gms | German Medical Science

50. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds)
12. Jahrestagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie (dae)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie
Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie

12. bis 15.09.2005, Freiburg im Breisgau

Physische Aktivität und Gesamtmortalität: Eine Meta-Analyse

Meeting Abstract

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  • Annette Böckenhoff - Universität Dortmund, Dortmund
  • Guido Knapp - Universität Dortmund, Dortmund
  • Herbert Löllgen - Sana-Klinikum Remscheid GmbH, Remscheid

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie. 50. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 12. Jahrestagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie. Freiburg im Breisgau, 12.-15.09.2005. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2005. Doc05gmds032

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2005/05gmds037.shtml

Veröffentlicht: 8. September 2005

© 2005 Böckenhoff et al.
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Gliederung

Text

Einleitung und Fragestellung

Körperliche Aktivität wird häufig zur Prävention kardialer Erkrankungen empfohlen [1]. Dabei ist physische Aktivität heutzutage hautsächlich als Freizeitaktivität definiert. Neben der kardiovaskulären Mortalität, vgl. [2], kann sogar die Gesamtmortalität deutlich verringert werden, was in den letzten Jahren durch zahlreiche Einzelstudien belegt wurde. Eine Meta-Analyse soll nun die Einzelergebnisse von Kohortenstudien hinsichtlich der Gesamtmortalität geeignet kombinieren, um einerseits globale Aussagen zu treffen und andererseits die Heterogenität zwischen den Studien zu erklären.

Material und Methoden

Meta-Analysen zur kardiovaskulären Mortalität und physischer Aktivität liegen aus dem Jahr 1990 vor [2]. Daher sollten in der jetzigen Meta-Analyse Ergebnisse aus Publikationen zwischen 1990 und 2004 zusammengefasst werden. Insgesamt wurden 27 Längsschnittstudien aus den USA/Kanada sowie Europa gefunden, die die zur Kombination notwendigen Informationen über die Gesamtmortalität und die körperliche Aktivitäten enthielten. Ein wesentliches Selektionskriterium war dabei, dass die Studien neben einem Effektschätzer auch eine Information über die Präzision dieses Effektschätzers lieferten, z. B. Standardfehler oder Konfidenzintervall. Die selektierten Einzelstudien verwendeten verschiedene Definitionen der körperlichen Aktivität, wie z.B. ‚miles walked’, ‚kJ/week’ etc. und unterteilten die Studienpopulation entsprechend in aktive und weniger aktive Kohorten. Die Anzahlen der definierten Kohorten lagen zwischen 2 und 6. Meist wurden Männer und Frauen getrennt und nur spezielle Altersgruppen betrachtet.

In den Einzelstudien wurden meistens Relative Risiken im Vergleich zur inaktivsten Kohorte mit Hilfe der logistischen Regression bzw. des Proportional Hazard Models berechnet. Wurde als Basis die aktivste Kohorte gewählt, so war für die Meta-Analyse eine Basistransformation mit Hilfe des Fehlerfortpflanzungsgesetzes nötig. Aus den angegebenen Konfidenzintervallen konnten die Standardfehler berechnet werden und pro Kohorte kann ein Gesamtschätzer für das Relative Risiko mit einem 95%-Konfidenzintervall angegeben werden, vgl. [3].

Alle Analysen werden getrennt für Männer und Frauen durchgeführt und dabei Sensitivitätsanalysen bzgl. weiterer Faktoren wie Kohortendefinition, Alter, Follow-up-Zeit etc. präsentiert.

Ergebnisse

Im Vergleich zur körperlich inaktivsten Gruppe haben Personen mit regelmäßiger körperlicher Aktivität ein deutlich vermindertes Risiko bezüglich der Gesamtsterblichkeit. Selbst mäßige Aktivität senkt die Sterblichkeit und bei Frauen ist ein stärkerer Effekt mit einem Relativen Risiko von 0.653 [0.594-0.717] zu erkennen im Vergleich zu Männern mit einem Relativen Risiko von 0.748 [0.697-0.803] bei Studien mit drei definierten Aktivitätskohorten. Die aktivste Kohorte senkt das Risiko noch weiter, allerdings nicht mehr so stark RR=0.542 bzw. RR=0.721. In den verwendeten statistischen Modellen der Einzelstudien wurden zum Teil alters-adjustierte Schätzer sowie multivariat-adjustierte Schätzer bezüglich weiterer Einflussfaktoren wie Rauchen, Alkohol, BMI, etc. angegeben. Es wird deutlich, dass bei multivariat-adjustierten Schätzern der positive Effekt der körperlichen Aktivität auch in der Meta-Analyse nicht mehr so stark, aber stets deutlich verschieden vom Nulleffekt ist.

Diskussion

Die vorliegende Meta-Analyse zeigt den positiven Effekt der körperlichen Aktivität auf die Gesamtmortalität in den verschiedensten Untergruppen. Da hier relativ viele Studien vorliegen, kann der Effekt einzelner Einflussfaktoren untersucht und dargestellt werden. Die Wirkung der körperlichen Aktivität bzgl. der Gesamtsterblichkeit unterscheidet sich bei Männern und Frauen in Abhängigkeit vom Alter.


Literatur

1.
Löllgen H. Primärprävention kardialer Erkrankungen. Stellenwert der körperlichen Aktivität. Dtsch Arztebl 2003; 100: A987-996 [Heft 15].
2.
Berlin JA, Colditz GA. A meta-analysis of physical activity in the prevention of coronary heart disease. Am J Epidemiol 1990; 132: 612-628.
3.
Hartung J, Knapp G. A refined method for the meta-analysis of controlled clinical trials with binary outcome. Statist Med 2001; 20: 3875-3889.