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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)

27.09. - 29.09.2012, Aachen

Einführung eines Mentorenprogramm im Praktischen Jahr

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  • corresponding author Claudia Ehlers - Universitätsklinikum Jena, Jena, Deutschland
  • Orlando Guntinas-Lichius - Universitätsklinikum Jena, Jena, Deutschland

Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA). Aachen, 27.-29.09.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. DocP175

doi: 10.3205/12gma077, urn:nbn:de:0183-12gma0776

Veröffentlicht: 18. September 2012

© 2012 Ehlers et al.
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Gliederung

Text

Fragestellung: Wie kann das Praktische Jahr (PJ) am Universitätsklinikum Jena verbessert werden?

Methode: Mit einem Mentorenprogramm im PJ soll die praktische Ausbildung in Jena verbessert werden. Das Programm basiert auf der Lerntheorie des "sozialen Kognitivismus“ und soll ein effektives Lernen gewährleisten. Das bedeutet, dass die Studenten im PJ (PJ’ler) insbesondere durch die Zusammenarbeit mit anderen ihr bereits erworbenes Wissen, aber auch die Kenntnisse und Fähigkeiten anwenden, auffrischen, vertiefen und erweitern. Wichtig dabei ist, dass sowohl Lernziele klar definiert sind und die Studierenden sich ihre eigenen Lernziele stecken. Dies trägt zu einem effektiven eigenständigen, aber auch lebenslangen Lernen bei. Gerade auch dann, wenn die PJ’ler wissen, wie sie in dem Tertial am besten lernen könne. Um sicher zu gehen, dass die Studierenden die spezifizierten Lernziele erreichen, werden verschiedene Prüfungsformate eingeführt. Dabei liegt der Schwerpunkt auf Assessment for Learning, nicht dem Abprüfen von Wissen; ein gutes formatives Feedback unterstützt den Lernprozess. Die dabei eingesetzte pädagogische Strategie im PJ baut auf "kognitive Apprenticeship“ auf. Dabei lernt der Studierende insbesondere von Experten in ihren jeweiligen Fachgebieten. Die Lehre umschließt dabei nicht nur klinische Fertigkeiten und Wissen sondern auch Einstellungen und verhilft dem Studierenden damit Grundkenntnisse im jeweiligen Fachgebiet zu erwerben. Kognitive Apprenticeship setzt sich aus drei Komponenten zusammen:

1.
Modeling: Der Arzt ist ein Model oder Beispiel für den PJ’ler. Dabei sollte der Lehrende verbalisieren oder noch besser einfach "laut denken“, was er wann wie und warum macht. Dadurch bekommt der Lernende einen Einblick in die ablaufenden Prozesse und versteht besser, warum der Arzt was macht und er erlernt die Prozesse. Im Logbuch und im Studienleitfaden sind einige Lernziele festgelegt, bei denen der PJ’ler aufgefordert wird, sich Erkenntnisse beim Zuschauen zu erwerben, das idealerweise mit Modeling einhergeht.
2.
Coaching: Sobald der PJ’ler dem Arzt einen Studenten vorstellt, sollte er ein spezifisches Feedback zu seinen Leistungen und Problemlösungsstrategien bekommen. Damit die Studierenden regelmäßig ein unmittelbares und spezifisches Feedback auf ihre klinischen Kompetenzen erhalten, wird die Mini Clinical Evaluation Exercise eingeführt. Dabei wird der PJ’ler für 15-20 Minuten von einem Arzt beobachtet, die Auffälligkeiten in einer Checkliste dokumentiert und bewertet. Ein anschließendes formatives Feedback verhilft dem Studierenden zu einem positiven Lerneffekt.
3.
Scaffolding: Lehrende geben PJ’lern durch Hilfestellungen die Möglichkeit, Probleme zu lösen, die sie sonst nicht angehen könnten. Hierzu gehört unter anderem nachfragen, ein komplexes Problem in kleinere Schritte zu unterteilen, ergänzende Informationen und Hinweise zu geben. Dies ergibt sich bei der Praxisanleitung oft automatisch und sollte von den Lehrenden bewusst eingesetzt werden.

Um diese Aspekte umfassend zu berücksichtigen wird in Jena ein Mentorenprogramm im PJ aufgebaut. Es besteht aus folgenden Komponenten: Die Hauptkomponente liegt auf dem Mentoren, der dem PJ’ler künftig als beständiger und persönlicher Ansprechpartner dient, um eine einheitliche und konsistente Ausbildung zu gewährleisten. Die Ausbildung geschieht in Zusammenarbeit mit dem Kliniksteam. Der Mentor ist ein Coach, der in besonderem Maße durch seine Vorbildfunktion den Studierenden zum Lernen animiert und auch durch sein Feedback das Lernen steuert. Zu dem Programm gehören auch die Entwicklung von Studienleitfäden mit organisatorischen Hinweisen und Hilfestellungen zum Lernen. Geschulte Ausbilder und neu geschaffene Strukturen sollen eine verbesserte Gesamtorganisation und damit eine bessere Ausbildung im Praktischen Jahr gewährleisten. Die Entwicklung eines separaten Logbuchs wird die erbrachten Leistungen in dem Tertial dokumentieren. Neue Prüfungsformate sollen eingeführt werden; dabei wird ein Schwerpunkt auf formative Assessments gelegt. So soll eine Mini Clinical Evaluation Exercise eingeführt werden, eine Prüfungsform zur Testung klinischer Kompetenzen. Ein Arzt beobachtet den Studierenden für 15 bis 20 Minuten nach festgelegten Kriterien und mit Hilfe einer Checkliste. Anschließend erhält der Studierende ein formatives Feedback. Dies soll wöchentlich, mindestens aber sechsmal passieren. Hierdurch wird der Studierende regelmäßig beobachtet und bekommt ein Feedback und Korrekturen zu seinem Handeln. Hinzu kommt ein 360° Feedback, eine Möglichkeit, dass Studierende nicht nur von Ärzten sondern auch von anderem Fachpersonal (z.B. Krankenschwestern) und auch Patienten eine Rückmeldung bekommen. Diese Beurteilung erfolgt anonym auf einem Bewertungsbogen, den der Mentor und Student erhalten werden sobald genügend Bögen eingegangen sind. Hierbei gehen nicht nur die klinischen Aspekte ein, sondern das ganze Verhalten des Studierenden. Dadurch bekommt der Studierende einen Einblick wie er auf andere wirkt. Seine ganzen Erfahrungen und Feedbacks wird der Student in einem halbstrukturiertem Portfolio reflektieren. Dabei wird in verschiedenen Bereichen eine Reflektion stattfinden; Z.B. "Der Arzt als …medizinischer Experte“, "…Angehöriger im Gesundheitswesen“ und "…Individuum“. Der Student wird nicht nur zum Reflektieren ermuntert, sondern muss dies auch dokumentieren. Angestrebt wird eine halbe bis eine Seite pro Thema. Das Portfolio wird mit dem Mentor in den Feedbackgesprächen durchgesprochen. Der Mentor trifft sich mindestens dreimal längere Zeit mit dem Studenten, zu Beginn des Tertials, in der Mitte und am Ende. Damit die Mentoren in ihren Gesprächen ähnliche Themen durchsprechen, wird in der Mentorenschulung hier drauf besonders hingewiesen, eine Begleithilfe wird für einen Mentorenleitfaden entwickelt. Die Umsetzung erfolgt an Kliniken, die die Ausbildung ihrer PJ’ler verbessern wollen. Dazu wird ihnen für die Implementierungsphase stundenweise einer ihrer PJ’ler als Hilfswissenschaftler zur Verfügung gestellt, der ihnen helfen kann, den Studienleitfaden und das Logbuch zu entwickeln. Und auch bei der Implementierung der einzelnen Assessmenteinheiten zu helfen. Die Klinik erklärt sich bereit, an Fortbildungen teilzunehmen und in ihrem Bereich das neu erworbene Wissen mit Unterstützung des Studiendekanats an Kollegen weiter zu geben. Ein Arzt wird bei der Einführung der Maßnahmen unterstützend mitwirken und gemeinsam mit einem wissenschaftlichen Mitarbeiter die Verantwortung für die Anbietung der medizindidaktischen Kurse übernehmen. Eine dauerhafte Evaluation wird eine qualitativ hochwertige Umsetzung ermöglichen. Die Einführung eines Mentorenprogramms wird ermöglicht durch das an der Universität Jena geförderte Projekt "ProQualität Lehre- Förderung der Lehr- Betreuungs- und Evaluationskultur an der FSU Jena.“ Es läuft von April 2012 bis Dezember 2016. Dieses Jahr soll mit dem Aufbau von fünf Mentorenprogrammen begonnen werden und danach jeweils neun pro Jahr.

Ergebnisse: Evaluationen werden den Prozess des Aufbaus des Mentorenprogramm im Praktischen Jahr begleiten. Diese sollen erneut vorgestellt werden.

Schlussfolgerungen: Evaluationen und Feedbacks sind zu Optimierungsprozessen notwendig; Diskussionen und Kontaktaufnahmen zum Mentorenprogramm im Praktischen Jahr erwünscht [1], [2], [3], [4], [5].


Literatur

1.
Driessen EW, Overeem K, van Tartwijk J. Learning from practise: menotring, feedback and portfolios. In: Dornan T, Mann KV, Scherpbier AJ, Spencer JA (Hrsg). Medical education: Theory and practise. Maryland Heights: Elsevier Churchill Livingstone; 2011.S.211-226.
2.
Fabry G. Medizindidaktik: Ein Handbuch für die Praxis. Mannheim: Verlag Hans Huber; 2008.
3.
Hesketh JM, Laidlaw EA. Study Guides. In: Harden R, Dent J (Hrsg). A practical guide for medical teachers. Maryland Heights: Elsevier Churchill Livingstone; 2005. S.194-200.
4.
Lockyer J. Multisource feedback and the assessment of AGCME competencies for Emergency Medicine Residents. Workshop Faculty of Medicine. Calgary: University of Calgary; 2010.
5.
Van Tartwijk J, Driessen EW. AMEE Guide: Portfolios for assessment and learning: AMEE Guide no. 45. Med Teach. 2009;31(9):790-801. DOI: 10.1080/01421590903139201 Externer Link