gms | German Medical Science

50. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds)
12. Jahrestagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie (dae)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie
Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie

12. bis 15.09.2005, Freiburg im Breisgau

Zur Korrelation von Strahlen-, Staub- und Arsenbelastung bei ehemaligen Uranerzbergarbeitern

Meeting Abstract

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  • Dorothea Koppisch - Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften, Sankt Augustin
  • Frank Lehmann - Bergbau-Berufsgenossenschaft, Bezirksverwaltung Gera, Gera
  • H.-D. Bauer - Institut für Gefahrstoff-Forschung, Bochum
  • Peter Morfeld - Institut für Arbeitswissenschaften der RAG Aktiengesellschaft, Dortmund

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie. 50. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 12. Jahrestagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie. Freiburg im Breisgau, 12.-15.09.2005. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2005. Doc05gmds557

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2005/05gmds056.shtml

Veröffentlicht: 8. September 2005

© 2005 Koppisch et al.
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Gliederung

Text

Einleitung und Fragestellung

Nachdem Dosis-Wirkungs-Beziehungen für viele krebsauslösende Expositionen geklärt sind, stellt sich zunehmend die Frage nach einer Syncancerogenese, also der Auswirkung einer gemeinsamen Exposition gegenüber mehreren krebsauslösenden Stoffen und/oder Einwirkungen. Diese Frage kann epidemiologisch nur an Kollektiven untersucht werden, für die alle beteiligten Expositionen zuverlässig abgeschätzt werden können. Außerdem dürfen die einzelnen Belastungen nicht zu stark korreliert sein, um den Beitrag der einzelnen Expositionsquellen und ihre Wechselwirkung mit ausreichender Sicherheit zu trennen.

Uranerzbergarbeiter könnten als Modellgruppe dienen, da sie neben ionisierender Strahlung (vor allem Radon und Radonfolgeprodukte) auch quarzhaltigen Stäuben und weiteren Gefahrstoffen wie Arsen ausgesetzt waren. Für Tätigkeiten im ehemaligen Uranerzbergbau der DDR stehen Job-Expositions-Matrizen für ionisierende Strahlung, Staub und Arsen zur Verfügung. In der vorgestellten Studie soll daher an einem Kollektiv ehemaliger Mitarbeiter der Wismut SDAG geprüft werden, inwieweit diese Expositionen korreliert sind und ob sich Teilkollektive definieren lassen, für die diese Korrelation gering ist.

Material und Methoden

Als Beispielkollektiv wurde eine Gruppe von Personen ausgewählt, die an nachgehenden Untersuchungen der Zentralen Betreuungsstelle Wismut teilnehmen. Für diese Personen liegen Berufsanamnesen mit detaillierten Angaben zum Arbeitsort und zur Tätigkeit vor. Es wird mit Hilfe der Job-Expositions-Matrizen von Lehmann et al. [1] und Bauer [2] die Belastung durch ionisierende Strahlung, durch Staub und Arsen retrospektiv abgeschätzt und die Korrelation zwischen den Belastungsgrößen für das ganze Kollektiv berechnet.

Nach folgenden drei Methoden werden Unterkollektive definiert und die Korrelation zwischen den einzelnen Belastungen innerhalb dieser Unterkollektive getestet:

1.
Es erfolgt eine Auswahl entsprechend den Arbeitsbereichen Untertageabbau, Tagebau und Aufbereitung.
2.
Das Kollektiv wird an Hand des Beschäftigungsbeginns in Gruppen aufgeteilt.
3.
Für jede der drei Expositionen wird die Gruppe in Quantile aufgeteilt und dann anhand einer Kreuztabelle Personen mit unterschiedlicher Kombination von Belastungsstufen ausgewählt.

Ergebnisse und Diskussion

Für alle drei Einwirkungen ist die Exposition in den ersten Jahren des Uranerzbergbaus am höchsten. Ab ca. 1955 sinkt dann die Belastung ab. Im betrachteten Kollektiv (n=23.342) findet sich daher wie erwartet eine sehr hohe Korrelation zwischen der Radon- und Staubbelastung (r=0,798). Zwischen der Strahlen- und Arsenbelastung sowie der Staub- und Arsenbelastung ist die Korrelation mit r=0,399 bzw. r=0,430 etwas geringer. Dies ist dadurch bedingt, dass nur in den Bergwerken in Sachsen eine Arsenbelastung auftrat, während die Lagerstätten in Thüringen nicht betroffen waren.

Es zeigt sich, dass mit der Bildung von Unterkollektiven zwar die Korrelation vermindert werden kann, allerdings sind diese Kollektive dann relativ klein, vor allem die hohe Korrelation zwischen Radon- und Staubbelastung erweist sich als problematisch. Dies wird vor dem Hintergrund der Möglichkeiten zur Erforschung der kombinierten Einwirkung von Expositionen diskutiert.


Literatur

1.
Lehmann F, Hambeck L, Linkert KH, Lutze H, Meyer H, Reiber H, Reinisch A, Renner HJ, Seifert T, Wolf F: Belastung durch ionisierende Strahlung im Uranerzbergbau der ehemaligen DDR. Sankt Augustin: Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften; 1998
2.
Bauer HD: Studie zur retrospektiven Analyse der Belastungssituation im Uranerzbergbau der ehemaligen SDAG Wismut mit Ausnahme der Strahlenbelastung für die Zeit von 1946 bis 1990. Sankt Augustin: Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften; 2000