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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)

23.09. - 25.09.2010, Bochum

Im Notfall bereit? OSCE-Prüfungen im Fach Notfallmedizin an der Universität zu Lübeck

Poster

  • corresponding author presenting/speaker Peter Iblher - Universität zu Lübeck,, Klinik für Anästhesiologie, Lübeck, Deutschland; Private Universität Witten/Herdecke gGmbH, Institut für Didaktik und Bildungsforschung im Gesundheitswesen (IDBG), Witten, Deutschland
  • Michaela Zupanic - Private Universität Witten/Herdecke gGmbH, Institut für Didaktik und Bildungsforschung im Gesundheitswesen (IDBG), Witten, Deutschland
  • Altje Parbel - Universität zu Lübeck,, Klinik für Anästhesiologie, Lübeck, Deutschland
  • Martin Prüßmann - Universität zu Lübeck,, Klinik für Anästhesiologie, Lübeck, Deutschland
  • author Martin R. Fischer - Private Universität Witten/Herdecke gGmbH, Institut für Didaktik und Bildungsforschung im Gesundheitswesen (IDBG), Witten, Deutschland
  • Peter Schmucker - Universität zu Lübeck,, Klinik für Anästhesiologie, Lübeck, Deutschland

Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA). Bochum, 23.-25.09.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10gma152

DOI: 10.3205/10gma152, URN: urn:nbn:de:0183-10gma1521

Veröffentlicht: 5. August 2010

© 2010 Iblher et al.
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Gliederung

Text

Im Notfall sind praktische Fertigkeiten unabdingbar mit der erfolgreichen Behandlung einer potentiell lebensbedrohlichen Störung verbunden. Trotzdem werden an 89% der deutschen Fakultäten Lernziele der Notfallmedizin mittels Multiple Choice -Klausur (MCQ) abgeprüft [1], die nicht die Frage beantworten, ob die Fertigkeiten tatsächlich praktisch beherrscht werden. An der Universität zu Lübeck absolvieren die Studierenden in halber Semesterstärke (n~120) den einsemestrigen Kurs "Notfallmedizin" im 1./2. klinischen Semester. Diese interdisziplinäre Lehrveranstaltung besteht aus zwölf Modulen, von denen sechs Module anästhesiologisch, und jeweils ein Modul gynäkologisch, kinderchirurgisch, neurologisch, neurochirurgisch, internistisch und unfallchirurgisch betreut werden. Die Lerninhalte sind den Studierenden bekannt.

Fragestellung: Entwicklung eines Sechs-Stationen-OSCE "Notfallmedizin" und überprüfung der internen Konsistenz (Cronbach´s α), Prüfung der Korrelationen zwischen OSCE und MCQ, der studentischen Zufriedenheit, Vergleich der Ergebnisse zwischen Prüfungsgruppen und -tagen.

Methodik: Im März 2009 wurden durch die Klinik für Anästhesiologie sechs OSCE-Prüfungsaufgaben der Module

1.
Basic Life Support,
2.
Advanced Cardiac Life Support,
3.
Traumamanagement,
4.
Kindernotfälle,
5.
Fallbeispiele und
6.
Atemwegsmanagement

lernzielbasiert entworfen und getestet. Die Studierenden absolvierten erstmalig an zwei aufeinander folgenden Prüfungstagen randomisiert auf Prüfungsgruppen und -tag den OSCE und schrieben eine Woche später eine MCQ mit jeweils zwei Fragen aus jedem Modul (ngesamt=24). Der OSCE wurde mittels Fragebogen (87 Items in zehn Skalen) quantitativ und qualitativ evaluiert.

Ergebnisse: Es nahmen 109 Studierende (68.8% w, 31.2% m) des überwiegend 5. (16.5%) und 6. (76.1%) Semesters teil. Der Altersdurchschnitt betrug im Mittel 25.39 ± 3.37 Jahre. Die Ergebnisse der OSCE-Prüfung erwiesen sich als unabhängig von Alter, Geschlecht und Gruppenzuordnung. Dabei zeigt die Gesamtskala eine mittlere interne Konsistenz (Cronbach´s α=.672). MC- und OSCE-Ergebnisse korrelieren signifikant (r=.310, p=.001), 9.61% der Varianz wurden aufgeklärt. Eine signifikante Verbesserung der Ergebnisse in Kohorte "Tag 2" in den Aufgaben 4) und 5) wurde offensichtlich.

Schlussfolgerungen: Die Analysen zeigen erwartungsgemäß eine mittlere interne Konsistenz, die primär wohl auf die niedrige Anzahl der Stationen zurückzuführen ist. OSCE und MC korrelieren signifikant, wobei die mittlere Ausprägung damit zu erklären wäre, dass im MCQ 50% der Prüfungsfragen (n=12) von nicht-OSCE-relevanten Modulen stammen und OSCE sowohl Theorie, als auch Praxiskompetenz überprüft. In den Modulen 4) und 5) zeigt sich eine signifikante Verbesserung der Kohorte von Tag 1 zu Tag 2, die sich auch in einer signifikant höheren Zufriedenheit zeigt. In diesen Modulen werden im Seminar breit gefächerte Lerninhalte vermittelt, während die anderen Prüfungsmodule eher auf konkrete Maßnahmen fokussieren. Ein Informationstransfer zwischen Tag 1 und 2 erscheint hier besonders effektiv, wenn die Informationen zur Prüfung ein breites Lehrspektrum konkret einschränken, wogegen die Kenntnis eines konkreten Schauspiel-Szenarios in den Modulen offensichtlich keinen signifikanten Effekt hat. Generell wurde der OSCE positiv evaluiert mit dem Wunsch, diese Prüfungsform häufiger einzusetzen.


Literatur

1.
Beckers SK, Timmermann A, Müller MP, Angstwurm M, Walcher F. Undergraduate medical education in emergency medical care: a nationwide survey at German medical schools. BMC Emerg Med. 2009;9:7. DOI: 10.1186/1471-227X-9-7 Externer Link