gms | German Medical Science

Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)

23.09. - 25.09.2010, Bochum

Beeinflusst die Tätigkeit als Simulationspatient die eigene Patienten-Rolle?

Vortrag

  • corresponding author presenting/speaker Anne Simmenroth-Nayda - Georg-August-Universität Göttingen, Abteilung Allgemeinmedizin, Göttingen, Deutschland
  • author Thorsten Lorkowski - Georg-August-Universität Göttingen, Abteilung Allgemeinmedizin, Göttingen, Deutschland
  • author Gabriela Marx - Georg-August-Universität Göttingen, Abteilung Allgemeinmedizin, Göttingen, Deutschland
  • author Wolfgang Himmel - Georg-August-Universität Göttingen, Abteilung Allgemeinmedizin, Göttingen, Deutschland

Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA). Bochum, 23.-25.09.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10gma7

DOI: 10.3205/10gma007, URN: urn:nbn:de:0183-10gma0075

Veröffentlicht: 5. August 2010

© 2010 Simmenroth-Nayda et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Simulationspatienten (SP) sind Laien oder professionelle Schauspieler, die einen Patienten porträtieren. SP werden in vielen medizinischen Fakultäten zur Ausbildung von Studierenden in Lehre und Prüfungen eingesetzt. SP sind insbesondere darin geschult, kommunikative Aspekte der Konsultation zu beobachten und zu spiegeln. Die Lehrforschung beschäftigte sich bisher vor allem mit Akzeptanz und Qualität dieser Methode. Wenig internationale Literatur befasst sich mit den Auswirkungen der Tätigkeit auf das Befinden der SP. Der Einfluss der Tätigkeit auf die eigene Rolle als Patient/in, wurde in Deutschland bisher nicht untersucht.

Fragestellung: Welche Bedeutung hat die Tätigkeit als SP für die eigene Patientenrolle bzw. das eigene Arzt-Patient-Verhältnis?

Methodik: Mit Hilfe von leitfadengestützten Einzelinterviews wurden 14 SP (zwei Männer), die länger als drei Semester an der Lehre beteiligt waren, zu ihren Erfahrungen befragt. Die Interviews wurden aufgezeichnet und transkribiert. Die interpretative Auswertung in einem interdisziplinären Team erfolgte in Anlehnung an die Dokumentarische Methode nach Bohnsack.

Ergebnisse: Die Tätigkeit als SP führte dazu, die eigene Rolle als Patient/in kritischer zu hinterfragen, aber auch selbstbewusster in der Interaktion mit dem Arzt zu sein. In einigen Fällen war die Fähigkeit ein Feedback zu geben hilfreich, dem Arzt die Unzufriedenheit mit der Konsultation zu kommunizieren. Andererseits zeigten die SP mehr Verständnis für die berufl. Situation des Arztes (Zeitmangel, hohe Anforderungen). In einem Fall konnten zuvor bestehende Ängste vor Kliniken und Ärzten abgebaut werden, da durch die Tätigkeit eine Identifikation mit dem Lehrkörper stattfand. Für medizinisch vorgebildete SP (z.B. in der Pflege) hatte die Tätigkeit keine Bedeutung für die eigene Rolle als Patient/in.

Schlussfolgerung: Die Erfahrungen von SP sind eine wertvolle Ressource. Sie könnten in Zukunft weiterhin zur Bereicherung der Lehre und auch z.B. im Rahmen von Patientenschulungen- oder Aufklärungen als Mit-Dozenten eingesetzt werden.