gms | German Medical Science

50. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds)
12. Jahrestagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie (dae)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie
Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie

12. bis 15.09.2005, Freiburg im Breisgau

Metabolische Prägung des späteren Übergewichtsrisikos: Einfluss der habituellen Proteinaufnahme im Kindesalter auf den „Adiposity Rebound“

Meeting Abstract

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  • Anke L. B. Günther - Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE), Dortmund
  • A.E. Buyken - Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE), Dortmund
  • A. Kroke - Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE), Dortmund

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie. 50. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 12. Jahrestagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie. Freiburg im Breisgau, 12.-15.09.2005. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2005. Doc05gmds439

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2005/05gmds029.shtml

Veröffentlicht: 8. September 2005

© 2005 Günther et al.
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Gliederung

Text

Einleitung und Fragestellung

Angesichts der epidemischen Ausmaße von Übergewicht und Adipositas rücken kritische Phasen der Übergewichtsentwicklung in der Kindheit zunehmend in den Fokus der Forschung. Gegenstand der Diskussion ist, ob eine höhere frühkindliche Proteinaufnahme zu einem früheren „Adiposity Rebound“ (AR) führt [1]. Bisherige Studien zum Einfluss der frühen Proteinaufnahme auf den AR betrachteten jedoch lediglich einzelne Zeitpunkte [2], [3] . Wir untersuchten daher, wie die durchschnittliche Höhe der frühkindlichen Proteinaufnahme über einen längeren Zeitraum („habituelle“ Proteinaufnahme) das Alter sowie den Body Mass Index (BMI) zum Zeitpunkt des AR beeinflusst.

Material und Methoden

Das untersuchte Kollektiv umfasste 313 Teilnehmer (161 Jungen, 152 Mädchen) der DOrtmund Nutritional and Anthropometrical Longitudinally Designed Study (DONALD Studie). Berücksichtigt wurden alle Kinder, für die im Alter zwischen 12 und 24 Monaten mindestens zwei 3-Tage-Wiege-Ernährungsprotokolle vorlagen und bei denen sich der Zeitpunkt des AR bestimmen ließ. Die Bestimmung des AR erfolgte mittels eines auf der visuellen Inspektionsmethode von Rolland-Cachera et al. [4] beruhenden Verfahrens. Aus der Höhe der Proteinaufnahme (in % der Energie nach Energieadjustierung bzw. g/kg Körpergewicht) zu den einzelnen Zeitpunkten wurde eine gewichtete Indexvariable gebildet, welche die Höhe der habituellen Proteinaufnahme der Kinder zwischen 12 und 24 Monaten reflektiert. Die statistische Analyse umfasste den Vergleich des Alters bzw. des internen BMI-Standard Deviation Scores (BMI-SDS) beim AR in geschlechtsspezifischen Tertilen der habituellen Proteinaufnahme. Als potentielle Störfaktoren wurden der BMI der Mutter, die Schwangerschaftsdauer, das Stillen sowie das Vorhandensein von Geschwistern im Datensatz berücksichtigt.

Ergebnisse

Zwischen den Tertilen (T1-T3) der habituellen Proteinaufnahme in % der Energie bestanden bei Mädchen keine Unterschiede im Alter beim AR (T1: 5,4 ± 1,7 vs. T2: 5,1 ± 2,0 vs. T3: 5,1 ± 1,6 Jahre; p=0,5). Bei Jungen fand der AR in der niedrigsten Tertile am spätesten statt, der Unterschied zu den anderen beiden Tertilen erreichte jedoch keine Signifikanz (T1: 6,0 ± 1,4 vs. T2: 5,5 ± 1,4 vs. T3: 5,4 ± 1,6 Jahre; p=0,1). Diese Tendenz blieb nach der Berücksichtigung von Störfaktoren bestehen. Bei Jungen fanden sich daneben keine Unterschiede im BMI-SDS beim AR (T1: -0,49 ± 0,94 vs. T2: -0,46 ± 1,08 vs. T3: -0,32 ± 0,97; p=0,6). Mädchen in der höchsten Tertile der Proteinaufnahme in % der Energie hatten den höchsten BMI-SDS beim AR (T1: -0,66 ± 0,89 vs. T2: -0,51 ± 0,96 vs. -0,11 ± 0,98; p=0,01). Die zusätzliche Berücksichtigung möglicher Störfaktoren führte hier zu keiner Veränderung. Vergleichbare Ergebnisse lieferte die Betrachtung der habituellen Proteinaufnahme in g/kg Körpergewicht. Jungen unterschieden sich nicht im Alter beim AR (T1: 5,6 ± 1,4 vs. T2: 5,8 ± 1,4 vs. 5,5 ± 1,6 Jahre; p=0,4) oder dem BMI-SDS beim AR (T1: -0,40 ± 1,01 vs. T2: -0,35 ± 0,92 vs. T3: -0,51 ± 1,00; p=0,7) in den Tertilen. Bei Mädchen bestanden zwischen den Tertilen ebenfalls keine Unterschiede im Alter beim AR (T1: 5,0 ± 1,8 vs. T2: 5,4 ± 1,6 vs. T3: 5,1 ± 1,8 Jahre; p=0,5). Mädchen in der höchsten Tertile der habituellen Proteinaufnahme in g/kg Körpergewicht wiesen den höchsten BMI-SDS beim AR auf (T1: -0,71 ± 0,93 vs. T2: -0,47 ± 1,00 vs. T3: -0,09 ± 0,88; p=0,01). Die anschließende Berücksichtigung von Störfaktoren führte hier zu einer leichten Abschwächung des Unterschieds.

Diskussion

Die Höhe der habituellen Proteinaufnahme zwischen 12 und 24 Monaten hatte keinen deutlichen Einfluss auf den Zeitpunkt des AR. Bei Mädchen begünstigte eine hohe habituelle Proteinaufnahme im zweiten Lebensjahr einen höheren BMI-SDS zum Zeitpunkt des AR.


Literatur

1.
Koletzko B, Von Kries R. Gibt es eine frühkindliche Prägung des späteren Adipositasrisikos? Monatsschr Kinderheilk 2001; 149(1): 11-18
2.
Rolland-Cachera MF, Deheeger M, Akrout M, Bellisle F. Influence of macronutrients on adiposity development: a follow up study of nutrition and growth from 10 months to 8 years of age. Int J Obes Relat Metab Disord 1995; 19(8): 573-578
3.
Dorosty AR, Emmett PM, Cowin S, Reilly JJ. Factors associated with early adiposity rebound. ALSPAC Study Team. Pediatrics 2000; 105(5): 1115-1118
4.
Rolland-Cachera MF, Deheeger M, Guilloud-Bataille M. Tracking the development of adiposity from one month of age to adulthood. Ann Hum Biol 1987; 14(3): 219-229.
5.
Willett WC, Howe GR, Kushi LH. Adjustment for total energy intake in epidemiologic studies. Am J Clin Nutr 1997; 65(4 Suppl.): 1220S-1228S