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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)

23.09. - 25.09.2010, Bochum

Ziele erreicht ? - retrospektive Evaluation des Reformcurriculums Humanmedizin nach 6 Jahren Studienreform

Vortrag

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  • corresponding author presenting/speaker Christian Schirlo - Universität Zürich, Medizinische Fakultät, Studiendekanat, Zürich, Schweiz
  • Roland Wenger - Universität Zürich, Medizinische Fakultät, Studiendekanat, Zürich, Schweiz
  • Erich Russi - Universität Zürich, Medizinische Fakultät, Studiendekanat, Zürich, Schweiz
  • Franziska Wirth - Universität Zürich, Medizinische Fakultät, Studiendekanat, Zürich, Schweiz

Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA). Bochum, 23.-25.09.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10gma53

DOI: 10.3205/10gma053, URN: urn:nbn:de:0183-10gma0539

Veröffentlicht: 5. August 2010

© 2010 Schirlo et al.
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Gliederung

Text

Fragestellung: Das Curriculum Humanmedizin der Universität Zürich wurde nach internationalen Qualitätsstandards und ausgerichtet auf durch die Fakultät definierte Leitlinien für die gesamte Studierendenkohorte grundlegend reformiert.

Fragestellungen der vorliegenden Studie: Wie beurteilt die erste Absolvierenden-Kohorte des reformierten Medizin-Curriculums (Reformkohorte, RK) im Vergleich mit der Absolvierenden-Kohorte des letztmalig durchgeführten traditionellen Curriculums (Kontrollkohorte, KK) die Struktur, die Ausbildungsqualität und die Relevanz der im Studium vermittelten Lerninhalte für die Ausübung des Arztberufes? Spiegeln die Semesterprüfungsergebnisse und die Ergebnisse des Staatsexamens die Einschätzung der Ausbildungsqualität und der Relevanz wider?

Methodik: Den Absolvierenden der KK (2008) und der RK (2009) wurde ein identischer Fragebogen mit insgesamt 143 Items nach dem Staatsexamen zugestellt.

Gefragt wurde nach der Ausbildungsqualität und der Relevanz des erlernten Wissens und der vermittelten ärztlichen Fertigkeiten und Fähigkeiten für die Ausübung des Arztberufes mit einer 5-Punkte-Likert-Antwortskala. Bezogen auf ausgewählte Fachgebiete wurden die Ergebnisse zudem mit den soweit vorliegenden Ergebnissen von Semesterprüfungen und Staatsexamensergebnissen der jeweiligen Kohorte verglichen.

Ergebnisse: Die Rücklaufquote für die KK betrug 74% (N=147), für die RK 65% (N=140).

Der Anteil an Kleingruppenunterrichtsformen, an humanwissenschaftlichen Lerninhalten und an praktischen Lerninhalten am Gesamtcurriculum wurde in der RK mehrheitlich als adäquat ("gerade richtig") beurteilt; insbesondere wurde der Anteil an Humanwissenschaften in der RK nur noch von 5% (vs. 25%) als zu klein eingeschätzt.

Die Integration von Grundlagenfächern und Klinischen Fächern - insbesondere der vermehrte Bezug der Lerninhalte der ersten Studienjahre zur klinischen Praxis - sowie das Erlernen von interdisziplinärem Denken wurden von der RK besser beurteilt.

Die RK schätzte die Ausbildung in einzelnen kommunikativen Fähigkeiten und Fertigkeiten wie z.B. ärztlicher Beziehungsgestaltung zu den Patienten (MW 3.6*, SD .92 vs. MW 3.4, SD.91) als besser ein. Allerdings beurteilte die RK die Ausbildungsqualität in kleineren klinischen Fachgebieten (z.B. Dermatologie), in einigen Querschnittsfächern (z.B. Pharmakologie, Mikrobiologie) und in Physik und Chemie als schlechter, während sie sich in den grossen klinischen Fachgebieten und in den Humanwissenschaften im Vergleich zur KK besser ausgebildet fühlte. Die Einschätzung der Ausbildungsqualität korreliert dabei sehr heterogen mit den Resultaten der Semester- und Staatsexamensprüfungen.

Insgesamt fühlte sich die RK durch das Studium in der Retrospektive besser auf das Berufsleben vorbereitet (MW 3.4*, SD .89 vs. MW 3.1, SD .93).

Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse der Absolvierendenbefragung weisen darauf hin, dass die Ausbildungsqualität bestimmter klinischer Fähigkeiten und Fertigkeiten und Fachgebiete und die Vorbereitung auf die spätere ärztliche Praxis mit der Reform verbessert wurden. Die möglicherweise durch die Integration von Lerninhalten bedingten Effekte auf die Wahrnehmung der Ausbildungsqualität kleiner klinischer Fachgebiete oder Querschnittsfächer und die heterogene Korrelation mit Prüfungsresultaten bedürfen einer detaillierten weitergehenden Untersuchung.