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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)

05.10. - 08.10.2011, München

Handeln – Wahrnehmen – Reflektieren – Lernen – Handeln: qualitative Studie über reflektives Lernen als Teil einer didaktischen Lernspirale

Vortrag

  • corresponding author presenting/speaker Gabriele Lutz - Universität Witten-Herdecke, Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke, Herdecke, Deutschland
  • Friedrich Edelhäuser - Universität Witten-Herdecke, Witten, Deutschland
  • Christian Scheffer - Universität Witten-Herdecke, Witten, Deutschland
  • Diethard Tauschel - Universität Witten-Herdecke, Witten, Deutschland
  • Melanie Neumann - Universität Witten-Herdecke, Witten, Deutschland

Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA). München, 05.-08.10.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11gma094

DOI: 10.3205/11gma094, URN: urn:nbn:de:0183-11gma0946

Veröffentlicht: 26. September 2011

© 2011 Lutz et al.
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Gliederung

Text

Fragestellung: Die Vermittlung reflektiver Fähigkeiten wird zunehmend in der Ärzte-Ausbildung empfohlen.

Unsere Studie verfolgt zwei Ziele: a. die Beschreibung eines klinischen Begleitseminares „Reflektives Lernen“ (RL) und b. die Darstellung der qualitativen Ergebnisse von Interviews mit PJ-Studenten bezüglich dieser Lernerfahrung.

Methoden: Das klinische Begleitseminar RL findet in Kleingruppen für jeweils 4-6 Studierende einer PJ-Ausbildungs-Station für Innere Medizin statt. Die Studierenden reflektieren zweiwöchentlich ausgewählte Aspekte ihrer Erfahrung im klinischen Alltag mit einer Ärztin für Psychosomatik (4-6 Treffen pro Gruppe, 1-1,5 Stunden Dauer). Zu diesem Seminar werden 17 Einzelinterviews und 2 Fokusgruppen mit qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet.

Ergebnisse: Das RL ist theoriegeleitet (Erfahrungslernen, Achtsamkeit, Balint-Arbeit) und semi-strukturiert. Eine Fragestellung aus dem klinischen Alltag der Studenten wird in der Gruppe beleuchtet, die verschiedenen Ebenen des Problems - einschließlich der Selbst- und Peer-wahrnehmung - werden identifiziert, präzisiert und Lösungsmöglichkeiten einschließlich struktureller oder prozessualer Konsequenzen werden herausgearbeitet.

Die Hauptergebnisse der Studie waren: die befragten Studenten fanden das RL sehr hilfreich, um die Anforderungen eines ersten selbstverantwortlichen Klinikalltages besser bewältigen zu können. Das RL trug insbesondere dazu bei, persönliche, patienten- und team-bezogene Situationen multiperspektivisch zu betrachten und entsprechende klinische Problemlösungen zu erarbeiten.

Schlussfolgerung: Insbesondere für Berufsanfänger birgt der klinische Alltag komplexe persönliche und professionelle Anforderungen, für die eine Perspektivenerweiterung unter Einbezug von Selbst- und peer-Wahrnehmung hilfreich sein kann.

Ob das RL neben dem kurzfristigen individuellen Unterstützungs- und Entlastungsaspekt auch zu einer Erhöhung der Empathiefähigkeit, Verbesserung der klinischen Urteilsfähigkeit und ggfs. Steigerung der Arbeits-Zufriedenheit beiträgt, sollte Gegenstand weiterer Untersuchungen werden.