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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)

23.09. - 25.09.2010, Bochum

"Cinemeducation" in der Psychiatrie

Vortrag

  • corresponding author presenting/speaker Olaf Kuhnigk - UKE Hambnurg, Med. Fakultät, Prodekanat für Lehre, Hamburg, Deutschland
  • Julia Schreiner - UKE Hambnurg, Med. Fakultät, Prodekanat für Lehre, Hamburg, Deutschland
  • Jens Reimer - UKE Hambnurg, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Hamburg, Deutschland
  • Roya Emami - Evangelisches Krankenhaus Alsterdorf, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Hamburg, Deutschland
  • Dieter Naber - UKE Hambnurg, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Hamburg, Deutschland
  • Sigrid Harendza - UKE Hambnurg, III. Medizinische Klinik und Poliklinik, Hamburg, Deutschland

Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA). Bochum, 23.-25.09.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10gma32

DOI: 10.3205/10gma032, URN: urn:nbn:de:0183-10gma0323

Veröffentlicht: 5. August 2010

© 2010 Kuhnigk et al.
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Gliederung

Text

Fragestellung: Lehrende des Faches Psychiatrie sind oft mit negativen Einstellungen von Medizinstudierenden gegenüber der Psychiatrie konfrontiert. Um Studierenden den Zugang zu dem Fachgebiet der Psychiatrie und seinen Störungsbildern zu erleichtern wurde ein fakultatives Filmseminar in das klinische Curriculum (KliniCuM) des Medizinstudiums integriert. Evaluiert wurden die Akzeptanz des neuen Unterrichtskonzeptes und das Lernziel, ein breites Verständnis für das jeweilige psychiatrische Störungsbild zu schaffen. Weiterhin wurde untersucht, ob sich ein Dokumentarfilm oder Spielfilm besser zum Erreichen dieses Zieles eignet.

Methodik: Ein neu konzipiertes, vierstündiges Filmseminar, bestehend aus einem Film, einem interaktiven Impulsvortrag und einer Patientenvorstellung mit Diskussion wurde von 2005 bis 2008 drei mal pro Trimester durchgeführt. An insgesamt 39 Seminaren nahmen 1032 Studierende der Medizinischen Fakultät der Universität Hamburg teil. Im Erhebungsinstrument wurden Zustimmung oder Ablehnung auf einer 6-Punkt Likert Skala nach deutschen Schulnoten dokumentiert. Neben deskriptiven Parametern wie arithmetischem Mittel (M) und Standardabweichung (SD) wurden verschiedene Vergleiche von Mittelwerten anhand von t-Test bzw. Varianzanalysen mit multiplen Vergleichen nach Bonferroni durchgeführt.

Ergebnisse: 72% der Teilnehmer waren weiblich. Das Durchschnittsalter lag bei 25 Jahren und 90% der Teilnehmer waren Studierende der Humanmedizin. Alle berechneten Mittelwerte lagen in der positiven Skalenhälfte (1 bis 3) der 6-stufigenLikert Skala. Die Studierenden beurteilten die Kombination der Lehrveranstaltung aus Film und Seminar als sehr gut (M=1,4; SD=0,7). Das Filmseminar sei eine hilfreiche Methode, um einen Zugang zu dem Fachgebiet der Psychiatrie zu erlangen (M=1,5; SD=0,7). Sie beurteilten die zusätzliche Patientenvorstellung als hilfreiche Ergänzung, um die psychiatrische Grunderkrankung zu verstehen (M=1,6; SD=0,8). In Bezug auf das Störungsbild der Schizophrenie beurteilten Studierende Spielfilme signifikant besser als Dokumentarfilme um sich in die subjektive Erleben eines an Schizophrenie Erkrankten hinein zu versetzen (p<0,05). Im Vergleich zu Filmen über Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol und Neurotische, Belastungs- und Somatoforme Störungen mit Schwerpunkt auf Angst- und Zwangsstörungen bewerteten Studierende den Spielfilm über eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung als besonders hilfreich, um typische Symptome der Störung zu erkennen.

Schlussfolgerungen: Das Filmseminar bestehend aus Spielfilm, Impulsvortrag und Patientenvorstellung scheint geeignet zu sein, um Medizinstudierenden sowohl den Zugang zum Fach Psychiatrie als auch das Erkennen typischer Symptome zu erleichtern und sie dabei zu unterstützen sich in einen psychiatrischen Patienten hineinzuversetzen. Ein solches Unterrichtsformat könnte daher auch sinnvoll im Pflichtcurriculum der medizinischen Ausbildung angesiedelt sein.