gms | German Medical Science

50. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds)
12. Jahrestagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie (dae)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie
Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie

12. bis 15.09.2005, Freiburg im Breisgau

RegiSCAR - Methoden, Stand, Fragestellungen

Meeting Abstract

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  • Peggy Sekula - Universitätsklinikum Freiburg, Freiburg
  • Erika Graf - Universitätsklinikum Freiburg, Freiburg
  • Martin Schumacher - Universitätsklinikum Freiburg, Freiburg

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie. 50. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 12. Jahrestagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie. Freiburg im Breisgau, 12.-15.09.2005. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2005. Doc05gmds417

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2005/05gmds007.shtml

Veröffentlicht: 8. September 2005

© 2005 Sekula et al.
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Gliederung

Text

Einführung

Pharmakoepidemiologische Studien werden in der Regel zur Entdeckung bzw. Bestätigung von Risiken neuer Medikamente durchgeführt. Stevens-Johnsons-Syndrom / toxisch epidermale Nekrolyse (SJS/TEN), akute generalisierte exanthematische Pustulose (AGEP) und Hypersen-sitivitätssyndrome (HSS/DRESS) sind äußerst seltene aber lebensbedroh-liche Hauterkrankungen, die hauptsächlich durch die Einnahme von Medika-menten verursacht werden. In den vorangegangenen internationalen Studien SCAR (1989-1995) und EuroSCAR (1997-2001) wurden bisher Medikamentenrisiken quantifiziert und weitere potentielle Einflussgrößen wie z.B. Infektionen untersucht.

RegiSCAR-Studie

An der von der EU geförderten RegiSCAR-Studie beteiligen sich sechs Länder (Deutschland, Frankreich, Israel, Italien, Niederlande, Österreich) mit dem Ziel, ein europäisches Register für schwerwiegende Hautreaktionen (SCAR) aufzubauen. Gleichzeitig soll eine Bank für biologische Proben zwecks genetischer als auch immunologischer Untersuchungen geschaffen werden.

Studienkollektiv: Seit 2002 schließen nationale Teams jeweils alle Ver-dachtsfälle in die RegiSCAR-Studie ein. Diese werden anschließend durch ein Expertenkomitee validiert. Zusätzlich werden in jedem Land Kontrollen entsprechend der Alters- und Geschlechtsstruktur der eingebrachten Fälle eingeschlossen. Neben Angaben zur Erkrankung werden bei den Verdachtsfällen v.a. die Medikamentenanamnese vier Wochen vor Beginn der Hautreaktion erfasst sowie Blut- und Biopsieproben gesammelt. Zu festgelegten Zeitpunkten wird eine Nachbeobachtung durchgeführt. Die Datenerfassung erfolgt via Internet über Direkteingabe durch die nationalen Teams in ein Remote-Data-Entry-System.

Stand: Bis Mitte April 2005 wurden 608 Verdachtsfälle von SCAR durch die nationalen Teams erfasst. Mittlerweile wurden insgesamt 404 Verdachtsfälle durch das Expertenkomitee abschließend validiert. Davon sind 70% SJS/TEN und 10% AGEP. Die genaue Charakterisierung des Krankheitsbildes von HSS/DRESS ist eine Zielsetzung innerhalb der RegiSCAR-Studie. Daher liegen hierfür bislang noch keine abschließend beurteilten Fälle vor.

Weitere Fragestellungen

Die RegiSCAR-Studie erlaubt mit Hilfe ihrer Daten und gesammelten biologischen Proben pharmakogenetische Analysen sowie Untersuchungen des Mechanismus dieser Reaktionen auf einem hohen Niveau. Dabei kann sowohl allgemeinen genetischen Fragestellungen als auch aktuellen Hinweisen aus der Literatur nachgegangen werden. So berichten etwa Chung et al die Resultate einer Taiwanesischen Studie, die einen außerordentlich starken Zusammenhang zwischen Carbamazepin-induziertem SJS in Han-chinesischen Personen und dem HLA-B*1502-Allel zeigt. Mit Hilfe der Daten der RegiSCAR-Studie lässt sich prüfen, ob dieser Befund auf ein Kollektiv von Fällen überwiegend europäischer Herkunft übertragbar ist.

Außerdem ermöglicht die Betrachtung aller drei Studien (SCAR; EuroSCAR und RegiSCAR) das Analysieren übergeordneter Fragestellungen. Dazu ge-hören metaanalytische Auswertungen oder beispielsweise die Untersuchung des Phänomens, dass Medikamente direkt nach Markteinführung ein höheres Risiko für Arzneimittelnebenwirkungen aufweisen als dasselbe Medikament bei längerer Beobachtung (depletion of susceptibles). Solche Auswertungen sind in Zusammenarbeit mit der Forschergruppe „Statistical modeling and data analysis in clinical epidemiology“ am Institut für Medizinische Biometrie und Medizinische Informatik in Freiburg geplant.


Literatur

1.
Chung WH, Hung SI, Hong HS et al. A marker for Stevens-Johnsons syndrome. Nature 2004 Apr 1; 428(6982):486.
2.
Mockenhaupt M, Kelly JP, Kaufman D, Stern RS; SCAR Study Group. The risk of Stevens-Johnson syndrome and toxic epidermal necrolysis associated with nonsteroidal antiinflammatory drugs: a multinational perspective. J Rheumatol. 2003 Oct;30(10):2234-40.