gms | German Medical Science

Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)

23.09. - 25.09.2010, Bochum

Migration, Kultur und Gesundheit - Interkulturelle Kommunikation und Kompetenz im Rahmen des Kölner PJ-STArT-Blocks*

Poster

Suche in Medline nach

  • corresponding author presenting/speaker Houda Hallal - Universität zu Köln, Humanwissenschaftliche Fakultät, Institut für vergleichende Erziehungswissenschaften, Köln, Deutschland
  • author Cristina Allemann-Ghionda - Universität zu Köln, Humanwissenschaftliche Fakultät, Institut für vergleichende Erziehungswissenschaften, Köln, Deutschland

Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA). Bochum, 23.-25.09.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10gma166

DOI: 10.3205/10gma166, URN: urn:nbn:de:0183-10gma1666

Veröffentlicht: 5. August 2010

© 2010 Hallal et al.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Text

Fragestellung: Obwohl interkulturelle Kontakte längst zum klinischen Alltag gehören, sehen sich bereits Medizinstudenten oft mit Bedürfnissen von Patienten konfrontiert, deren soziale Praxis, Wertvorstellungen und Handlungen sie als „fremd“ erfahren und sie ferner verunsichern. Dieses „Fremde“ führt oft zu Entdifferenzierungen und Entpersonifizierung, die es nicht mehr zulassen, das Gegenüber differenziert wahrzunehmen. Dabei wird allzu oft übersehen, dass es nicht darum geht, das Misslingen der Kommunikation auf die „fremde Kultur“ der Migranten abzuschieben und in stereotypisierender Ursachenzuschreibung zu enden. Wie aktive interkulturelle Kommunikation zwischen den vermeintlich „kulturell fremden Patienten“ und Ärzten verläuft, was sie unterstützt und was sie hemmt, ist Thema des Teilprojektes der Humanwissenschaftlichen Fakultät im Kontext des Kölner PJ-STArT-Blocks.

Methodik: Der Schwerpunkt liegt hierbei insbesondere auf der „Interkulturellen Kompetenz“ als Schlüsselqualifikation für ärztliches Handeln. Um kulturalbezogene Generalisierungen zu überwinden, werden nicht allgemeine Kategorien von Kultur betrachtet, sondern die individuellen Lebensgeschichten von Menschen und deren Krank- und Gesundwerden im Kontext von Migration und Kultur interpretiert.

Zwar prägt jeden die soziokulturelle Herkunft in mehrfacher Hinsicht, doch ist diese niemals statisch. Jeder Angehörige einer Kultur kann ihre Bestandteile subjektiv bewerten und in mehr als einer Weise danach handeln. Eben dieses wird in den Modulen mittels der Methode der interkulturellen Hermeneutik interaktiv und praxisnah in exemplarischen Begegnungen mit dem vermeintlich „kulturell fremden Patienten“ simuliert, in Kleingruppen thematisiert und im Kontext der medizinischen Lehre sowie mit Hilfe wissenschaftlicher Studien analysiert [1]. Um den Studierenden aufzuzeigen, was sie können und wo es ggf. noch Verbesserungsbedarf gibt, ist auch ein strukturiertes Feedback sowie die interkulturelle Supervision ein wesentliches Element dieser interdisziplinären Didaktik.

Ergebnisse: Das Ergebnis der Gesamtevaluation (n=115) lag für die Simulation bei 1,41 (n=106), bei der praxisorientierten Theorie zu „Kultur und Krankheit“ bei 1,73 (n=104).

Zudem wurde das Teilprojekt in einer Teilmodulevaluation qualitativ evaluiert (n=30).

Die Bewertung der Inhalte in Bezug auf Interesse, Relevanz, sinnvolle Ergänzung des Curriculums und die Anregung, sich mit der Thematik „soziokulturellen Vielfalt“ zu beschäftigen, wurde weitgehend als nützlich bewertet und sehr gut akzeptiert. Als positiv wurden die Themen Krankheitskonzepte, „Scham und Intimsphäre“ und „Familiensysteme“ hervorgehoben. Gewünscht werden u. a. eine „weitere Vertiefung“ und „mehr Informationen“ bspw. zu Krankheitsempfindungen, deren Artikulation sowie der Umgang mit Trauer und Tod.

Schlussfolgerung: Die Rückmeldungen und Erhebungen zeigen, dass es möglich und sinnvoll ist, Studenten mit interaktiven Modulen zur Förderung der „Interkulturellen Kompetenz“ auf die soziokulturelle Vielfalt vorzubereiten. Ferner zeigt sich eine Zustimmung über die Nützlichkeit und Relevanz für den Arbeitsalltag. Weitgehende individuelle Kompetenzzuwächse lassen sich nachweisen.


Anmerkung

* Projekt im Rahmen des studienbeitragsgeförderten Lehrprojekts EISBÄR / PJ-STArT-Block (http://www.pjstartblock.uni-koeln.de) unter Beteiligung der folgenden Institutionen der Universität zu Köln:

Humanwissenschaftliche Fakultät: Institut für vergleichende Bildungsforschung und Sozialwissenschaften (Prof. Dr. Allemann-Ghionda) und Medizinische Fakultät: Zentrum für Palliativmedizin (Prof. Dr. Voltz, PD Dr. Schiessl) Klinik und Poliklinik für Psychosomatik und Psychotherapie (PD. Dr. Albus, Prof. Dr. Obliers, Dr. Koerfer), Institut für Pharmakologie (Prof. Dr. Herzig, Dr. Matthes), Studiendekanat und Kölner Interprofessionelles Skills Lab und Simulationszentrum (Prof. Dr. Dr. Lehmann, Dr. Boldt, Dr. h.c. (RUS) Stosch), Institut für Geschichte und Ethik der Medizin (Prof. Dr. Karenberg, Prof. Dr. Dr. Schäfer)


Literatur

1.
Thomas A, Kinast EU, Schroll-Machl S. Interkulturelle Kommunikation und Kooperation. Band 1 und 2. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht; 2005.