gms | German Medical Science

50. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds)
12. Jahrestagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie (dae)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie
Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie

12. bis 15.09.2005, Freiburg im Breisgau

Standardisierte Kommunikation medizinischer Befunddaten aus einem Glaukom-Screening-Programm in eine elektronische Krankenakte mittels SCIPHOX/CDA

Meeting Abstract

  • Sascha Müller - Lehrstuhl für Datenbanksysteme, Universität Erlangen-Nürnberg, Germany, Erlangen
  • Frederic Gerdsen - Lehrstuhl für Medizinische Informatik, Universität Erlangen-Nürnberg, Germany, Erlangen
  • Hans-Ulrich Prokosch - Lehrstuhl für Medizinische Informatik, Universität Erlangen-Nürnberg, Germany, Erlangen
  • Stefan Jablonski - Lehrstuhl für Datenbanksysteme, Universität Erlangen-Nürnberg, Germany, Erlangen

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie. 50. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 12. Jahrestagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie. Freiburg im Breisgau, 12.-15.09.2005. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2005. Doc05gmds392

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2005/05gmds444.shtml

Veröffentlicht: 8. September 2005

© 2005 Müller et al.
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Gliederung

Text

Einleitung und Fragestellung

Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg widmet sich in einem eigenen Sonderforschungsbereich (SFB 539: Glaukome einschließlich Pseudoexfoliations-Syndrom PEX [1]) dem Krankheitsbild Glaukom. Der SFB 539 bezieht sich überwiegend auf den Komplex der chronischen Glaukome, die zunächst subjektiv symptomlos verlaufen und in dieser Phase nur durch den Augenarzt zu diagnostizieren sind.

In dem Teilprojekt C.5 des SFB wird eine vernetzte und integrierte Informationsplattform entwickelt, die es ermöglicht, die in den verschiedenen Subsystemen gehaltenen Daten fallbezogen zusammenzuführen. Das im SFB entwickelte Erlanger Glaukomregister (EGR) bildet hierbei die zentrale Datenbank, in der viele dezentral aufgenommene Daten zusammenfließen und aus dem wiederum Kommunikationsprozesse zu Komponenten der elektronischen Krankenakte (EKA) Soarian und einer elektronischen Gesundheitsakte (EGA) bestehen sollen [2].

In diesem Projekt geht es um die Realisierung eines generischen Integrations- und Kommunikationskonzepts zwischen dem EGR und der EKA. Für die Standardisierung klinischer Dokumente (z.B. Arztbrief oder Rezept) wird die Clinical Document Architecture (CDA) [3] und deren nationale Anpassung im SCIPHOX-Projekt für die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte empfohlen [4]. Ziel unseres Projektes ist es daher, einen Weg aufzuzeigen, wie durch Verwendung einer standardisierten Schnittstelle zur Kommunikation klinischer Dokumente (auf der Basis von CDA/SCIPHOX) die in der forschungsbasierten Screening-Untersuchung des SFB ermittelten Befunde – mit Einverständnis des Patienten – automatisiert an die EKA übermittelt werden können, um somit in einem eventuellen klinischen Aufenthalt zur Verfügung zu stehen.

Material und Methoden

Um die vorläufige Verdachtsdiagnose "Glaukom" mit hinreichend hoher Spezifität stellen zu können, ist grundsätzlich die Beurteilung mehrerer, unabhängiger glaukomspezifischer Erkrankungszeichen notwendig [5]. Im Rahmen des SFB wird ein entsprechender Prozess zur semi-automatischen Bestimmung des Glaukom-Risikos von Probanden interdisziplinär zwischen Medizinern, Biometrikern und Informatikern entwickelt [6]. Dieser Glaukom-Screening-Prozess unterteilt sich in zwei Phasen. In der ersten Phase erfolgt die Daten- und Bildaufnahme. Dabei wird mittels eines mobilen Screening-Arbeitsplatzes (z.B. in einem Unternehmen) eine ausgewählte Personengruppe vor Ort durch medizinisches Assistenzpersonal berührungslos mit Hilfe einer Gerätekombination (Frequency Doubling Technique (FDT), Non Contact Tonometer, Heidelberg Retina Tomograph 2 (HRT2), Non-Mydriatische Funduskamera (KOWA), Keratometer) untersucht. Die entstehenden Daten werden hierbei direkt in einer relationalen Datenbank gespeichert. In einer zweiten Phase werden die Daten in definierbaren Zeitabständen zum Befundungsarbeitsplatz (z.B. in einem Klinikum) übertragen, dort ebenfalls in einer relationalen Datenbank abgelegt und vom spezialisierten Augenarzt telemedizinisch ausgewertet.

Die EDV-gestütze Umsetzung des Screening- und Datenübertragungsprozesses erfolg mit Hilfe der prozessbasierten Datenlogistik, die im Rahmen des Teilprojekts C.5 entwickelt wird [7]. Im Anschluss an die Befundung wird ein Bericht für den Probanden generiert und alle relevanten Daten werden zur Archivierung in das EGR übertragen. Die gespeicherten Daten liegen in der Regel in der bestmöglichen Datenqualität vor, d.h. in einer sehr feinen Granularität.

Unser Projekt gliederte sich in die folgenden 4 Phasen:

  • Prozessanalyse in Forschung und klinischer Routine
  • Identifikation gleicher Datenanforderungen
  • Definition eines elektronischen Arztbriefes auf Basis von CDA Release 1 und SCIPHOX
  • Implementierung der Ex- und Import-Schnittstellen in EGR und EKA

Wie in Abbildung 1 [Abb. 1] konzeptuell dargestellt, werden die medizinischen Daten nach dem Screening erst im EGR gespeichert und von da innerhalb eines elektronischen Arztbriefes auf Basis der SCIPHOX-Spezifikation „im Ganzen“ an die EKA übermittelt.

Ergebnisse

Ziel des Projektes war die standardisierte Kommunikation medizinischer Befunddaten aus einem Forschungsprogramm in eine elektronische Krankenakte, um medizinische Daten, die in der Forschung dokumentiert werden, auch in der klinischen Routine nutzen zu können. Durch eine genaue Anforderungsanalyse war es möglich, eine für das Screening-Programm nötige CDA-Spezifikation, erweitert um bestimmte SCIPHOX-Strukturen (Small Semantic Units), zu erzeugen, so dass eine standardisierte Kommunikation mit der elektronischen Krankenakte grundsätzlich möglich ist. Der Vorteil der standardisierten und strukturierten Übermittlung der Daten an die EKA besteht darin, dass auf diese Art und Weise, sowohl das Dokument als Ganzes existiert, als auch auf jeden einzelnen übermittelten Wert zugegriffen werden kann, um z.B. automatisierte Benachrichtigungen („Alerts“ und „Reminders“) an den behandelnden Arzt zu generieren. Problematisch bei der Datenkommunikation erwies sich die unterschiedlichen Anforderungen in Forschung und Routine, die sich zumeist in der Detailtiefe der aufgenommenen Daten äußert [8]. Die hohe Datendetailtiefe in wissenschaftlichen Forschungsstudien ist aus wissenschaftlicher Sicht wünschenswert bzw. oft sogar notwendig, jedoch für den medizinischen Routinebetrieb, beispielsweise in einem Klinikum, nicht erforderlich.

Dennoch ist es durch die umfangreiche Prozessanalyse gelungen, die Daten in der Art zu kommunizieren, dass eine Verwendung in klinischer Routine Sinn macht, beispielsweise, wenn aus einem ehemaligen Screening-Probanden später ein Patient der Augenklinik wird.

Weiterer Forschungsbedarf besteht insbesondere in der Migration unserer SCIPHOX-CDA Release 1 Dokumente in CDA Release 2 Dokumente (auf Basis des aus dem RIM abgeleiteten D-MIM für CDA Release 2) und des Datenexports aus der EKA in das EGR, um die vielfältigen Möglichkeiten der Forschungsunterstützung durch den Einsatz elektronischer Akten auszunutzen [9].


Literatur

1.
Sonderforschungsbereich 539: "Glaukome einschließlich Pseudoexfoliationssyndrom", Homepage. http://www..sfb539.forschung.uni-erlangen.de/ Abgerufen am 2005-04-10
2.
Gerdsen F, Baleanu D, Michelson G, Prokosch, HU: Integrated and Networked Information Systems for Glaucoma Research and Patient Care J. Qual. Life Res. Vol.2, Issue 1, 2004: 151-154
3.
Dolin RH, Alschuler L, Beebe C, Biron PV, Boyer SL, Essin D, Kimber E,Lincoln T, Mattison JE. The HL7 Clinical Document Architecture. J Am Med Inform Assoc. 2001 Nov-Dec;8(6):552-69. PMID: 11687563 [PubMed - indexed for MEDLINE]
4.
Bit4Health, Homepage: http://www.dimdi.de/de/ehealth/karte/download/b4h_standards_v1-1.pdf, Erarbeitung einer Strategie zur Einführung der Gesundheitskarte, Standards und Initiativen im Gesundheitswesen, S.49f.
5.
Präventivmedizin & Augendiagnostik Homepage, http://pa.onjoph.com/content/master.php. Abgerufen am 2005-03-01
6.
Sonderforschungsbereich 539, Teilprojekt A4: "Automatisches Glaukom-Screening", Homepage. http://www.imbe.med.uni-erlangen.de/%7Eteilpa4/antrag.html Abgerufen am 02-03-2005
7.
Jablonski, Stefan ; Lay, Rainer ; Meiler, Christian ; Müller, Sascha. "Process Based Data Logistics: A solution for Clinical Integration Problems". In: Rahm, E. (Hrsg.): First International Workshop on Data Integration in the Life Sciences (DILS 2004), 2004
8.
Gerdsen F, Müller S, Bader E, Poljak M, Jablonski S, Prokosch, H-U. "Einsatz von CDA/SCIPHOX zur standardisierten Kommunikation medizinischer Befunddaten zwischen einem Schlaganfall-/Glaukom-Screening-Programm und einer elektronischen Gesundheitsakte (EGA), Tagungsband Telemed2005, S.124-138, ISBN 3-89838-064-5
9.
Powell J, Buchan I. Electronic Health Records Should Support Clinical Research, J Med Internet Res 2005;7(1):e4