gms | German Medical Science

49. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds)
19. Jahrestagung der Schweizerischen Gesellschaft für Medizinische Informatik (SGMI)
Jahrestagung 2004 des Arbeitskreises Medizinische Informatik (ÖAKMI)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie
Schweizerische Gesellschaft für Medizinische Informatik (SGMI)

26. bis 30.09.2004, Innsbruck/Tirol

Kollaboratives Therapiemanagement von Patienten mit kongestiver Herzinsuffizienz

Meeting Abstract (gmds2004)

  • corresponding author presenting/speaker Peter Kastner - ARC Seibersdorf research GmbH, Graz, Österreich
  • Alexander Kollmann - ARC Seibersdorf research GmbH, Graz, Österreich
  • Werner Pusch - ARC Seibersdorf research GmbH, Graz, Österreich
  • Daniel Scherr - Medizinische Universitätsklinik, Graz, Österreich
  • Friedrich M. Fruhwald - Medizinische Universitätsklinik, Graz, Österreich
  • Günter Schreier - ARC Seibersdorf research GmbH, Graz, Österreich

Kooperative Versorgung - Vernetzte Forschung - Ubiquitäre Information. 49. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 19. Jahrestagung der Schweizerischen Gesellschaft für Medizinische Informatik (SGMI) und Jahrestagung 2004 des Arbeitskreises Medizinische Informatik (ÖAKMI) der Österreichischen Computer Gesellschaft (OCG) und der Österreichischen Gesellschaft für Biomedizinische Technik (ÖGBMT). Innsbruck, 26.-30.09.2004. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2004. Doc04gmds030

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2004/04gmds030.shtml

Veröffentlicht: 14. September 2004

© 2004 Kastner et al.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielf&aauml;ltigt, verbreitet und &oauml;ffentlich zug&aauml;nglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Gliederung

Text

Einleitung

Kongestive Herzinsuffizienz (Congestive Heart Failure - CHF) ist die häufigste Ursache für die stationäre Aufnahme von Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen und betrifft 5% aller über 65 Jährigen, wobei die Prävalenz auf Grund der zunehmend verbesserten Behandlung von Herzinfarkten steigt [1], [2]. Patienten mit CHF haben ein hohes Mortalitäts- und Morbiditätsrisiko. Sie umfassen 5% aller Entlassungen aus stationärer Behandlung, wobei bis zu 50% der Entlassenen innerhalb von 6 Monaten wieder in stationäre Behandlung aufgenommen werden. CHF ist nicht nur sehr belastend für die betroffenen Patienten und deren Umfeld, sondern nimmt auch einen wesentlichen Anteil des Gesundheitsbudgets in Anspruch [3], [4], [5], [6]. Die hohe medizinische Versorgungsdichte in den westlichen Industrieländern beziehungsweise die geringe Zahl von Einwohnern pro Arzt ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die hervorragende Behandlung von Akut- und Notfällen. Im Gegensatz dazu birgt das derzeit übliche Therapieregime von chronischen Erkrankungen wie CHF aber auch Hypertonie zumindest zwei wesentliche Optimierungsansätze: einerseits wird nur eine Minderheit der Patienten von Spezialisten behandelt und andererseits ist die Compliance der Patienten - nicht zu letzt aufgrund der aufwendigen Medikation - relativ gering.

Gemeinsam mit klinischen Partnern wurde ein telemedizinisches System entwickelt, das die Kollaboration zwischen Kardiologen in der Spezialambulanz und niedergelassenen Ärzten unterstützt und eine regelmäßige, patientenzentrierte Erfassung, nachfolgende Übertragung und zentrale Dokumentation von therapierelevanten Parametern wie Blutdruck, Körpergewicht und Medikamentendosis, etc. ermöglicht.

Methode

Die erwähnten Optimierungsansätze führten zu einem Systemkonzept, das weitgehend auf den Standard-Technologien Mobilfunk und Internet basiert und aus folgenden Komponenten besteht:

1. medizinische Messgeräte zur Ermittlung therapierelevanter Parameter (Blutdruckmessgerät, Waage, etc.)

2. Patienten-Terminal - mobilfunk-fähiges Endgerät zur Dateneingabe und deren Übermittlung durch den Patienten unter Verwendung von WAP (wireless application protocoll).

3. Arzt-Terminal - ein web-basiertes Benutzerinterface, das es autorisierten Personen ermöglicht, auf die Daten zuzugreifen

4. Gesundheitsdaten-Management-Zentrale - für den Empfang, die Verwaltung und die Aufbreitung der Daten sowie zur Verarbeitung der Daten, um daraus z.B. bei Überschreitung von Grenzwerten Alarme und Benachrichtigungen bzw. Erinnerungen abzuleiten.

Der Arbeitsablauf wurde an das übliche Therapieregime angepasst: Im Zuge der Entlassung nach stationärer Aufnahme auf Grund eines kardialen Ereignisses wurden Patienten über das telemedizinische Therapiemanagement-System informiert und bei Interesse damit vertraut gemacht. Sie wurden via Arzt-Terminal im System registriert und im Umgang mit den Systemkomponenten (Blutdruckmessgerät, Mobiltelefon, etc.) geschult. Statische und dynamische Grenzwerte wurden für das Körpergewicht sowie den systolischen und diastolischen Blutdruck individuell festgelegt. Der für die Betreuung des Patienten zuständige niedergelassene Arzt wurde via Arztbrief über die spezifische Medikation und die Möglichkeit der kollaborativen Nachsorge informiert. Die Patienten wurden ausdrücklich auf die Notwendigkeit der regelmäßigen und standardisierten Datenerfassung hingewiesen. Neben Blutdruck und Körpergewicht wurden auch die Tagesdosen der kardio-aktiven Medikamente mittels einer individuellen Eingabemaske am Mobiltelefon erfasst und an die Zentrale übertragen.

Ergebnisse

Im Zuge einer Pilotstudie an der Klinischen Abteilung für Kardiologie der Medizinischen Universitätsklinik in Graz wurde das System an 20 Patienten (2 w, Median (IQR) Alter: 50 (40,5 - 60,3) Jahre) über einen Zeitraum von jeweils 3 Monaten auf Systemverfügbarkeit, Akzeptanz und Datenausbeute überprüft. Die Patienten wurden angehalten, einmal täglich die Gesundheitsparameter (Blutdruck, Puls, Körpergewicht, Medikation, Wohlbefinden, etc.) an die Zentrale zu übertragen. Tab. 1 [Tab. 1] zeigt die Ergebnisse dieser Pilotstudie.

Nachfolgend wurde zwecks Prüfung der Hypothese: "unter Verwendung des kollaborativen Therapiemanagement-Systems kann die Wiederaufnahmerate auf Grund eines kardialen Ereignisses innerhalb von 6 Monaten auf 50% reduziert werden" auf Basis der Pilotstudie im Herbst 2003 eine randomisierte, multizentrische klinische Studie unter dem Akronym „MOBITEL" gestartet. 120 Patienten sollen bis 2005 jeweils für eine Dauer von 6 Monaten monitiert und deren Ergebnisse mit einer Kontrollgruppe verglichen werden. Die kardiologischen Abteilung folgender Kliniken in Österreich nehmen an der klinischen Studie teil: Medizinische Universitätsklinik Graz, LKH-Graz West, LKH-Deutschlandsberg, AKH-Wels, Donauklinikum Tulln, LKH-Steyr und LKH-Villach. Bisher wurden 30 Patienten (10 w) mit einem mittleren Alter von 64 Jahren in die Studie aufgenommen.

Diskussion

Mit der Pilotstudie konnte gezeigt werden, dass das Therapiemanagement-System mit ausreichender Stabilität im realen Umfeld eingesetzt werden kann. Eine persönliche Einschulung und Funktionserklärung sowie spezifische Bedienungsunterlagen wurden als wesentliche Elemente für die Akzeptanz identifiziert. Durch die automatische Überwachung und Aussendung von Statusmeldungen an den betreuenden Arzt zum Hinweis auf bemerkenswerte Situationen (z.B. bei Grenzwertüberschreitung) konnte der ärztliche Routineaufwand auf sporadische Kontrollen beschränkt werden. Die Ergebnisse der multizentrischen Studie werden zeigen, in wie weit das Konzept auf breiter Basis eine Verringerung der Wiederaufnahmerate von CHF-Patienten in stationäre Behandlung und eine Verbesserung der Situation aus gesundheitsökonomischer Sicht bringt. Mit steigender Vernetzung des niedergelassenen Bereiches ist zu erwarten, dass auch der kollaborative Ansatz bei den beteiligten Ärzten zunehmend Anklang findet.

Danksagung

Die Studien wurden von den Firmen Mobilkom Austria, Roche Austria und Merck GmbH unterstützt.


Literatur

1.
Cowie MR, Mosterd A, Wood DA, et al. The epidemiology of heart failure. Eur Heart J 1997;18:208-55.
2.
Parameshwar J, Shackell MM, Richardson A, Poole-Wilson PA, Sutton GC. Prevalence of heart failure in three general practices in north west London. Br J Gen Pract 1992;42(360):287-9.
3.
Cleland JGF, Gemmell I, Khand A, Boddy A. Is the prognosis of heart failure improving? Eur J Heart Fail 1999;1:229-41.
4.
Rich M, Beckham V, Wittenberg C, Leven C, Freeland K, Carney R. Repetitive hospital admissions for congestive heart failure in the elderly. Am J Geriatr Cardiol 1996;5:32-5.
5.
Komajda M, Follath F, Swedberg K, Cleland J, et al. The euroheart failure survey programme - a survey on the quality of care among patients with heart failure in Europe. Part 2: treatment. Eur Heart J 2003;24(5):464-74.
6.
Krumholz HM, Parent EM, Tu N, Vaccarino V, Wang Y, Radford MJ, et al. Readmission after hospitalization for congestive heart failure among medicare beneficiaries. Arch Intern Med 1997;157:99-104.