gms | German Medical Science

50. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds)
12. Jahrestagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie (dae)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie
Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie

12. bis 15.09.2005, Freiburg im Breisgau

Die Inanspruchnahme von Maßnahmen zur Brustkrebsfrüherkennung bei Hamburgerinnen vor Einführung des Mammographie-Screenings

Meeting Abstract

  • Nadia Obi-Osius - Arbeitsgruppe Epidemiologie der BWG und des IMBE/UKE, Hamburg
  • Elke Mutschelknauss - Arbeitsgruppe Epidemiologie der BWG und des IMBE/UKE, Hamburg
  • Dieter Flesch-Janys - Arbeitsgruppe Epidemiologie der BWG und des IMBE/UKE, Hamburg
  • Wilhelm Braendle - Frauenklinik des UKE, Hamburg
  • Jürgen Berger - IMBE des UKE, Hamburg

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie. 50. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 12. Jahrestagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie. Freiburg im Breisgau, 12.-15.09.2005. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2005. Doc05gmds307

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2005/05gmds221.shtml

Veröffentlicht: 8. September 2005

© 2005 Obi-Osius et al.
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Gliederung

Text

Einleitung

Seit 1972 steht Frauen ab 30 Jahren in der gesetzlichen Krankenversicherung eine jährliche Krebsfrüherkennungsuntersuchung (KFU) zu. Diese schließt die ärztliche Inspektion und Palpation der Brust sowie eine Anleitung zur Selbstuntersuchung ein. Die Mammographie und die Mamma-Sonographie waren bislang nicht Bestandteil der KFU, sondern wurden ausschließlich nach Indikationsstellung, z.B. bei einem abklärungsbedürftigen Vorbefund oder einem familiären Brustkrebsrisiko, von den gesetzlichen Kassen getragen. In Deutschland werden jährlich mehr als 5 Mio. Mammographien abgerechnet. Ein Großteil dieser Mammographien kann als opportunistische Screening-Mammographie gelten, d.h. als reine Früherkennungsmaßnahme ohne Vorbefund bzw. ohne familiäres Risiko [1].

Die Bewertung des Erfolges des zukünftigen Mammographie-Screenings für 50-69 jährige Frauen muss dieses „graue“ Screening berücksichtigen.

Die vorliegende populationsbasierte Befragung über Maßnahmen der Brustkrebsfrüherkennung hat zum Ziel, sowohl die Häufigkeit der bisherigen Inanspruchnahme der verschiedenen Maßnahmen als auch die Häufigkeit der Wiedereinbestellung nach einer Mammographie abzuschätzen.

Methode

Für diese Erhebung wurden 3200 Frauen im Alter von 40 bis 75 Jahren, darunter 1000 40-49jährige, aus dem Hamburger Einwohnermelderegister per Zufallsauswahl gezogen. Die unter 50jährigen wurden per Telefoninterview, die anderen Frauen persönlich befragt.

Das Interview bestand aus 70 Fragen und Unterfragen zu gynäkologischen Vorerkrankungen, zur Selbstuntersuchung der Brust, zur klinischen Tastuntersuchung, zu Mammographie (Indikation, weiterführende Maßnahmen etc.) und Mamma-Sonographie sowie zum Sozialstatus.

Ergebnisse

In beiden Altersgruppen betrug die Responseproportion rund 40%. Insgesamt konnten Antworten von 1291 Frauen ausgewertet werden (412 40-49 Jährige und 879 50-75 Jährige, darunter 2% Ausländerinnen). Rund 37% der Frauen hatten einen Hauptschulabschluss (40-49 Jährige: 17%, 50-75 Jährige: 46%), 35% hatten einen Realschulabschluss und 22% Abitur (40-49 Jährige: 40%, 50-75 Jährige: 13%).

Jemals eine Selbstuntersuchung der Brust gaben 89% der Befragten an. Davon untersuchten 50% ihre Brust entsprechend der ärztlichen Empfehlung einmal im Monat und knapp 14% einmal pro Jahr oder seltener. Ein Viertel der Frauen hat bei einer Selbstuntersuchung mindestens einmal Veränderungen an ihrer Brust entdeckt.

Jemals eine klinische Tastuntersuchung der Brust hatten 98% der Frauen. Von diesen ließen 73,5% ihre Brust regelmäßig in jährlichem Abstand von einem Arzt untersuchen. Jeweils 13% gaben an, alle 2 bis 4 Jahre bzw. seltener eine klinische Tastuntersuchung gehabt zu haben. Ebenfalls rund 13% der Frauen bejahten die Frage danach, ob ein Arzt jemals eine auffällige Veränderung an der Brust festgestellt hat. Wesentliche Unterschiede zwischen den Altersgruppen waren in den genannten Merkmalen nicht erkennbar.

Jemals eine Mammographie hatten 82,5% der Frauen (40-49 Jährige 62,6%, 50-75 Jährige 91,8%). Mehr als 10 Mammographien berichteten 15% (Median 5). Regelmäßig alle 2 Jahre oder häufiger gingen 42% der Frauen zur Mammographie. Der Median für das Alter bei erster Mammographie betrug bei den 40-49 jährigen Frauen 36 Jahre, bei den 50-75 Jährigen 44 Jahre. Auf die Frage nach dem Anlass für die letzte Mammographie antworteten rund 70%, sie hätten eine Mammographie „zur Vorsorge ohne Verdacht“ vornehmen lassen. 18% der Frauen, die mindestens eine Mammographie ohne Eingangsverdacht hatten, wurden wegen eines auffälligen Befundes nach einer „Routine“-Mammographie zu weiteren Untersuchungen wieder einbestellt.

Diskussion

Die Responseproportion von 40% ist vergleichbar mit der in einer Bielefelder Studie [2]. Unter den 40-49jährigen Frauen haben überdurchschnittlich viele mit höherer Schulbildung teilgenommen. Daher sind Aussagen aus dieser Studie lediglich begrenzt auf die Allgemeinheit übertragbar. Unter den Teilnehmerinnen ist die Inanspruchnahme der verschiedenen Maßnahmen zur Brustkrebsfrüherkennung als sehr groß zu bewerten. Altersunterschiede sind vereinzelt erkennbar. Die Mammographie gehört bei einem Drittel der 40-49jährigen Frauen bereits zu den Routine-Maßnahmen der Brustkrebsfrüherkennung, wobei eine regelmäßige Mammographie in dieser Altersgruppe medizinisch noch umstritten ist. Und schließlich weist die Prävalenz von 18% Wiedereinbestellungen nach einer Mammographie ohne Eingangsverdacht unter Teilnehmerinnen mit „Routine“-Mammographie auf die Notwendigkeit einer - gegenüber der bisherigen Praxis - verbesserten Qualität des zukünftigen Screenings hin.

Danksagung

Die Studie wurde finanziert von der Hamburger Krebsgesellschaft e.V. und der Behörde für Wissenschaft und Gesundheit.


Literatur

1.
Sachverständigenrat der Konzertierten Aktion im Gesundheitswesen SVR KAG 2000/2001: Bedarfsgerechtigkeit und Wirtschaftlichkeit. Bd. III Über-, Unter- und Fehlversorgung. Nomos-Verlag
2.
Klug SJ, Hetzer M, Blettner M. Screening for breast and cervical cancer in a large German city: participation, motivation and knowledge of risk factors. Eur J Public Health 2005;15: 70-7