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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)

05.10. - 08.10.2011, München

Gibt es Defizite im Anatomiewissen Medizinstudierender in Deutschland? – Analyse und Objektivierung mit Hilfe des Progress Tests Medizin

Vortrag

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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA). München, 05.-08.10.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11gma073

DOI: 10.3205/11gma073, URN: urn:nbn:de:0183-11gma0735

Veröffentlicht: 26. September 2011

© 2011 Brunk et al.
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Gliederung

Text

Fragestellung: Der anatomische Wissensstand Medizinstudierender in Deutschland wird kontrovers diskutiert. Insbesondere chirurgische Fachgesellschaften kritisieren unzureichende Anatomiekenntnisse von Medizinstudierenden (siehe http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/36243/). Dabei ist die Wichtigkeit von Grundlagenwissen für die ärztliche Tätigkeit unumstritten [1]. Vor diesem Hintergrund wurde mithilfe der Ergebnisse des Progress-Tests Medizin [2] untersucht, ob es objektive Hinweise auf Defizite im Anatomiewissen Medizinstudierender in Deutschland gibt.

Methoden: Die Leistungen Medizinstudierender über dem achten Semester aller am Progress-Test Medizin teilnehmenden Fakultäten in Deutschland in 33 anatomischen Fragen wurden betrachtet. Sie wurden anhand eines Standards bewertet, der durch Standard-Setting Verfahren mit anatomischen Lehrenden von fünf der zehn in Deutschland am PTM teilnehmenden Fakultäten mithilfe eines modifizierten Angoff-Verfahrens (Ja/Nein-Methode) [3] erarbeitet wurde.

Ergebnisse: Unter den anatomischen Lehrenden bestand unabhängig von Heimatfakultät, Lehrerfahrung oder Studienfach ein Konsens über die mindesterforderliche Leistung in den untersuchten Fragen. Daher konnte aus den Ergebnissen der verschiedenen Standard-Settings ein Standard für die Untersuchung berechnet werden. Die durchschnittliche Leistung der Studierenden über dem achten Semester lag mit 29,9% richtig beantworteter Fragen deutlich unter dem Standard von 60,4%. Dabei war die Leistung der Studierenden in der Beantwortung von Fragen mit klinischem Anwendungsbezug signifikant schlechter als bei der Beantwortung von reinen Wissensfragen.

Schlussfolgerung: Die Ergebnisse bestätigten die kritisierten Wissensdefizite. Dabei scheint insbesondere die Anwendung des anatomischen Wissens im klinischen Kontext für die Studierenden schwierig zu sein. Die Ergebnisse geben keinen Aufschluss darüber, ob die Studierenden primär zu wenig Wissen erwerben, oder ob zuviel des Wissens im Verlauf des Studiums wieder verloren geht.


Literatur

1.
Woods NN. Science is fundamental: the role of biomedical knowledge in clinical reasoning. Med Educ. 2007;41(12):1173-1177. DOI: 10.1111/j.1365-2923.2007.02911.x Externer Link
2.
Nouns ZM, Georg W. Progress testing in German speaking countries. Med Teach. 2010;32(6):467-470. DOI: 10.3109/0142159X.2010.485656 Externer Link
3.
Impara J, Plake B. Standard-Setting: An alternative Approach. J Educ Meas. 1997;34:353-366. DOI: 10.1111/j.1745-3984.1997.tb00523.x Externer Link