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50. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds)
12. Jahrestagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie (dae)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie
Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie

12. bis 15.09.2005, Freiburg im Breisgau

Der Einsatz synchroner Lernplattformen in weiterbildenden Studiengängen

Meeting Abstract

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  • Uwe Sander - FHM, Bielefeld
  • Christoph Brake - FHM, Bielefeld

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie. 50. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 12. Jahrestagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie. Freiburg im Breisgau, 12.-15.09.2005. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2005. Doc05gmds540

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2005/05gmds331.shtml

Veröffentlicht: 8. September 2005

© 2005 Sander et al.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielf&aauml;ltigt, verbreitet und &oauml;ffentlich zug&aauml;nglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Gliederung

Text

Einleitung

Ein Überblick bei den mittlerweile annähernd 1000 Projekteinreichungen im MEDIDA-PRIX http://www.medidaprix.de/ zeigt, dass der Einsatz interaktiver Medien in der Lehre oftmals gleichgesetzt wird mit dem Angebot von Web-Based-Training auf der Basis von asynchronen Learning Management Systemen. Synchrone Kommunikationsformen finden in den meisten der eingereichten Projekte nur als unterstützende Maßnahmen zur Sicherstellung der tutoriellen Begleitung Berücksichtigung. Auch in der Frage der mediendidaktischen Bewertung von E-Learning Konzepten zeigt sich eine Konzentration auf die Gestaltung von Content [1]. Die Diskussion folgt primär dem Paradigma der Medienproduktion, anstatt den Einsatz interaktiver Medien in der Lehre als eine Veränderung der Kommunikationsformen zu begreifen.

Leistungsmerkmale synchroner E-Learning Plattformen

Im Unterschied zu asynchronen Plattformen erfordern synchrone E-Learning Plattformen eine gleichzeitige Nutzung. Synchrone E-Learning Plattformen ermöglichen

  • Live-Online-Veranstaltungen mit Sprach- und Datenaustausch in beiden Richtungen,
  • Live-Video-Übertragung,
  • Die Aufzeichnung von Lehrveranstaltungen und wiederholtes Abspielen.

Die Teilnehmer einer Live-Online-Veranstaltung können die Präsentation des Vortragenden sehen, können Fragen in Gruppenarbeit lösen und ihre Erfahrungen mit den anderen Teilnehmern teilen. Insbesondere ist eine Einbindung aller im Internet verfügbaren Ressourcen im Rahmen des Shared Browsing möglich. Auf diesem Weg können zum Beispiel die verfügbaren Contents (WBT; Simulationen, etc.) in den Rahmen der synchronen E-Learning Plattform integriert werden und so als Lehrmittel auch ad hoc hinzugezogen werden.

Synchrone E-Learning Plattformen bieten in der Regel Hilfsmittel wie:

  • Whiteboard = virtueller Flipchart zum interaktiven Arbeiten während einer Veranstaltung, Zeichnen, Schreiben
  • Multiple Choice und offene Fragen können im Vorfeld oder ad hoc vom Referenten erstellt werden und von den Teilnehmern während der Veranstaltung beantwortet werden.
  • Umfragen für schnelle Rückmeldungen an die Teilnehmer, die Antworten werden sofort zurückgemeldet.
  • Application Sharing ermöglicht es, Software-Anwendungen lokal auf dem PC eines Teilnehmenden zu starten und diese Anwendung gemeinsam mit anderen Teilnehmern zu nutzen.
  • Chat-Fenster: es dient zur schriftlichen Kommunikation aller Teilnehmer untereinander zusätzlich zur Audio- und video-basierten Kommunikation.

Synchrone Lernplattformen machen die Vorteile der Ortsunabhängigkeit des Lehrens und Studierens sofort erlebbar. Anhand von zwei Beispielen sollen die Vorteile und Schwierigkeiten beim Einsatz dieser E-Learning Systeme aus der Sicht von Anwendern dargestellt werden. An der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) werden synchrone E-Learning Plattformen mit gutem Erfolg eingesetzt.

Einsatz einer synchronen Lernplattform im weiterbildenden Master-Studiengang „Management und Controlling in der Gesundheitswirtschaft“

Das zweijährige weiterbildende berufsbegleitende Master-Studium „Management und Controlling in der Gesundheitswirtschaft“ wird seit 2004 an der Fachhochschule des Mittelstands angeboten. Derzeit werden knapp ein Fünftel des Unterrichts mit der synchronen E-Learning-Plattform Learnlinc durchgeführt. Alle Dozenten, die Unterricht mit der synchronen Plattform gestalteten, hatten zuvor bereits Präsenzunterricht in der Studiengruppe durchgeführt.

Folgende didaktische Elemente wurden eingesetzt:

  • Auf dem Server bereitgestellte Powerpointfolien dienten zumeist als inhaltliche und visuelle Basis des Unterrichts.
  • Umfragen bei den Teilnehmer wurden sehr häufig zu unterschiedlichen Themenstellungen durchgeführt und waren oft Ausgangspunkte themenzentrierter Diskussionen.
  • Die manchmal eingesetzten Multiple Choice Fragen erwiesen sich als wertvoll, um den Kenntnisstand der Teilnehmer individuell und systematisch zu eruieren und regten ebenfalls den Gedankenaustausch in der Gruppe an.
  • Application Sharing wurde regelmäßig eingesetzt, beispielsweise zur Darstellung spezieller Programme, die nur auf dem Rechner des Dozenten installiert waren.
  • Synchrones Web-Browsen wurde eingesetzt, um die Studierenden auf bestimmte Internetseiten zu leiten.
  • Das Whiteboard wurde spontan eingesetzt, um ad hoc bestimmte Diskussionsstände in der Gruppe zu dokumentieren.
  • Das Chat-Fenster wurde rege von den Studierenden eingesetzt.

Dir Lehrveranstaltungen wurden mit einem strukturierten Fragebogen von den Studierenden evaluiert. Die Anzahl an Lehrveranstaltungen ist allerdings bislang im Master-Studium für eine systematische Auswertung der Veranstaltungen mit der synchronen Plattform noch zu gering. Als Tendenz zeigte sich aber, dass die Darstellungsmethodik und Verständlichkeit wie auch das Eingehen auf Fragen und Antworten als sehr positiv von den Studierenden aufgefasst wurden. Dies könnte ein Hinweis sein, dass verschiedene didaktische Möglichkeiten und Verfahren zur Aufrechterhaltung einer Interaktivität mit den Studierenden mit diesen Plattformen durchaus realisierbar sind. Am schlechtesten schnitt die Organisation der Veranstaltungen ab. Die Freitextangaben der Studierenden sowie persönliche Kommentare ließen hierbei den Schluss zu, dass technische Schwierigkeiten hierfür ausschlaggebend waren. Tatsächlich war es anfänglich zu einigen Störungen bei der Übertragung von Tönen und Bildern gekommen.

Als besondere Herausforderung für die Dozenten hat sich die Aufrechterhaltung einer guten Interaktion mit den Studierenden herausgestellt. Da die nonverbalen Kommunikationsmöglichkeiten fehlen, besteht die Gefahr, sich im „Blindflug“, ohne Feedback durch die Teilnehmer, durch die Lehrveranstaltung zu bewegen. Die Stimmungen und die Erwartungen der Studierenden sind dem Dozenten nicht immer bewusst. Eine zielgerichtete und konsequente Nutzung der vielfältigen Kommunikationsmöglichkeiten der synchronen Plattformen ist somit notwendig, um eine ständige Reflektion der Erwartungen der Nutzer zu erhalten.

Einsatz einer synchronen Lernplattform im Weiterbildenden Studium „Wirtschaftsförderer (FH)“ an der FHM

Im weiterbildenden Studium „Wirtschaftsförderer/in (FH)“ wird ein mehrstufiges Blended-Learning Konzept umgesetzt. Nachdem in einer zweiwöchentlichen Präsenzphase die fachlichen und methodischen Grundlagen für das Studium gelegt wurden, findet der größte Teil der dann folgenden Lehrveranstaltungen als virtuelles Online-Seminar statt. In diesem Rahmen kommen sowohl die synchrone Lernplattform als auch eine asynchrone Lernplattform zum Einsatz.

Die Lerneinheit wird dort im direkten Austausch (unter Nutzung eines Headset) zwischen Dozent und Lernenden in Form eines Online-Vortrags bearbeitet. Die Lehrenden werden zusätzlich im Rahmen eines individuellen Coachings auf die Moderation von Online-Seminaren vorbereitet. Vorerfahrungen der Lehrenden mit der Durchführung von synchronen Online Seminaren sind wünschenswert, aber nicht notwendige Voraussetzung.

Insgesamt stellt sich der Einsatz der synchronen Plattform bei der FHM als ein Schlüsselfaktor für den Erfolg des Blended-Learning-Konzepts dar. Die Skepsis war bei allen Beteiligten, bei Studierenden genau so wie auch bei Lehrenden zu Beginn des Online-Studiums zum Wirtschaftsförderer (FH) sehr groß. Umso überraschender ist die große Akzeptanz, die diese Form des Lehrens und Lernens bei allen Beteiligten quasi aus dem Stand gefunden hat.

Die oftmals geäußerte Skepsis, das E-Learning zu sozialer Verarmung führe, konnte in diesen Kursen bislang keineswegs bestätigt werden. Die persönlichen Kontakte werden auch im „virtuellen Raum“ intensiv gepflegt. Notwendige Bedingung ist die Präsenzphase zu Beginn des Kurses, in dem eine persönliche Begegnung der Studierenden möglich ist.


Literatur

1.
Brake, C., Topper, T. & Wedekind, J. (Hrsg.) Der MEDIDA-PRIX - Nachhaltigkeit durch Wettbewerb. Münster, New York, München, Berlin: Waxmann Verlag; 2004