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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)

23.09. - 25.09.2010, Bochum

Critical Thinking im Unterricht für die vorklinischen Semester

Vortrag

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  • corresponding author presenting/speaker Marcel Riehn - Charité Universitätsmedizin Berlin, Prodekanat Studium und Lehre, Berlin, Deutschland
  • Antonia Pelz - Charité Universitätsmedizin Berlin, Prodekanat Studium und Lehre, Berlin, Deuitschland
  • Ute Tautenhahn - Charité Universitätsmedizin Berlin, Prodekanat Studium und Lehre, Berlin, Deutschland
  • Jörg Pelz - Charité Universitätsmedizin Berlin, Prodekanat Studium und Lehre, Berlin, Deutschland

Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA). Bochum, 23.-25.09.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10gma74

DOI: 10.3205/10gma074, URN: urn:nbn:de:0183-10gma0742

Veröffentlicht: 5. August 2010

© 2010 Riehn et al.
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Gliederung

Text

Im Entwurf der EMSA (European Medical Students´ Association) und der IFMSA (International Federation of Medical Students´ Associations) für das "European Core Curriculum for Medicine - the Student Perspective" wurde als eine von 9 Domänen (neben Clinical Skills, Theoretical Knowledge, Communication, ...) Critical Thinking beschrieben und für den Unterricht eingefordert. Diese Auflistung der Inhalte wurde in einem Positionspapier des bvmd (Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland) übernommen. Die Studierenden verstehen unter dieser Domäne die systematische Evaluation von Informationen die jeder professionellen Entscheidung und Handlung vorauszugehen hat. Während in anglo-amerikanischen Sprachraum an einigen Fakultäten Kurse dieser Art durchgeführt werden, wurde in den deutschen medizinischen Fakultäten weitgehend Zurückhaltung geübt. Durch Expertengespräche wurde an der Charité ein Curriculum für Critical Thinking Kurse entwickelt. Unsere Fragestellung lautete:

  • Würden diese Kurse von Studierenden angenommen werden?
  • Wie würden die Inhalte bewertet werden? Sollten solche Kurse im Curriculum verankert werden?

Im Rahmen des Studium exemplare wurden zweitägige Wochenendkurse (mit 16 Unterrichtsstunden) während zweier Semester angeboten. Insgesamt wurden die Kurse von 164 Studierenden besucht (das sind 25% der für diese beiden Semester eingeschriebenen Studierenden), von denen 96% die Veranstaltungen positiv evaluierten - es lagen zahlreiche weitere Anmeldungen vor, für die in Verlauf des jetzigen Sommersemesters Veranstaltungen angeboten werden. Einstieg in die Thematik bildete eine Kritik der sinnlichen Wahrnehmung am Beispiel von Zaubertricks. Es wurden eine Einführung in das Definieren von Begriffen, in die Logik und in exaktes Argumentieren gegeben und durch zahlreiche übungen vertieft. Die Herleitung von Kausalzusammenhängen und das Entlarven von Denkfehlern wurde thematisiert und eine Kurzeinführung in die spezifische wissenschaftliche Methodik der Medizin mit eigenen Anwendungen vermittelt. Mit der Behandlung von Paradoxien und Dilemmata wurden Grenzen unseres Denkens aufgezeigt. Die Abschlussprüfung für die erforderliche vorgeschriebene Notenvergabe für die Teilnahmescheine bestand in der Behandlung und individuellen Begründung des Verhaltens in der Situation des Gefangenendilemmas.

Von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern wurden die vermittelten Inhalte als sehr anregend und nützlich bewertet. Viele Studierende, die frisch von der Schule an die Universität kommen, sind es noch nicht gewöhnt die Freiheit des Denkens zu nutzen. Sie können von der Teilnahme an Kursen zum Critical Thinking profitieren. Die Einübung und Anwendung von EBM in fortgeschrittenen Semestern kann als eine Fortsetzung des Critical Thinking in Sinne einer Lernspirale angesehen werden.