gms | German Medical Science

50. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds)
12. Jahrestagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie (dae)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie
Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie

12. bis 15.09.2005, Freiburg im Breisgau

Auswahl und Aufbau eines mandantenfähigen Multi-Labor-Systems für das Universitätsklinikum Münster

Meeting Abstract

  • Horst-Dietrich Helb - Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin - Zentrallaboratorium -, Labor-EDV-Team des Universitätsklinikums Münster, Deutschland
  • P.B. Bicsán - Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin - Zentrallaboratorium -, Labor-EDV-Team des Universitätsklinikums Münster, Deutschland
  • B. Eing - Institut für Medizinische Mikrobiologie, Universitätsklinikum Münster, Deutschland
  • C. Fister - Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin - Zentrallaboratorium -, Labor-EDV-Team des Universitätsklinikums Münster, Deutschland
  • G. Glöckner - Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin - Zentrallaboratorium -, Labor-EDV-Team des Universitätsklinikums Münster, Deutschland
  • M. Osada - Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin - Zentrallaboratorium -, Labor-EDV-Team des Universitätsklinikums Münster, Deutschland
  • F. Kipp - Institut für Medizinische Mikrobiologie, Universitätsklinikum Münster, Deutschland
  • H.G. Koch - ehemals: Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin - Allgemeine Pädiatrie -, Universitätsklini-kum Münster, jetzt: Kinder- und Jugendmedizin, Klinikum Braunschweig, Deutschland
  • H. Köhler - Institut für Rechtsmedizin, Universitätsklinikum Münster, Deutschland
  • W. Mathys - Institut für Hygiene, Universitätsklinikum Münster, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie. 50. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 12. Jahrestagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie. Freiburg im Breisgau, 12.-15.09.2005. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2005. Doc05gmds054

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2005/05gmds341.shtml

Veröffentlicht: 8. September 2005

© 2005 Helb et al.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielf&aauml;ltigt, verbreitet und &oauml;ffentlich zug&aauml;nglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Gliederung

Text

Einleitung und Fragestellung

Der Vorstand des Universitätsklinikums Münster (UKM) setzte im Juli 2002 eine "Projektgruppe zur Auswahl eines Labor-EDV Systems für alle Klinisch-Chemischen Labore des UKM sowie die Mikrobiologie und Virologie" ein. Sie hatte den Auftrag zu untersuchen, ob es möglich ist, für alle Laboratorien des UKM ein einheitliches Labor-EDV-System zu finden, das kommerziell vertrieben wird und vom Labor-EDV-Team des UKM technisch betreut und administriert werden kann. Anlass für diesen Auftrag war der Wunsch des Vorstandes, die Qualität und Effektivität der Routinearbeiten in den verschiedenen Laboratorien mit möglichst geringen Kosten zu verbessern.

Systemauswahl

Die Projektgruppe führte mit Unterstützung der Verwaltung des Universitätsklinikums Münster (UKM) einen europaweiten Teilnahmewettbewerb durch, dem u.a. ein von der Projektgruppe erarbeitetes Pflichtenheft für ein mandantenfähiges Multi-Labor-System am UKM beilag. An Hand der von den Firmen eingereichten Unterlagen wurden Firmen ausgewählt, denen detaillierte Ausschreibungsunterlagen zugesandt wurden. Auswahlaspekte waren u.a. der Einsatz vergleichbarer Installationen des als Ausgangsbasis anzubietenden EDV-Systems im Routinebetrieb von mindestens drei großen Krankenhäusern, die Erfüllung der Rahmenbedingungen, die von der Kommission für Rechenanlagen der DFG gefordert werden [1], die Bereitschaft zur Offenlegung des Datenmodells sowie die Bereitschaft, die vom UKM benötigte Funktionalität eines mandantenfähiges Multi-Labor-Systems im Standardsystem des Herstellers zu implementieren. Die im Institut für Hygiene des UKM benötigte Funktionalität für Krankenhaus- und Umwelt-Hygiene wurde von keinem der Hersteller von Labor-EDV-Systemen für die Krankenversorgung angeboten. Deshalb entschloss sich die Projektgruppe, für das Hygiene-Institut ein spezialisiertes System auszuschreiben. Es wurden daraufhin 4 Systemanbieter zur Abgabe von Angeboten aufgefordert.

Während die Frist zur Abgabe der Angebote lief, besichtigte die Projektgruppe ohne Beteiligung der Systemlieferanten Installationen der Systeme im Routinelaborbetrieb großer Krankenhäuser. Nach Eingang der Angebote wurden von der Projektgruppe nach einem einheitlichen Gesprächsplan jeweils ca. 6-stündige Gespräche mit jeder Firma über das von ihr vorgelegte Angebot geführt. Die Empfehlung für ein Labor-EDV-System für alle in der Krankenversorgung tätigen Institute am UKM und ein System für das Hygiene-Institut wurde anschließend von der Projektgruppe auf Grund der Besichtigungen, der Angebote und der Gespräche mit den Firmen über die Angebote getroffen. Für das Hygiene-Institut wurde das Hytec-System der Firma Cymed, für alle anderen Labore das System OPUS::L der Firma OSM ausgewählt. Entscheidend war jeweils das Preis-Leistungs-Verhältnis. Die Leistungsbeurteilung orientierte sich nicht nur an der verfügbaren Funktionalität, sondern auch an der Technologie des Systems und der im Angebot verbindlich zugesagten Weiterentwicklung. Die Direktoren der beteiligten Institute und Kliniken schlossen sich ebenso der Empfehlung der Projektgruppe an wie der Vorstand des UKM. Daraufhin wurde ein HBFG-Antrag auf Beschaffung der Systeme gestellt. Er wurde von den Gutachtern der DFG im Februar 2004 ohne Abstriche befürwortet. Anschließend begannen das Labor-EDV-Team und die Projektgruppe mit den Arbeiten für den Aufbau des Systems.

Erfahrungen mit dem Aufbau der Systeme

Das EDV-System für das Institut für Hygiene konnte ohne nennenswerte Probleme aufgebaut werden und befindet sich im Routinebetrieb. Ein reibungsloser Aufbau ist bei der Standardinstallation eines vielfach eingesetzten Systems auch zu erwarten.

Anders ist die Situation im Bereich der Labor-EDV für die Krankenversorgung. Wie in [2] beschrieben, gibt es am Markt bisher kein System, das die am UKM gewünschte mandantenfähige Multi-Labor-Funktionalität bereits bieten würde. Im Jahr 2004 wurden deshalb vom Labor-EDV-Team und der Projektgruppe zur Weiterentwicklung des ausgewählten Systems mehrere umfangreiche Spezifikationen erstellt und mit dem Systemlieferanten abgestimmt. Die Funktionalität des mandantenfähigen Multi-Labor-Systems wurde so beschrieben, dass sie ausgehend von der vorhandenen Funktionalität des ausgewählten Labor-EDV-Systems auf sicheren Entwicklungspfaden erreicht werden kann. Damit können Interessenkonflikte zwischen UKM und Systemlieferant vermieden werden. Während es bei der Weiterentwicklung für den Systemanbieter auch darum gehen muss, die Produktionssicherheit und die Investitionen der Anwender seines Labor-EDV-Systems zu sichern, liegt das primäre Interesse der Projektgruppe am UKM in der Realisierung der ausgeschriebenen Funktionalität. Die Verfügbarkeit des Systems trotz technischer Störungen an Teilkomponenten (Fehlertoleranz) ist dabei für den Anbieter wie für die Anwender gleichermaßen wichtig. Denn die am UKM vorgesehene Ausweitung des Einsatzes auf alle Labore und die vom Systemlieferanten angestrebten höheren Stückzahlen am Markt sind nur dann technisch und wirtschaftlich erfolgreich realisierbar, wenn man die Fehlertoleranz, die im derzeit am UKM eingesetzten System OLIS [3] bereits in einer ersten Realisierungsstufe vorhanden ist und sich bewährt hat, im beauftragten System OPUS::L weiter verbessert.

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die wichtigsten Erfahrungen bei Auswahl und bisherigem Aufbau eines mandantenfähigen Multi-Labor-Systems am UKM folgende waren:

  • Es kann für alle Labore in der Krankenversorgung ein gemeinsames Labor-EDV-System realisiert werden. Die Umwelt- und Krankenhaushygiene muss derzeit allerdings von einem spezialisierten System unterstützt werden.
  • Die gemeinsame Spezifikationsarbeit der Anwender aus Laboratorien mit unterschiedlichen Aufgabenschwerpunkten und Labormethoden deckt grundlegende Prinzipien der Labororganisation auf, die in allen Laboratorien zu einheitlichen und besseren EDV-Verfahren führen.

Diskussion

Das Gelingen eines umfangreichen EDV-Projektes, bei dem ein vorhandenes Standardsystem ausgewählt und ggf. weiterentwickelt werden muss, hängt entscheidend davon ab, ob die am Projekt direkt beteiligten Interessengruppen (Anwender, Lieferant) gemeinsame Ziele vereinbaren können. Der Wille zur Einigung muss durch klare Zielvorgaben von außen gefördert werden. Diese Vorgaben waren für die Projektgruppe und das Labor-EDV-Team die Empfehlungen der Rechnerkommission der DFG zur Informationsverarbeitung an Hochschulen [1] und der Auftrag des Vorstandes des UKM zur Kosten- und Nutzen-Effizienz der Labor-EDV am UKM. Bei den gemeinsamen Arbeiten in der Projektgruppe machten wir zu unserer eigenen Überraschung die Erfahrung, dass die unterschiedlichen Schwerpunkte organisatorischer und arbeitstechnischer Verfahren in den unterschiedlichen Laboren nicht zu unterschiedlichen EDV-Verfahren führen müssen, wie es immer noch von vielen Anwendern und in Folge dessen auch von manchen Anbietern in Werbeprospekten für Labor-EDV-Systeme behauptet wird. Das Gegenteil ist der Fall: Die gemeinsame Spezifikationsarbeit unterschiedlicher Labore führt zu Lösungen, die für alle Labore einen Gewinn an Funktionalität bedeuten. Dies ermöglicht es dann dem Anwender, den Anbieter davon zu überzeugen, dass die vorgeschlagenen Weiterentwicklungen die Aufwendungen für Programmerstellung, Programmpflege und Kundenservice mittelfristig verringern werden und der Anbieter gleichzeitig durch die Funktionalitätsverbesserung seine Marktposition verbessern kann. Deshalb sind wir zuversichtlich, dass der Aufbau des gemeinsamen Labor-EDV-Systems am UKM so erfolgreich abgeschlossen werden kann, wie er begonnen wurde.


Literatur

1.
Informationsverarbeitung an Hochschulen. Netze, Rechner, Organisation. Empfehlungen der Kommission für Rechenanlagen 2001-2005. http://www.dfg.de/forschungsfoerderung/wissenschaftliche_infrastruktur/wgi/download/wgi_kfr_empf.pdf
2.
Helb HD, Bicsán PB, Fister Chr, Glöckner G, Osada M. Aspekte eines mandantenfähigen Multi-Labor-Systems. Informatik, Biometrie und Epidemiologie in Medizin und Biologie 35 (1/2004), 23-43
3.
Helb HD, Bicsán PB, Fister Chr, Glöckner, G, Osada M. Neue Konzepte der Labordatenverarbeitung. Informatik, Biometrie und Epidemiologie in Medizin und Biologie 29 (2/1998), 129-152