gms | German Medical Science

50. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds)
12. Jahrestagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie (dae)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie
Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie

12. bis 15.09.2005, Freiburg im Breisgau

Präsenz eines Cilio-retinalen Gefäßes bei Alterabhängiger Makula-Degeneration (AMD)

Meeting Abstract

  • Sonja Suchsland - Institut für Epidemiologie UKM, Münster
  • Astrid Meister - Augenklinik St. Franziskus Hospital, Münster
  • Burkhard Dasch - Institut für Epidemiologie UKM, Münster
  • Daniel Pauleikhoff - Augenklinik St. Franziskus Hospital, Münster
  • Hans-Werner Hense - Institut für Epidemiologie UKM, Münster

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie. 50. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 12. Jahrestagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie. Freiburg im Breisgau, 12.-15.09.2005. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2005. Doc05gmds204

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2005/05gmds162.shtml

Veröffentlicht: 8. September 2005

© 2005 Suchsland et al.
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Gliederung

Text

Einleitung und Fragestellung

Bei der Altersabhängigen Makulopathie (ARM) handelt es sich um eine degenerative Erkrankung, die die zentrale Netzhaut betrifft und meist erst nach dem 60. Lebensjahr auftritt. Die Netzhaut wird generell durch die Arteria centralis retinae und deren Äste versorgt. In einigen Fällen erfolgt eine zusätzliche Versorgung der Netzhaut aus einem Gefäß, das als cilioretinal bezeichnet wird und direkt aus der Choroidea stammt. Der Stand des Wissens zum cilioretinalen Gefäß ist lückenhaft und widersprüchlich ist. Wir untersuchten an einer großen Patientengruppe, ob ein zusätzlich angelegtes cilioretinales Gefäß als ein hypothetischer Schutzfaktor bei Patienten mit altersabhängiger Makuladegeneration seltener nachweisbar ist als bei Kontrollpersonen.

Material und Methoden

Die Studie basiert auf Daten der Baseline-Survey der Münsteraner Altern- und Retina- Studie (MARS), einer prospektiven Kohorte von 1063 ophthalmologischen Patienten (Frauen und Männer im Alter zwischen 58 und 82 Jahren) mit Normalbefunden der Retina oder frühen bzw. späten Formen der Makulopathie. Dazu wurden digitale Fundusfotos standardisiert nach den Rotterdam-Kriterien befundet. Als cilioretinales Gefäß (CRG) galt in dieser Studie jedes Gefäß, das von der temporalen Papillenhälfte abging und keine sichtbare Verbindung zu den Stammgefäßen hatte, das mindestens einen Durchmesser von 63 mm aufwies und das mit einer mindestens 90°-Biegung im Bereich des Papillenrandes einen abrupt sichtbaren Beginn nahm. Die Übereinstimmung bei der Identifikation eines CRG durch zwei unabhängige Befunder bei 196 Einzelaugen war gut (Kappa = 0.69). Insgesamt wurden von 935 Teilnehmern, für die an beiden Augen Befundungen möglich waren, 1870 Einzelaugen in die Auswertungen einbezogen.

Ergebnisse

Ein CRG fand sich bei Männern in 12.8% und bei Frauen in 13.1% aller untersuchten Augen, dabei fand sich in linken Augen ein CRG häufiger als in rechten Augen (15.3% vs. 10.6%, p = 0.002). Ein beidseitiges CRG war bei 29 Patienten (3.1%) vorhanden. Bei Patienten > 75 Jahre war ein CRG seltener (10.3%) als bei Jüngeren (14.0%, p = 0.04). Durchmesser und Länge der vorhandenen CRG hingen nicht statistisch signifikant mit Alter oder Geschlecht zusammen. Bezüglich der ARM wiesen 29.4% der untersuchten Augen einen Normalbefund, 50.1% einen Früh- und 20.6% ein Spätstadium auf. Ein CRG fand sich bei 13.3% der Augen mit Normalbefund, bei 14.3% der Augen mit früher ARM und bei 9.3% der Augen mit einer Spätform. Die rohe Odds Ratio für die Präsenz eines CRG bei Augen mit einer späten ARM im Vergleich zu den Augen mit einer frühen ARM oder einer normalen Retina betrug cOR = 0.64 [0.44 – 0.93], nach Adjustierung auf das Alter betrug sie aOR = 0.67 [0.46 – 0.98].

Diskussion

Wir fanden eine erniedrigte Häufigkeit eines CRG bei Patienten mit einer späten ARM (= altersabhängige Makuladegeneration) im Vergleich zu den Patienten, die eine normale Retina bzw. nur Drusen und/oder Pigmentverschiebungen (frühes ARM-Stadium) aufwiesen. Dies könnte die Hypothese einer potenziell protektiven Wirkung eines CRG für die Entwicklung einer AMD stützen. Trotz der weitgehend erhalten gebliebenen aOR nach Berücksichtigung des Alters in der logistischen Regression sollte das Ergebnis aber mit Vorsicht interpretiert werden, da die erniedrigte Prävalenz eines (angeborenen) CRG unter Älteren auf einen Selektionsbias deuten könnte. Bestätigungen in anderen Patientengruppen erscheinen deshalb erforderlich.