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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)

23.09. - 25.09.2010, Bochum

Persönlichkeitsmerkmale von Medizinstudierenden der Universität Witten/Herdecke im Semester- und Geschlechtervergleich

Vortrag

  • corresponding author presenting/speaker Michaela Zupanic - Private Universität Witten/Herdecke, Institut für Didaktik und Bildungsforschung im Gesundheitswesen, Witten, Deutschland
  • Daniel Bauer - Private Universität Witten/Herdecke, Institut für Didaktik und Bildungsforschung im Gesundheitswesen, Witten, Deutschland
  • Marzellus Hofmann - Private Universität Witten/Herdecke, Institut für Didaktik und Bildungsforschung im Gesundheitswesen, Witten, Deutschland
  • Jörg Reißenweber - Private Universität Witten/Herdecke, Institut für Didaktik und Bildungsforschung im Gesundheitswesen, Witten, Deutschland
  • Julia Fricke - Private Universität Witten/Herdecke, Institut für Didaktik und Bildungsforschung im Gesundheitswesen, Witten, Deutschland
  • author Martin R. Fischer - Private Universität Witten/Herdecke, Institut für Didaktik und Bildungsforschung im Gesundheitswesen, Witten, Deutschland

Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA). Bochum, 23.-25.09.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10gma88

DOI: 10.3205/10gma088, URN: urn:nbn:de:0183-10gma0885

Veröffentlicht: 5. August 2010

© 2010 Zupanic et al.
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Gliederung

Text

Fragestellung: Zusammenhänge zwischen Persönlichkeitsmerkmalen und Leistungsmaßen von Medizinstudierenden werden bei longitudinaler Betrachtung im Verlauf des Studiums berichtet. Bei den Auswahlverfahren für Studienplätze an medizinischen Fakultäten in Deutschland finden standardisierte Persönlichkeitstests bislang jedoch keine Verwendung. Gleichwohl wird die prognostische Validität von nicht-kognitiven Aspekten insofern berücksichtigt, dass Gutachter/innen in semi-strukturieren Auswahlgesprächen ihr meist implizites Persönlichkeitsprofil "der guten Ärztin/ des guten Arztes" bei den Bewerber/innen erfragen. Im Rahmen der systematischen Qualitätssicherung des Auswahlverfahrens der Privaten Universität Witten/Herdecke (UWH), Fakultät für Medizin zielt dieser Beitrag auf die quantitative Erfassung und Abbildung dieses impliziten Anforderungsprofils.

Methodik: Im April 2010 wurde an der UWH das Hamburger-Persönlichkeitsinventar in der Kurzversion (HPI-K) genutzt, um die sechs annähernd unkorrelierten Basisdimensionen der Persönlichkeit Nervosität (N), Extraversion (E), Offenheit (O), Kontrolliertheit (C), Altruismus (A) sowie Risiko- und Kampfbereitschaft (R) standardisiert zu erfassen. Erste Ergebnisse der anonymen Befragung liegen für insgesamt 101 Medizinstudierende (55 Frauen, 46 Männer) im durchschnittlichen Alter von 23.52±2.60 Jahren vor. Eine vergleichbare Anzahl von Studierenden des 1. (N=42), 5. (N=32) und 9. (N = 33) Fachsemesters nahmen an der Befragung teil.

Ergebnisse: Die Ergebnisse belegen ein Persönlichkeitsprofil für die gesamte Gruppe mit Ausprägungen im Durchschnittsbereich der Norm (Stanine 5±2) für die sechs Persönlichkeitsmerkmale. Mit Ko-Varianzanalysen (Kontrolle von Alter) können signifikante Unterschiede zwischen den Fachsemestern in Extraversion (F=3.80, p=.026) und Altruismus (F=3.21, p=.045) belegt werden, mit abnehmender Ausprägung in beiden Merkmalen bis zum 9. Fachsemester. Signifikante geschlechtsspezifische Unterschiede zeigen sich in den Merkmalen Nervosität (F=21.32, p=.000) sowie Risiko- und Kampfbereitschaft (F=19.39, p=.000) in die zu erwartende Richtung. In der Ausprägung von Altruismus (F=3.45, p=.066) verfehlt der Vergleich nur knapp die statistische Signifikanz.

Schlussfolgerungen: Die Selbstbeschreibung der Medizinstudierenden ist bei Betrachtung der Persönlichkeitsmerkmale Nervosität (geringer ausgeprägt i.S. einer emotionalen Stabilität) und Extraversion (stärker ausgeprägt i.S. einer größeren Kontaktfreude) mit den Erfahrungen aus der Literatur vergleichbar. Dagegen konnten aber weder größere Offenheit für neue Erfahrungen, noch eine stärkere Ausprägung von Altruismus festgestellt werden. Diese Bestandsaufnahme des Persönlichkeitsprofils umfasst bislang erst etwa ein Drittel der UWH-Studierenden und wird fortgesetzt. Der zukünftige Einsatz des standardisierten Persönlichkeitstests (HPI-K) im Auswahlverfahren der Universität Witten/Herdecke muss kritisch diskutiert werden [1], [2], [3].


Literatur

1.
Andresen B. Hamburger Persönlichkeitsinventar (HPI). Manual. Göttingen: Hogrefe; 2002.
2.
Hänsel M, Klupp S, Graupner A, Dieter P, Koch T. Dresden Faculty selection procedure for medical students: what impact does it have, what is the outcome? GMS Z Med Ausbild. 2010;27(2):Doc25. Zugänglich unter: http://www.egms.de/static/de/journals/zma/2010-27/zma000662.shtml Externer Link
3.
James D, Ferguson E, Powis D, Bore M, Munro D, Symonds I, Yates J. Graduate entry to medicine: widening psychological diversity. BMC Med Educ. 2009;9:67. DOI: 10.1186/1472-6920-9-67 Externer Link