gms | German Medical Science

50. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds)
12. Jahrestagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie (dae)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie
Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie

12. bis 15.09.2005, Freiburg im Breisgau

Der Einfluss von Wurminfektionen auf Atopie und Allergien in Ost- und Westdeutschland

Meeting Abstract

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  • Ursula Krämer - Institut für Umweltmedizinische Forschung, Düsseldorf
  • H. Behrendt - München
  • J. Ring - München

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie. 50. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 12. Jahrestagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie. Freiburg im Breisgau, 12.-15.09.2005. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2005. Doc05gmds530

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2005/05gmds127.shtml

Veröffentlicht: 8. September 2005

© 2005 Krämer et al.
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Gliederung

Text

Einleitung und Fragestellung

Aus ökologischen Studien ist seit langem bekannt, dass die Asthmaprävalenz in Ländern mit einem hohen Parasitenbefall besonders niedrig ist [1]. Neuere Studien in Entwicklungsländern zeigen [2], dass Wurminfektionen zu einer Erhöhung des Gesamt IgE führen, dass sie meist auch zu einer Erhöhung der spezifischen IgE Sensibilisierungen, besonders gegen Hausstaub, führen, dass sie aber vor einer Hypersensitivität im Hautpricktest und vor allergischen Manifestationen schützen. Bei Heuschnupfen und Ekzem ist die Schutzwirkung weniger klar als beim Asthma. In Bevölkerungsgruppen, die stark von Parasiten befallen sind, sind die Assoziationen zwischen spezifischen Sensibilisierungen und allergischen Manifestationen im allgemeinen kaum ausgeprägt. In wieweit solche Zusammenhänge auch in Industrienationen gelten, ist bisher kaum untersucht. Wir prüften anhand der Daten unsere Studie an Schulanfängern aus Ost- und Westdeutschland., ob die obengenannten Assoziationen auch in Deutschland zutreffen.

Material und Methoden

Zwischen 1991 und 2000 untersuchten wir 7438 Schulanfängern aus unterschiedlichen Orten in Ost- und Westdeutschland. (Response: 79%). Gesamt-und spezifisches IgE wurden aus dem Serum bestimmt, es wurde ein Haut Pricktest durchgeführt, die Haut wurde von Dermatologen standardisiert auf ein Ekzem hin untersucht und die Eltern füllten einen Fragebogen zu allergischen Manifestationen, Symptomen, Wurminfektionen und Störgrößen aus. Logistische Regression wurde für die statistische Auswertung verwendet.

Ergebnisse

Während der Beobachtungszeit ist die Lebenszeitprävalenz von Wurminfektionen in Ostdeutschland von 26% auf 7% gefallen. In Westdeutschland lag sie konstant bei 5%. Gleichzeitig sank der geometrische Mittelwert der Gesamt IgE Konzentration in Ostdeutschland von 51 kU/L auf 40 kU/L (OR für den Trend 0.79 95% CI: 0.68-0.93). In Westdeutschland lag dieser konstant bei etwa 30 kU/L. Der Trend abnehmender Gesamt IgE Konzentrationen in Ostdeutschland lässt sich weitgehend durch die Abnahme der Wurminfektionen erklären (OR adjustiert 0.90 95% CI: 0.77-1.06). Die adjustierten Assoziationen zwischen spezifischen Sensibilisierungen und allergischen Manifestationen waren in der Gruppe der Kinder mit Wurminfektionen schwächer ausgeprägt als in der Gruppe ohne Infektionen. Ein Test auf Wechselwirkung war signifikant für Asthma, Ekzem und Prick Test Sensibilisierungen. Das Odds Ratio für den Zusammenhang zwischen Asthmadiagnose und spezifischen IgE-Sensibiliserungen zum Beispiel war 3.9 (2.7-5.5) für Kinder ohne Infektionen und 0.5(0.1-4.2) für Kinder mit Infektionen. Ein Ekzem trat bei Kindern mit Wurminfektionen häufiger auf als bei Kindern ohne Wurminfektion, war dann aber überwiegend ein Ekzem ohne gleichzeitige spezifische IgE Sensibilisierung.

Diskussion

Die Assoziationen zwischen Atopie , allergischen Manifestationen und Wurminfektionen, wie sie in Entwicklungsländern gefunden wurden, lassen sich auch, allerdings in schwächerem Ausmaß, in Deutschland finden. Wie schon in einer ersten Veröffentlichung als Vermutung geäußert [3] führten vermehrte Parasiteninfektionen in Ostdeutschland auch zu erhöhten Gesamt IgE Konzentrationen. Ein Teil der Ost-Westunterschiede (höhere und abnehmende Ekzemprävalenz, Ost/West Unterschiede im Pricktest aber kaum Unterschiede bei spezifischen IgE Sensibilisierungen) kann auf Unterscheide in der Prävalenz von Wurminfektionen zurückgeführt werden.

Danksagung

Die Studie wurde teilweise vom Umweltministerium in Nord rhein Westfalen und vom Sozialminisierium in Sachsen-Anhalt finanziert, Wir danken den Mitarbeitern der örtlichen Gesundheitsämter, sowie Dr H Willer, Dr H Oppermann und Dr R Dolgner und Prof Dr Ranft für die lokale Organisation sowie Berichterstellung.


Literatur

1.
Masters S, Barrett-Connor E. Parasites and asthma - predictive or protective? Epidemiologic reviews 1985; 7:49-58
2.
Yazdanbakhsh M, Kremsner P, van Ree R Allergy, parasites, and the hygiene hypothesis Science 2002;296:490-494
3.
Behrendt H, Krämer U, Dolgner R, Hinrichs J, Willer H, Hagenbeck H, Schlipköter HW Elevated levels of total serum IgE in East German children: atopy, parasites or pollutants? Allergo J 1993;2:31-40