gms | German Medical Science

50. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds)
12. Jahrestagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie (dae)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie
Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie

12. bis 15.09.2005, Freiburg im Breisgau

Endotoxinmessungen für das NiLS-Projekt

Meeting Abstract

  • Anja Schulze - LMU, München
  • Rob van Strien - LMU, München
  • Rudolf Schierl - LMU, München
  • Vera Ehrenstein - LMU, München
  • Georg Praml - LMU, München
  • Dennis Nowak - LMU, München
  • Katja Radon - LMU, München

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie. 50. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 12. Jahrestagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie. Freiburg im Breisgau, 12.-15.09.2005. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2005. Doc05gmds082

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2005/05gmds236.shtml

Veröffentlicht: 8. September 2005

© 2005 Schulze et al.
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Gliederung

Text

Einleitung und Fragestellung

Aus vielen Studien ist bekannt, dass Endotoxine in hohen Konzentrationen nicht nur im Stall vorkommen, sondern auch aus diesen emittiert werden [1]. Die Niedersächsische Lungenstudie hat untersucht [2], inwiefern diese Emissionen Einfluss auf die Gesundheit der Bewohner in der Nähe von Anlagen der Veredelungswirtschaft haben. Ziel der hier vorgestellten Umweltmessungen war es, den Zusammenhang zwischen der Anzahl der Tierställe in der Wohnumgebung und der gemessenen Endotoxinexpositionen im häuslichen Umfeld zu überprüfen.

Material und Methoden

Als Expositionsgröße wurde die Anzahl der Tierställe im Umkreis von 500 m um die Wohnung des Probanden verwendet. Weiterhin wurde mit dem Lagrange-Ausbreitungsmodell LASAT die Umweltexposition gegenüber Endotoxinen aus Anlagen der Veredelungswirtschaft modelliert [2].

Für die Umweltmessungen wurde der Gesamtstaub in den Gärten von 32 Probanden zweimal im Jahr 2004 über 24-Stunden stationär auf Glasfaserfiltern gesammelt. Jeweils eine Messung wurde während des Winters und eine während des Sommers durchgeführt. Die Gesamtstaubproben wurden mittels Limulus-Amöbozyten-Lysat(LAL)-Test auf ihren Endotoxingehalt überprüft [3]. Die Wetterbedingungen in Form von Temperatur, Windrichtung, Windstärke und Luftfeuchtigkeit wurden als mögliche Einflussgrößen berücksichtigt. Um die Zusammenhänge zwischen den Umweltmessungen und der modellierten Endotoxinkonzentration sowie der Anzahl der Ställe unter Berücksichtigung der Wetterbedingungen auszuwerten, wurde eine multivariate Analyse in Form einer MANOVA durchgeführt

Ergebnisse

Die Randverteilungen der Messungen (Median; Range: 2,9 EU/m³; 0,4 – 12,0 EU/m³) und der modellierten Endotoxinkonzentration (2,4 EU/m³; 0,0 – 7,9 EU/m³) waren vergleichbar. Hinweise für einen linearen Zusammenhang (RhoPearson = 0,3) zwischen der Stallanzahl und der Umweltmessungen werden in der Abbildung 1 [Abb. 1] deutlich.

In der Varianzanalyse erklärten die Stallanzahl und die Wetterbedingungen 34% der Variabilität der gemessenen Werte. Wurde die modellierte Endotoxinkonzentration anstelle der Stallanzahl verwendet, zeigte sich hingegen kein Zusammenhang (R2=17%, p=0,5; Tabelle 1 [Tab. 1]).

Diskussion

Unsere Messungen zeigen einen signifikanten Zusammenhang zwischen der Anzahl der Ställe in 500 Metern um die Wohnung und der gemessenen Endotoxinkonzentration unter Berücksichtigung meteorologischer Bedingungen. Es lässt sich somit vermuten, dass der einfache Parameter der Stallanzahl im Umkreis von 500 m um die Wohnung gut die häusliche Expositionssituation der Probanden widerspiegelt. Problematisch scheint hingegen eine Validierung des Ausbreitungsmodells durch Einzelmessungen.

Danksagung

Die Niedersächsische Lungenstudie wurde durch das Niedersächsische Ministerium für Soziales, Frauen, Familie und Gesundheit und die Europäische Union finanziell unterstützt. Besonderer Dank gilt den Mitarbeitern vor Ort.


Literatur

1.
Seedorf J, Hartung J, Schröder M, Linkert K-H, Phillips VR, Holden MR, et al. Concentrations and Emissions of Airborne Endotoxins and Microorganisms in Buildings in Northern Europe. J Agric Eng Res. 1998 70:97-109
2.
Radon K, Schulze A, van Strien R, Ehrenstein V, Praml G, Nowak D, et al. Atemwegsgesundheit und Allergiestatus bei jungen Erwachsenen in ländlichen Regionen Niedersachsens. Abschlussbericht. 2004 http://aumento.web.med.uni-muenchen.de/nils/website/presse4.html
3.
Waser M, Schierl R, von Mutius E, Maisch S, Carr D, Riedler J, et al. Determinants of endotoxin levels in living environments of farmers' children and their peers from rural areas. Clin Exp Allergy. 2004 Mar;34(3):389-97