gms | German Medical Science

50. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds)
12. Jahrestagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie (dae)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie
Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie

12. bis 15.09.2005, Freiburg im Breisgau

Auf dem Weg zu einem hochschulweiten, flächendeckenden Einsatz einer Kursmanagementplattform: Erfahrungen und Evaluationen.

Meeting Abstract

  • Ursula Hübner - Fachhochschule Osnabrück - University of Applied Sciences, Osnabrück
  • K. Morisse - Fachhochschule Osnabrück, Osnabrück
  • R. Andersson - Fachhochschule Osnabrück, Osnabrück
  • H. Wiese - Fachhochschule Osnabrück, Osnabrück
  • T. Steinkamp - Fachhochschule Osnabrück, Osnabrück

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie. 50. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 12. Jahrestagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie. Freiburg im Breisgau, 12.-15.09.2005. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2005. Doc05gmds638

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2005/05gmds336.shtml

Veröffentlicht: 8. September 2005

© 2005 Hübner et al.
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Gliederung

Text

Einleitung

eLearning hat viele Schattierung und demzufolge viele Definitionen. Die EU-Kommission definiert den Begriff als „the use of new multimedia technologies and the Internet to improve the quality of learning by facilitating access to resources and services as well as remote exchanges and collaboration.“ [1]. Im Sinne dieser Definition umfasst eLearning Zugangs-, Austausch und Kollaborationsmethoden und betont darüber die Bedeutung von Infrastrukturelementen. Dass eLearning sowohl Infrastruktur wie Inhalte umfasst, zeigt auch die jüngste Ausschreibung des bmbf zum Einsatz „Neuer Medien in der Bildung“ [2], die beide Bereiche adressiert und „eLearning Integration“ ausdrücklich thematisiert. Denn die dezentralen „bottom-up“ Strategien, die an vielen Hochschulen erprobt wurden, haben sich nicht bewährt. Seufert und Euler [3] fordern daher die Entwicklung einer zentralen Strategie für Synergien in den Bereichen Didaktik, Ökonomie, Technik, Organisation und Kultur. Das vorgestellte Projekt setzt an dieser Stelle an, um erste Schritte in Richtung einer gemeinsamen Technik und Organisation in allen Fakultäten zu verankern.

Die Fachhochschule Osnabrück befasst sich seit 1999 in allen Fakultäten mit der Erstellung von Kursinhalten [4], [5], mit der Schaffung fachspezifischer [6] und hochschulweiter eLearning-Infrastrukturen sowie mit didaktischen Fragen der online-Lehre [7], [8], gerade auch unter Berücksichtigung des Gesundheitswesen. 2004 wurde die hochschulweite Einführung von Stud.IP durch das Präsidium beschlossen. Im Rahmen einer stufenweisen Einführung wurden die Fragen gestellt, ob

1.
das Ziel einer fakultätsübergreifenden Nutzung,
2.
das Ziel einer flächendeckenden Nutzung innerhalb der Fakultäten und
3.
das Ziel einer intensiven Nutzung von organisatorischen und kollaborativen Funktionen der Kursmanagementplattform

während der zweisemestrigen Aufbauphase erreicht wurden.

Methoden

Seit Anfang 2004 setzt die Fachhochschule Osnabrück das Kursmanagementsystem Stud.IP [9] ein, das von dem eLearning Kompetenzzentrum virtUOS der Universität Osnabrück als Open Source Software zur Verfügung gestellt wird. Neben der reinen technischen Bereitstellung von Stud.IP sind seit der Einführung im Sommersemester 2004 pro Fakultät ein Mitarbeiter und ein Hochschullehrer für eLearning und seine Verbreitung zuständig. Zusätzlich wurde für die gesamte Hochschule ein wissenschaftlicher Mitarbeiter für die technische Betreuung des Systems eingestellt. Der Verlauf der Einführung wurde durch Evaluationen begleitet. Insbesondere wurden Nutzerbefragungen Ende der Vorlesungszeiten im Sommersemester 2004 und im Wintersemester 2004/2005 durchgeführt. Diese hatten zum Ziel, subjektive Einschätzungen darüber zu ermitteln, welche Werkzeuge genutzt wurden und wie häufig sie zum Einsatz kamen. Zusätzlich sollte die Nützlichkeit von Stud.IP mit einem getesteten Usability-Fragebogen [10] ermittelt werden.

Ergebnisse

Im Sommersemester 2004 waren zum Zeitpunkt der Evaluation 1300 Benutzer registriert, im Wintersemester 2004/2005 4371 Benutzer aus allen Fakultäten. An den Evaluationen beteiligten sich im Sommersemester 2004 139 Nutzer, im Wintersemester 2004/2005 271 Nutzer, was einer Beteiligungsquote von ca. 10 % bzw. 6 % entspricht. Unter den Evaluationsteilnehmern befanden sich zu beiden Zeitpunkten in erster Linie Studierende. In beiden Semestern gaben über 90 % der Nutzer an, „Datei herunterladen“ genutzt zu haben, was damit das Tool war, das die meisten Nutzer einsetzten (Tabelle 1 [Tab. 1]). Nur knapp 40 % gaben an, den „Chat“ mindestens einmal genutzt zu haben.

Mit Ausnahme von „Datei herunterladen“ stieg die Nutzerzahl von allen Werkzeugen über die zwei Semester an, am deutlichsten für die „Suche“, gefolgt von dem „Ablaufplan“ und der „Literatur“. Gefragt nach der Intensität der Nutzung wiederholt sich im Großen und Ganzen die Rangreihenfolge der Werkzeuge. „Dateien herunterladen“ wurde über die beiden Semester stabil und als einziges Werkzeug „häufig“ eingesetzt. Eine Reihe von Werkzeugen erfuhren über die zwei Semester eine Intensivierung der Nutzung, so dass am Ende des Wintersemesters für 8 Tools eine „mittlere Nutzungsintensität“ vorlag. Zu den Aufsteigern zählten die „Suche“, das „Voting“, der „Ablaufplan“, das „Adressbuch“, „Mail“ und die „Homepage“. Die Kommunikationswerkzeuge „Chat“ und „Diskussionsforum“ wurden auch im zweiten Semester seit Einführung „eher selten“ verwendet. Hinsichtlich der Brauchbarkeit des Systems Stud.IP urteilten die Nutzer überwiegend positiv. Während im Sommersemester alle Aspekte positiv bewertet wurden, gab es im Wintersemester für die „Angemessenheit der Aufgaben“ und die „Fehlertoleranz“ leicht schlechtere Noten. Die „Erlernbarkeit“, „Selbstbeschreibungsfähigkeit“, „Steuerbarkeit“ und „Erwartungskonformität“ wurden jedoch weiterhin als positiv bestätigt.

Diskussion

Die vorliegende Untersuchung hatte sich zum Ziel gemacht, den Einführungsprozess hinsichtlich der gesteckten Vorgaben zu evaluieren. Die erste Vorgabe, nämlich die fakultätsübergreifende Nutzung des Systems, wurde bereits am Ende der Einführungsphase erreicht. Hinsichtlich der zweiten Vorgabe, nämlich einer flächen-deckenden Nutzung von Stud.IP, weisen die Ergebnisse auf einen positiven Trend, jedoch noch nicht auf ein erreichtes Ziel. Das dritte Ziel, die intensive Nutzung aller bereit stehenden Werkzeuge in Studium und Lehre, wurde kurzfristig nur teilweise realisiert. Fast alle Teilnehmer der Befragung nutzten das „Dateiherunterladen“. Dies verwundert nicht, da die elektronische Bereitstellung von Skripten durch die Lehrenden weit verbreitet ist und damit ein gängiger Anwendungsfall nunmehr mit Stud.IP umgesetzt werden kann. Anders sieht es mit Funktionalitäten aus, die bislang in den Veranstaltungen noch nicht erprobt sind, wie Diskussionsforum und Chat. In Zukunft ist mit einer weiteren Steigerung der Nutzerzahlen zurechnen, auch wegen der gut bewerteten „Erlernbarkeit“. Dennoch ist darauf zu achten, dass auch die Nutzungsintensität aller Werkzeuge steigt, eLearning organisatorisch gut in die neuen Bachelor- und Masterangebote und technisch gut in die IT-Landschaft integriert wird. Denn ohne eine funktionierende Gesamtinfrastruktur bleiben elektronische Kurse vereinzelte Sonderlinge ohne Nachhaltigkeit.


Literatur

1.
eEurope 2005 eLearning. http://europa.eu.int/information_society/eeurope/2005/all_about/ elearning/index_en.htm. Letzter Zugriff am 4.6.2005
2.
http://www.medien-bildung.net/bmbffrderinitiative_2004/bmbffrderinitiative_2004_uebersicht_db.php/ spezialthemen/ Letzter Zugriff am 4.6.2005
3.
Seufert S, Euler D. Nachhaltigkeit von eLearning-Innovationen. SCIL-Arbeitsbericht St. Gallen, 2004
4.
Hübner U, Hassmann J, Bloom-Schinnerl M. Multimedia Courseware for Nursing Informatics: Strategies and Implementation. Medinfo 2001, p 1085.
5.
Hochschulen für Gesundheit. In: DLR-Projektträger (Hrg.) Kursbuch eLearning 2004. St. Augustin, 2004, S. 90-93
6.
movii - Mediendesign für audiovisuelle Gestaltung und Grundlagen der Gestaltung. In: DLR-Projektträger (Hrg.) Kursbuch eLearning 2004. St. Augustin, 2004, S. 46-49.
7.
Hübner U, Hassmann J, Henze J. E-Learning braucht Anleitung: Ergebnisse einer randomisierten Studie zum Einsatz von neuen Medien. 49. Jahretagung der GMDS 2004, www.egms.de/en/meetings/gmds2004/04gmds376.shtml
8.
Wiese H. Abschlußbericht des Forschungsprojektes "Online-Interaktions-Pädagogik". Fachhochschule Osnabrück, Standort Lingen, 2004
9.
www.studip.de. Letzter Zugriff am 4.6.2005
10.
Gediga G, Hamborg KC, Düntsch I. The IsoMetrics Usability Inventory. Behaviour and Information Technology 1999 18, 151-164.