberste Quartil wurde von der Plasma-Fibrinogen-Konzentrationen nach Clauss (≥ 3.25 g/l) und von der Leukozyten-Anzahl (≥ 7.9 Gpt/l) ermittelt und zu vier Kategorien kombiniert (Kategorie 0: keine erhöhten Werte [n=2387]; Kategorie I: nur erhöhte Leukozyten-Anzahl [n=428], Kategorie II: nur erhöhte Plasma-Fibrinogen-Spiegel [n=428], Kategorie III: sowohl erhöhte Leukozyten-Anzahl als auch erhöhte Plasma-Fibrinogen-Spiegel [n=278]). Diese vier Kategorien bildeten die Zielvariable in einer multinomialen logistischen Regression (Referenzkategorie: keine erhöhten Werte). Als Exposition wurde die Anzahl parodontaler Taschen ≥ 4 mm genommen (vier Stufen: 0 Taschen [Referenz], 1-7, 8-14, ≥ 15 Taschen). Weitere unabhängige Variablen waren: Alter, Geschlecht, Schulbildung, Rauchen, Body Mass Index, Alkoholkonsum, chronische Gastritis, chronische Bronchitis, Diabetes mellitus, Low Density Lipoprotein-Cholesterol und Medikamente (Aspirin, Gluccocorticoide, Fibrate).

Ergebnisse

Für ≥ 15 Taschen zeigte sich eine Odds Ratio (OR) von 2,39 (95%-Konfidenzintervall: 1,45-3,95) für die Kategorie I, eine OR von 1,58 (0,95-2,65) für die Kategorie II und eine OR von 4,81 (2,79-8,28) für die Kategorie III. Von den anderen unabhängigen Variablen wies lediglich Diabetes mellitus einen deutlich stärkeren Effekt bei der Kategorie III (OR: 2,52 [1,37-6,61]) im Vergleich zu den Kategorien I (OR: 1,48 [0,78-2,80]) und II (OR: 0,76 [0,42-1,38]) auf. Der Effekt bei Diabetes war weder in bezug auf das Verhältnis (2,52/1,48) noch auf die Stärke (2,52) derart ausgeprägt wie bei Parodontitis (4,81/1,48 bzw. 4,81).

Diskussion

Erwartungsgemäß fällt die Assoziation zwischen Parodontitis und systemischer Entzündung bei der Kombination von Markern der systemischen Entzündung deutlich stärker aus als die Assoziation mit einem einzelnen Marker. Diese deutlich stärkere Assoziation kann nicht allein durch die Tatsache der Kombination an sich erklärt werden, da sie spezifisch für Parodontitis auftritt. Auch unterscheidet sich die Plasma-Fibrinogen-Konzentration deutlich von der Leukozyten-Anzahl hinsichtlich des charakteristischen Verlaufs nach einem moderaten entzündlichen Stimulus. - Somit ist Parodontitis mit einem spezifischen Muster von Entzündungsmarkern assoziiert.

Danksagung

The work is part of the Community Medicine Research net (CMR) of the University of Greifswald, Germany, which is funded by the Federal Ministry of Education and Research (grant no. ZZ9603), the Ministry of Cultural Affairs as well as the Social Ministry of the Federal State of Mecklenburg-West Pomerania. The CMR encompasses several research projects which share data of the population-based Study of Health in Pomerania (SHIP; http://www.medizin.uni-greifswald.de/cm).


Literatur

1.
Beck J, Garcia R, Heiss G, Vokonas PS, Offenbacher S. Periodontal disease and cardiovascular disease. J Periodontol 1996; 67: 1123-37.
2.
Schwahn C, Völzke H, Robinson DM et al. Periodontal disease, but not edentulism, is independently associated with increased plasma fibrinogen levels. Results from a population-based study. Thromb Haemost 2004; 92: 244-52.
3.
Desvarieux M, Demmer RT Rundek T et al. Periodontal microbiota and carotid intima-media thickness. The oral infections and vascular disease epidemiology study (INVEST). Ciculation 2005; 111: 576-82.