gms | German Medical Science

50. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds)
12. Jahrestagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie (dae)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie
Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie

12. bis 15.09.2005, Freiburg im Breisgau

Früherkennung von Hochrisikokindern für Übergewicht – ein CART-Ansatz

Meeting Abstract

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  • André Michael Toschke - Ludwig-Maximilians Universität München, München
  • Rüdiger von Kries - Ludwig-Maximilians Universität München, München

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie. 50. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 12. Jahrestagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie. Freiburg im Breisgau, 12.-15.09.2005. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2005. Doc05gmds214

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2005/05gmds035.shtml

Veröffentlicht: 8. September 2005

© 2005 Toschke et al.
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Gliederung

Text

Einleitung und Fragestellung

Übergewicht und damit assoziierte Erkrankungen nehmen weltweit zu, u.a. mit der vermuteten Konsequenz einer verkürzten Lebenserwartung für die USA [1]. Die ‚International Obesity Task Force’ (IOTF) hat berichtet, dass es bereits jetzt mehr übergewichtige Kinder gibt, als für 2010 vorausgesagt. Weiterhin ist bekannt, dass übergewichtige Kinder auch im Erwachsenenalter ein hohes Risiko für Übergewicht haben und Interventionen nur selten befriedigende Langzeitergebnisse vorweisen. Eine frühe Identifikation von Hochrisikokindern für Übergewicht könnte die Basis für eine Erfolg versprechende Prävention bedeuten.

Eine hohe Gewichtszunahme in den ersten beiden Lebensjahren ist als starker Prädiktor für späteres Übergewicht beschrieben worden [2]. Allerdings mit einem niedrigen positiv prädiktiven Wert von 19% für den besten Grenzwert, wenn alleine betrachtet [3]. Eine Kombination von früh erhebbaren Parametern könnte die Vorhersage eines späteren Übergewichts verbessern.

Material und Methoden

Eine CART Analyse (Classification and Regression Trees) für Risikofaktoren für kindliches Übergewicht wurde an 4.289 Kindern im Alter von 5 bis 6 Jahren durchgeführt, die an der verpflichtenden bayerischen Einschulungsuntersuchung 2001/2002 teilgenommen haben. Elternfragebögen beinhalteten Fragen zu potentiellen Prädiktoren, die im Alter von 2 Jahren erhebbar sind: Geburtsgewicht, Gewicht mit 2 Jahren, frühkindliche Ernährung (Stillen), Rauchen in der Schwangerschaft, elterliche Bildung, elterliches Übergewicht/Adipositas, Nationalität, Anzahl älterer Geschwister.

Kindliches Übergewicht wurde an Hand von geschlechts- und altersspezifischen Grenzwerten der International Obesity Task Force (IOTF) eingeteilt [4].

Ergebnisse

Die Gesamtprävalenz für Übergewicht im Einschulungsalter lag bei 11%. Obwohl eine hohe Gewichtszunahme (>10kg) in den ersten beiden Lebensjahren bei ca. der Hälfte der übergewichtigen Kindern vorlag, lag der positiv prädiktive Wert lediglich bei 25%, was bedeutet, dass nur 1 von 4 Kindern mit einer hohen frühkindlichen Gewichtszunahme bei der Einschulungsuntersuchung übergewichtig war. Die beste Kombination von Prädiktoren bestand aus einer hohen frühkindlichen Gewichtszunahme und adipösen Eltern mit einer likelihood ratio von 3.6 und einem entsprechenden positiv prädiktiven Wert von 40%. Diese Kombination konnte bei 4% aller Kinder beobachtet werden.

Diskussion

Eine Kombination von einfach erhebbaren Prädiktoren für Übergewicht im Alter von 2 Jahren konnte die Vorhersagbarkeit von Übergewicht im Einschulungsalter steigern. Allerdings erlauben die entsprechenden niedrigen positiv prädiktiven Werte eine mögliche Intervention mit evtl. Nebenwirkungen auf dieser Basis nicht.

Danksagung

Diese Studie wurde unterstützt vom bayerischen Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz.


Literatur

1.
Olshansky SJ, Passaro DJ, Hershow RC, et al. A potential decline in life expectancy in the United States in the 21st century. N Engl J Med. 2005;352(11):1138-1145.
2.
Stettler N, Zemel BS, Kumanyika S, Stallings VA. Infant weight gain and childhood overweight status in a multicenter, cohort study. Pediatrics. 2002;109(2):194-199.
3.
Toschke AM, Grote V, Koletzko B, von Kries R. Identifying children at high risk for overweight at school entry by weight gain during the first 2 years. Arch Pediatr Adolesc Med. 2004;158(5):449-452
4.
Cole TJ, Bellizzi MC, Flegal KM, Dietz WH. Establishing a standard definition for child overweight and obesity worldwide: international survey. Bmj. 2000;320(7244):1240-1243