gms | German Medical Science

49. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds)
19. Jahrestagung der Schweizerischen Gesellschaft für Medizinische Informatik (SGMI)
Jahrestagung 2004 des Arbeitskreises Medizinische Informatik (ÖAKMI)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie
Schweizerische Gesellschaft für Medizinische Informatik (SGMI)

26. bis 30.09.2004, Innsbruck/Tirol

Kinder-Umwelt-Survey in Deutschland

Meeting Abstract (gmds2004)

  • corresponding author presenting/speaker Christine Schulz - Umweltbundesamt, Berlin, Deutschland
  • Kerstin Becker - Umweltbundesamt, Berlin, Deutschland
  • Elke Roßkamp - Umweltbundesamt, Berlin, Deutschland
  • Margarete Seiwert - Umweltbundesamt, Berlin, Deutschland
  • Markus Steiner - Umweltbundesamt, Berlin, Deutschland
  • Bernd Seifert - Umweltbundesamt, Berlin, Deutschland

Kooperative Versorgung - Vernetzte Forschung - Ubiquitäre Information. 49. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 19. Jahrestagung der Schweizerischen Gesellschaft für Medizinische Informatik (SGMI) und Jahrestagung 2004 des Arbeitskreises Medizinische Informatik (ÖAKMI) der Österreichischen Computer Gesellschaft (OCG) und der Österreichischen Gesellschaft für Biomedizinische Technik (ÖGBMT). Innsbruck, 26.-30.09.2004. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2004. Doc04gmds162

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2004/04gmds162.shtml

Veröffentlicht: 14. September 2004

© 2004 Schulz et al.
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Gliederung

Text

Einleitung

Die derzeit verfügbaren Informationen über gesundheitsbezogene Umweltbelastungen und umweltbezogene gesundheitliche Beeinträchtigungen der kindlichen Bevölkerung in Deutschland sind lückenhaft und lassen keine bundesweit vergleichbaren Aussagen zu. Eine breite Beobachtung und Analyse der Auswirkungen von Umweltfaktoren auf die kindliche Gesundheit ist auf dem Weg zu einem nachhaltigen Umwelt- und Gesundheitsschutz für unsere Gesellschaft dringend erforderlich. Mit dem ersten Kinder-Umwelt-Survey (KUS) des Umweltbundesamtes [1], einer personenbezogenen Umweltuntersuchung, wird zusammen mit dem ersten Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS) des Robert Koch-Institutes [2] ein bedeutsamer Schritt in dieser Richtung getan. Die Ethikkommission und die Datenschutzbeauftragten stimmten dem gemeinsamen Vorgehen zu. Der im Mai 2003 begonnenen Hauptphase von KUS und KiGGS war eine einjährige Pilotphase beider Surveys vorangestellt [1]. In der Hauptphase des KUS sollen 1 800 Kindern der Bundesrepublik Deutschland im Alter von 3 bis 14 Jahren untersucht werden. Die Studie wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit sowie dem Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Ziele

Eines der wesentlichen Ziele des KUS ist die Erfassung, Bereitstellung, Aktualisierung und Bewertung repräsentativer Daten für eine gesundheitsbezogene Umweltbeobachtung und -berichterstattung auf nationaler Ebene im Sinne des deutschen Aktionsprogramms Umwelt und Gesundheit [3]. Diese Daten dienen als Grundlage für die Erstellung von Referenzwerten über die Belastung von Kindern mit Umweltschadstoffen und Lärm; der Darstellung von zeitlichen Trends für die Kinder im Alter von 6 bis 14 Jahren [4] und von regionalen Unterschieden in der Belastung (alte vs. neue Bundesländer); der Identifikation und Quantifizierung von Belastungspfaden sowie der Konzeption und Überprüfungvon gesundheits- und umweltpolitischen Maßnahmen.

Themenschwerpunkte

Wie bei den drei vorangegangenen bundesweiten Umwelt-Surveys für Erwachsene [4] werden auch im KUS folgende Themenschwerpunkte bearbeitet:

• Erfassung der korporalen Belastung (Human-Biomonitoring),

• Erfassung der Belastungen in Wohnräumen (Innenraum-Monitoring) und

• Erfassung der häuslichen Trinkwasser-Belastungen.

Erstmalig lassen sich an einer repräsentativen Stichprobe Einflüsse bestimmter Umweltfaktoren auf die gesundheitliche Situation von Kindern anhand der konjunkten Daten beider Surveys (Umwelt und Gesundheit) untersuchen. Die Prüfung der folgenden Zusammenhänge ist vorgesehen:

• Innenraumallergene und Allergien des Atemtraktes,

• VOC und Reizungen der oberen Atemwege und Augen,

• Lärm, Hörfähigkeit und Stress sowie

• Chrom, Nickel, Duftstoffe und Kontaktallergien.

Methoden

Stichprobe: Der KUS ist eine epidemiologische Untersuchung, die an einer Querschnittsstichprobe durchgeführt wird und somit repräsentative Aussagen über die kindliche Bevölkerung zulässt. Aus der für den KiGGS gezogenen Stichprobe wird für den Umwelt-Survey eine Unterstichprobe von 1800 Kindern im Alter von 3 bis 14 Jahren zufällig ausgewählt. Die Zielpopulation des KiGGS sind die in der Bundesrepublik Deutschland lebenden und in den Einwohnermelderegistern mit Hauptwohnsitz gemeldeten Kinder und Jugendlichen im Alter von 0 bis unter 18 Jahren einschließlich ausländischer Kinder und Jugendliche mit Hauptwohnsitz in Deutschland [2]. Um die oben beschriebene Grundgesamtheit zu repräsentieren, erfolgt eine zweistufige geschichtete Zufallsauswahl beginnend mit der Auswahl der organisatorisch festgelegten Anzahl von 150 Erhebungsorten nach den Merkmalen alte/neue Bundesländer und Gemeindetyp. In der zweiten Stufe werden die Personen aus jedem Erhebungsort nach den Merkmalen Lebensalter und Geschlecht aus den Einwohnermelderegistern gezogen.

Erhebungsinstrumente und Untersuchungsparameter: Mit standardisierten interviewgesteuerten Umwelt-Fragebögen werden Angaben u.a. zu expositionsrelevanten Verhaltensweisen, zur Wohn- und Wohnumgebungssituation sowie zu umweltbedingten Beschwerden der Kinder erfasst. Zusätzlich werden weitere Erhebungsbögen zur Dokumentation der Messungen und Probenahmen eingesetzt. In Blut-, Morgenurin-, Trinkwasser-, Hausstaub- und Luftproben werden solche Untersuchungsparameter bestimmt, von denen bekannt ist oder vermutet wird, dass sie bei höherer Belastung zu gesundheitlichen Schäden führen. Audiometrie- und Schallpegelmessungen sowie die Bestimmung von Stresshormonen im Morgenurin werden ebenfalls durchgeführt. Im KiGGS finden bei denselben Personen ein ärztliches Interview, eine körperliche Untersuchung, eine schriftliche Befragung und die Bestimmung von klinisch-chemischen Laborparametern in Blut-/Serum- und Spontanurinproben statt [5].

Feldarbeit: Die Feldarbeit findet von Mai 2003 bis zum II. Quartal 2006 in 150 zufällig ausgewählten Gemeinden der Bundesrepublik Deutschland statt. In jedem der 150 Erhebungsorte ist eines der drei Untersuchungsteams 2 Wochen vor Ort tätig. In den Gemeinden werden für diese Zeit gesonderte Untersuchungszentren eingerichtet, in denen die Erhebungen des KiGGS inkl. Blutabnahme stattfinden. Zur Umweltuntersuchung gehört ein Hausbesuch, bei dem mit den Eltern und den Kindern ab 8 Jahren ein Interview geführt wird und die Probenahmen sowie Messungen erfolgen.

Ergebnisse

Die Pilotphase hat im Grundsatz gezeigt, dass die Untersuchungsinstrumente im Wesentlichen einsetzbar sind und der Hausbesuch von den Probanden akzeptiert wird. Beim Ziehen der Stichprobe ist der Zugang über die Einwohnermelderregister zu bevorzugen. Zur Erhöhung der Ausschöpfungsrate haben sich „Incentives" bewährt [1]. Im ersten Jahr der Feldarbeit der Hauptphase haben 534 Kinder aus 45 Erhebungsorten am KUS teilgenommen. Dies entspricht einer Ausschöpfungsrate von fast 77%. In der Altersgruppe der 3- bis 5-Jährigen lag die Responsrate bei gut 80%, bei den 6- bis 8-Jährigen bei 78%, bei den 9- bis 11-Jährigen bei 77% und bei den 12- bis 14-Jährigen bei 72%. Von ca. 87% der 534 Kinder konnten Blutproben (n=467), von ca. 99% Urin- und Trinkwasserproben (n=527 / 531) und von ca. 93% Staubsaugerbeutelproben (n=498) gewonnen werden. Die bei einem Unterkollektiv installierten Innenraumluftsammler zur Erfassung von VOC wurden in allen Fälle (n=168) von den Probanden an das Umweltbundesamt zur Analyse zurückgesandt.

Diskussion

Für die etwas niedrigere Responserate bei den 12- bis 14-Jährigen lassen sich mehrere Gründe anführen: zum einen entscheiden in der ältesten Gruppe zunehmend auch die Kinder selbst über eine Teilnahme, zum anderen nehmen in dieser Altersgruppe auch die zeitlichen Verpflichtungen zu, so dass eine Terminierung für den Hausbesuch schwerer erreichbar ist. Die hohe Rate bei der Blutabnahme ist sicherlich auch darauf zurückzuführen, dass auf Wunsch des Kindes ein EMPLA-Pflaster (mit anästhesierender Wirkung) auf die vorgesehene Punktionsstelle appliziert wird.

Danksagung

Wir danken allen an dieser Studie Beteiligten; den Eltern und Kindern, die an dieser zeitintensiven Untersuchung teilgenommen haben; und den Mitarbeitern der örtlichen Gesundheits-, Umweltämter, Krankenhäuser, Rathäusern usw., die uns bei der Durchführung unterstützen, sowie den Untersuchungsteams für ihren Einsatz im Feld.


Literatur

1.
Schulz C, Becker K, Seiwert M: Kinder-Umwelt-Survey. In: Das Gesundheitswesen 64, Sonderheft 1, 2002: S69-S79.
2.
Kurth B-M, Bergmann K E, Hölling H, Kahl H, Kamtsiuris P, Thefeld W: Der bundesweite Kinder- und Jugendgesundheitssurvey - Das Gesamtkonzept. In: Das Gesundheitswesen 64, Sonderheft 1, 2002: S3-S11.
3.
www.apug.de
4.
www.umweltbundesamt.de/survey/index.htm
5.
www..kiggs.de