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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)

23.09. - 25.09.2010, Bochum

Gender in der medizinischen Ausbildung: Wer profitiert von welchen didaktischen Methoden und Prüfungsformaten?

Poster

  • corresponding author presenting/speaker Cadja Bachmann - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut für Allgemeinmedizin, Hamburg, Deutchland
  • author Silke Roschlaub - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut für Allgemeinmedizin, Hamburg, Deutchland
  • author Hendrik van den Bussche - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut für Allgemeinmedizin, Hamburg, Deutchland

Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA). Bochum, 23.-25.09.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10gma98

DOI: 10.3205/10gma098, URN: urn:nbn:de:0183-10gma0989

Veröffentlicht: 5. August 2010

© 2010 Bachmann et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund und Fragestellung: Die Geschlechterverteilung an deutschen medizinischen Fakultäten hat sich im vergangenen Jahrzehnt zugunsten der Frauen verändert. Derzeit sind etwa 2/3 der angehenden Ärzte weiblichen Geschlechts. Die Feminisierung des Medizinstudiums wirft die Frage auf, ob die curricular angebotenen didaktischen Methoden und Prüfungsformate für beide Geschlechter gleichermaßen geeignet sind und ob es geschlechtsspezifische Unterschiede bei den Prüfungsleistungen gibt.

Methode: 146 Studierende des klinischen Themenbocks „Psychosoziale Medizin“ wurden am Beginn und am Ende des 1.Trimesters 09/10 zu subjektiv geeigneten didaktischen Methoden und Prüfungsformaten anonym schriftlich befragt. 94 Studierende füllten den Fragebogen aus und gaben am Ende des Trimesters ihr Einverständnis zur Aufhebung der Anonymisierung. Die Prüfungsergebnisse wurden mit den erhobenen Daten zusammengeführt.

Ergebnisse: 68% der Befragten waren Frauen, sie hatten im Durchschnitt 4,2 klinische Trimester studiert, Männer 3,9 Trimester. Männer gaben durchschnittlich eine höhere Kommunikationskompetenzen und Patientenerfahrung an als Frauen (4,1 vs 3,8 und 4,3 vs 3,6).

In der subjektiven Einschätzung der Eignung didaktischer Methoden für das Lernverhalten fanden sich einige geschlechtsspezifische Unterschiede. Frauen profitierten stärker von Kleingruppenseminaren, Studiengruppen, Unterrichten mit Simulationspatienten, Lehrbüchern und Wiederholungen. Männer bevorzugen stärker als Frauen das e-learning und das Lernen von Experten oder Vorbildern.

Auch in der subjektiven Einschätzungen geeigneter Prüfungsformate fanden sich geschlechtsspezifische Unterschiede. Männer bevorzugten stärker elektronische Prüfungen, mündlich-praktische Prüfungen und Essays. Frauen geben signifikant häufiger an, dass MC-Klausuren, Gruppenpräsentationen und schriftliche Epikrisen für sie geeignet seien.

In den benoteten Prüfungsleistungen fanden sich bei MC-Klausuren und den allgemeinmedizinischen Epikrisen praktisch keine Geschlechtsunterschiede. Bei den benoteten Gruppenarbeiten zeigten Frauen tendenziell bessere Leistungen. In mündlich-praktischen OSCE-Prüfungen erhielten Männer häufiger die Note 1 als Frauen. Signifikante Unterschiede fanden sich in der körperlichen Untersuchung an männlichen Simulationspatienten. Hier schnitten Männer durchschnittlich mit der Note 1,6 ab, Frauen mit der Note 2,1. Weitere Ergebnisse werden zum Kongress vorliegen.

Schlussfolgerungen: Medizinstudierende geben geschlechtsspezifische Präferenzen für bestimmte didaktische Unterrichts- und Lernmethoden und für Prüfungsformate an.

Ein Zusammenhang zwischen Geschlecht, der Präferenz einer Prüfungsmethode und der entsprechenden Prüfungsleistung bildet sich nur teilweise ab. Männer bevorzugen mündlich-praktische Prüfungen und schneiden hier tendenziell besser ab, bei Frauen trifft dies für benotete Gruppenarbeiten zu. Künftig muss das genderspezifische Lern- und Prüfungsverhalten bei Hamburger Medizinstudierenden in größeren Stichproben näher untersucht und beleuchtet werden.