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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)

23.09. - 25.09.2010, Bochum

Migration und Gesundheit. Kulturelle Kompetenz im Kinder- und Jugendgesundheitsdienst - MIKKI NRW

Vortrag

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  • corresponding author presenting/speaker Erika Sievers - Akademie für öffentliches Gesundheitswesen, Sozialpädiatrie, Düsseldorf, Deutschland
  • Anne Dietrich - Akademie für öffentliches Gesundheitswesen, Sozialpädiatrie, Düsseldorf, Deutschland; Institut für interkulturelle Kommunikation und Konfliktmanagement, Essen, Deutschland

Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA). Bochum, 23.-25.09.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10gma93

DOI: 10.3205/10gma093, URN: urn:nbn:de:0183-10gma0930

Veröffentlicht: 5. August 2010

© 2010 Sievers et al.
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Gliederung

Text

Problemstellung: Ca. 30% der Neugeborenen in Nordrhein-Westfalen haben einen direkten Migrationshintergrund, gesundheitliche Ungleichheiten wurden durch den Kinder- und Jugendgesundheitssurvey bestätigt. Dem medizinischen Fachpersonal im Kinder- und Jugendgesundheitsdienst (KJGD) der Kommunen kommt in ihrer Versorgung eine Schlüsselfunktion zu - z.B. mit den Schuleingangsuntersuchungen sowie in der Beteiligung in der kommunalen Planung und Durchführung von Maßnahmen zur Gesundheitsförderung und Prävention. Kann ein Curriculum zur Förderung der kulturellen Kompetenz flächendeckend umgesetzt werden?

Methoden: In Rahmen einer Kooperation der Akademie für öffentliches Gesundheitswesen in Düsseldorf und dem Institut für interkulturelle Kommunikation, Essen, wurde ein dreistufiges Schulungskonzept von 3x2 Tagen erarbeitet - Interkulturelle Kommunikation im KJGD. Schwerpunkte sind die Sensibilisierung für mögliche Probleme der interkulturellen Kommunikation, die Bestandsaufnahme der Umsetzung der interkulturellen Öffnung der KJGDs sowie die Unterstützung bei der Erarbeitung von Handlungsoptionen sowie die Vertiefung besonderer bedarfsorientierter Fragestellungen. Mit unterschiedlichen didaktischen Lehrmethoden soll hierbei eine Stärkung der kulturellen Kompetenz erreicht werden. In NRW wurde durch Förderung des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW ein flächendeckendes Angebot auf der Ebene der Stufe 1 (Grundkurse) möglich.

Ergebnisse: Insgesamt konnten durch Lehrangebote der Akademie seit 2008 über 589 Mitarbeiter/innen der KJGDs der Trägerländer in 47 Veranstaltungen fortbebildet werden, 81 TeilnehmerInnen nahmen bisher das Angebot eines Aufbaukurses (n=7) an. Ca. 75% der Kinder- und Jugendgesundheitsdienste in NRW führ(t)en werden 2010 eine Inhouse-Schulung (Grundkurs) durchgeführt haben. Insgesamt erfolgte eine Bewertung zwischen <2,0 auf einer 6stufigen Skala ("gemessen am zeitlichen und organisatorischen Aufwand hat die Teilnahme am Kurs sich für mich gelohnt"). Neben Kommunikations- und Sprachproblemen selbst wurden in den Kursen besondere Bereiche häufig benannt, in denen die interkulturelle Kommunikation von Bedeutung ist: Der Zugang zu Förder- oder Therapieangeboten in der Altersgruppe der Kinder von 0-3 Jahren, die Planung der Einschulungsuntersuchungen sowie erhöhte Zuweisungen zu den Förderschulen.

Schlussfolgerungen: Seit 2008 wurde ein Lehrangebot zur Unterstützung der kulturellen Kompetenz im KJGD etabliert und in NRW flächendeckend auf der Ebene der Grundkurse allen KJGDs zur Verfügung gestellt. Damit wurde eine Grundlage für die Verbesserung der Angebote und ihrer -struktur in Richtung auf eine transkulturelle Ausrichtung geschaffen.