gms | German Medical Science

50. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds)
12. Jahrestagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie (dae)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie
Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie

12. bis 15.09.2005, Freiburg im Breisgau

Datenmanagement und Epidemiologie im Sonderforschungsbereich "Inflammatorische Kardiomyopathie"

Meeting Abstract

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  • Dagmar Greiner - Universität Greifswald, Greifswald
  • Matthias Schmidt - Universität Greifswald, Greifswald
  • Wolfgang Hoffmann - Universität Greifswald, Greifswald

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie. 50. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 12. Jahrestagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie. Freiburg im Breisgau, 12.-15.09.2005. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2005. Doc05gmds271

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2005/05gmds083.shtml

Veröffentlicht: 8. September 2005

© 2005 Greiner et al.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielf&aauml;ltigt, verbreitet und &oauml;ffentlich zug&aauml;nglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Gliederung

Text

Einleitung und Fragestellung

Die dilatative Kardiomyopathie (DCM) ist eine Herzmuskelerkrankung des jüngeren Menschen mit Häufigkeitsgipfeln in der 3. bis 5. Lebensdekade. Nach der Definition der WHO von 1995 ist die dilatative Kardiomyopathie durch eine „Dilatation und eingeschränkte Kontraktion des linken Ventrikels oder beider Ventrikel charakterisiert. Sie kann idiopathisch, familiär/genetisch, viral und/oder immunologisch, alkoholisch/toxisch verursacht oder mit einer bekannten kardiovaskulären Erkrankung assoziiert sein“ [1].

Neueren Untersuchungen zufolge ist eine Entzündung und/oder eine myokardiale Virusinfektion = Inflammatorische Kardiomyopathie (DCMi) die häufigste Ursache einer DCM. Trotz neuerer medikamentöser Therapiemaßnahmen bezüglich der Herzinsuffizienz liegt die 5-Jahres-Mortalität noch immer über 50%. Dennoch existieren bis jetzt noch keine allgemein akzeptierten spezifischen Therapierichtlinien für die DCM. Für die meisten Patienten ist neben der symptomatischen medikamentösen Therapie der Herzinsuffizienz die Herztransplantation die derzeit einzige akzeptierte palliative Therapieoption.

Im Sonderforschungsbereich (SFB) „Inflammatorische Kardiomyopathie“ wollen Universitätskliniken und Forschungseinrichtungen aus Berlin, Tübingen und Greifswald die Determinanten der erworbenen myokardialen Entzündungen und/oder Virusinfektionen (inflammatorische Kardiomyopathie) aufklären. Die Ergebnisse dienen der Entwicklung und Prüfung neuer Therapieansätze.

Material und Methoden

Zum SFB „Inflammatorische” haben sich mehrere Universitätskliniken sowie universitäre und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen zusammengeschlossen, die auf den für den SFB relevanten Gebieten umfangreiche wissenschaftliche und/oder klinische Erfahrungen haben und eine hohe internationale Reputation genießen. Neben anamnestischen und klinischen Patientendaten werden Daten aus den apparativen und laborchemischen Untersuchungen sowie Ergebnisse der immunologischen und virologischen Diagnostik aus Biopsien des erkrankten Herzmuskelgewebes im SFB standardisiert erfasst. Ein Monitoring aller relevanten Verlaufsparameter der betroffenen Patienten im prospektiven Längsschnitt nach epidemiologischen Qualitätsstandards wird durchgeführt [2].

Dem Institut für Community Medicine obliegt das zentrale Datenmanagement für die im Sonderforschungsbereich erhobenen Patientendaten und für die Speicherung und Zusammenführung der Daten aller Untersuchungsergebnisse. Im Projekt werden alle Daten zu Anamnese, Diagnostik und Untersuchungsergebnissen ausschließlich in pseudonymisierter Form verwaltet, Identifikationsmerkmale wie Name und Anschrift der Patienten sind durch ID-Nummern (Klinik-ID, SFB-ID) ersetzt.

Zweiter Aufgabenschwerpunkt des Instituts für Community Medicine ist die Bereitstellung von bevölkerungsbezogenen Vergleichsdaten. Hierfür soll auf die an der Universität Greifswald durchgeführte bevölkerungsrepräsentative epidemiologische Studie „Study of Health in Pomerania“ (SHIP) [3] zurückgegriffen werden. In dieser wurden neben ausführlichen persönlichen Interviews zur Lebensweise, Risikofaktoren und Vorerkrankungen eine Reihe apparativer Untersuchungen durchgeführt und eine umfassende biologische Probenbank angelegt. In der Basisstudie SHIP-0 wurden zwischen 1997 und 2001 insgesamt 4310 Probanden im Alter von 20-79 Jahren untersucht.

Derzeit schließt sich ein Follow-up (SHIP-1) an, das im ersten Halbjahr 2007 abgeschlossen sein wird. Aus den im Rahmen der SHIP an der Universität Greifswald erhobenen echokardiographischen Parametern können die linksventrikuläre Masse und das Fractional Shortening berechnet werden, die für die Diagnose, Differentialdiagnose und Prognose einer Herzinsuffizienz relevant sind.

Im Follow-up wird zusätzlich eine standardisierte spiroergometrische Untersuchung einschließlich kontinuierlicher Ventilationsanalyse (Diffusionsanalyse und Atemantriebsuntersuchung) durchgeführt. Die Spiroergometrie hat sich als valide Methode zur Erfassung der kardiopulmonalen Funktion etabliert. Patienten mit Kardiomyopathie haben im Vergleich zu Gesunden erniedrigte Werte der maximalen Sauerstoffaufnahme als Zeichen einer Belastungseinschränkung. Da bei Patienten mit einer Herzinsuffizienz eine pathologische Ventilationssteigerung unter Belastung vorliegt, wird auch der Atemeffizienz eine hohe prognostische Bedeutung beimessen.

Aus der Kenntnis der Verteilung der relevanten diagnostischen und prognostischen Parameter in der Allgemeinbevölkerung kann die Repräsentativität der vorhandenen Patientenkollektive für die Allgemeinbevölkerung valide eingeschätzt werden. Die bevölkerungsbezogenen Vergleichsdaten herzgesunder und herzerkrankter Probanden erlauben die quantitative Bestimmung der Sensitivität und Spezifität sowie der positiven prädiktiven Werte von diagnostischen Verfahren und Scores, die im Sonderforschungsbereich entwickelt werden. Daneben erlauben sie die Projektion der in den einzelnen Forschungsvorhaben gewonnenen Erkenntnisse auf die Allgemeinbevölkerung, z.B. für versorgungsepidemiologische oder gesundheitsökonomische Analysen.

Ergebnisse

Das zentrale Datenmanagement bildet die Basis für die Datenhaltung innerhalb des Sonderforschungsbereichs und dient der Qualitätssicherung im SFB. Weiterhin wird der zeitnahe und reibungslose Austausch von Daten und Biomaterialien zwischen allen Teilprojekten sichergestellt. Ein Abgleich anhand der bevölkerungsbezogenen Daten ermöglicht eine Abschätzung der Repräsentativität der Patientenkollektive für die Allgemeinbevölkerung und eine Prävalenzschätzung relevanter Riskofaktoren der inflammatorischen Kardiomyopathie, ihrer klinischen Frühstadien, verwandten Symptombildern und assoziierten Befunden in der Bevölkerung. Die unterschiedlichsten Therapieansätze bei der inflammatorischen Kardiomyopathie werden anhand der erfassten Daten optimiert und weiterentwickelt. Risikofaktoren werden abgeschätzt, prädiktive Marker erkannt. Der Sonderforschungsbereich trägt zur Aufklärung eines sehr komplexen und verschieden artigen Krankheitsbildes bei. So wird eine bessere Behandlung des Patienten gesichert.


Literatur

1.
Richardson P, McKenna W, Bristow M et al.: Report of the 1995 world health organization/international society and federation of cardiology task force on the definition and classification of cardiomyopathies. Circulation 1996; 93: 841–842.
2.
Deutsche Arbeitsgemeinschaft Epidemiologie (DAE), Redaktion Bellach B-M, Hoffmann W, Hense H-W. Leitlinien und Empfehlungen zur Sicherung von Guter Epidemiologischer Praxis (GEP). Das Gesundheitswesen 2000; 5: 295-302.
3.
John U, Greiner B, Hensel E, Ludemann J, Piek M, Sauer S, Adam C, Born G, Alte D, Greiser E, Haertel U, Hense HW, Haerting J, Willich S, Kessler C. Study of Health in Pomerania (SHIP): a health examination survey in an east German region: objectives and design. Soz Praeventivmed 2001; 46 (3): 186-194.