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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)

08.10. - 10.10.2009, Freiburg

Effekte eines Kommunikationstrainings für Ärzte in der Facharztweiterbildung an einem akademischen Lehrkrankenhaus

Vortrag

  • corresponding author Barbara Bürmann - Universitätsklinikum Heidelberg, Klinik für Psychosomatische und Allgemeine Klinische Medizin, Heidelberg, Deutschland
  • author Nadja Ringel - Universitätsklinikum Heidelberg, Klinik für Psychosomatische und Allgemeine Klinische Medizin, Heidelberg, Deutschland
  • author Andreas Möltner - Universitätsklinikum Heidelberg, Kompetenzzentrum Prüfung, Heidelberg, Deutschland
  • author Urs Riemann - SLK Klinikum Heilbronn, Heilbronn, Deutschland

Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung - GMA. Freiburg im Breisgau, 08.-10.10.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09gmaT5V093

DOI: 10.3205/09gma093, URN: urn:nbn:de:0183-09gma0931

Veröffentlicht: 2. September 2009

© 2009 Bürmann et al.
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Gliederung

Text

Die Arzt-Patient-Kommunikation ist eine zentrale Grundlage für das Gelingen von diagnostischen und therapeutischen Prozessen. Gestörte Kommunikation kann u.a. zu fehlerhaften Diagnosestellungen und nicht indizierten therapeutischen Maßnahmen führen. Darüber hinaus wird in der aktuellen Literatur auch ein Zusammenhang zwischen inadäquater Kommunikation und der Entwicklung von Zynismus sowie von Burnout-Syndromen bei Ärzten gesehen. Im Zuge dieser Erkenntnisse wird dem Training von Arzt-Patient-Kommunikation vermehrt Bedeutung beigemessen. Bisherige Untersuchungen zur Wirksamkeit ergaben heterogene Ergebnisse in Bezug auf den Trainingserfolg. Für einzelne Trainingskomponenten konnten durchaus positive Effekte belegt werden.

Auf den Ergebnissen der aktuellen Literatur basierend, wurde ein multimodales Trainingskonzept entwickelt, das den speziellen Bedürfnissen und dem Arbeitskontext der ärztlichen Zielgruppe angepasst wurde. Die vorliegende Studie soll die Frage beantworten, inwieweit sich die Wirksamkeit des durchgeführten Trainings im klinischen Alltag belegen lässt.

Durchgeführt wurde eine kontrolliert-randomisierte Prä-Post Studie, in der 40 Ärzte einer internistischen Abteilung eines Klinikums der medizinischen Grundversorgung nach matched pairs einer Interventions- und einer Wartekontrollgruppe zugeteilt wurden. Die Interventionsgruppe erhielt ein 3-tägiges Kommunikationstraining plus eine Supervision auf Visite. Die Trainingsinhalte waren im Vorfeld durch Fokusgruppen auf die spezifischen Herausforderungen der täglichen Stationsarbeit analysiert worden.

Vor und nach dem Training wurden pro Arzt jeweils 5 Patienten-Gespräche per Video aufgezeichnet und mit dem Roter Interaction Analysis System ausgewertet.

Zusätzlich wurden Selbsteinschätzungen der Ärzte bezüglich subjektiver Kompetenz, Empathie (Jefferson Empathy Scale) und Burnout (Maslach Burnout Inventory) erhoben.

Insgesamt wurde das Training sehr gut bewertet (Note 1,5, Schulnoten von 1-5). Die vorläufige Auswertung der Selbsteinschätzungsdaten zeigt eine insgesamt hohe Selbstkompetenzwahrnehmung der Ärzte (Ø 7,8 (SD= 0,99), Skala 1-10, 1=besonders niedrig, 10= besonders hoch), ohne Unterschiede zwischen den Gruppen oder den Messzeitpunkten. Auch bezüglich der Empathie und Burnout Daten zeigten sich keinerlei Unterschiede.

Aufgrund der Videoauswertung mittels RIAS wird ein Vergleich von objektiven und subjektiven Daten vorgenommen und die Umsetzung von konkret vermittelten Trainingsinhalten im Kontakt mit realen Patienten überprüft werden.

Insgesamt wurde das Training von den postgraduierten Ärzten sehr gut akzeptiert. Die bereits sehr hohe initiale Einschätzung der eigenen kommunikativen Kompetenz der Ärzte könnte die Messbarkeit subjektiver Veränderung erschwert haben, ebenso wie diese Einschätzung auch für eine mögliche Überschätzung der eigenen Kompetenz aufgrund einer wenig differenzierten Selbstwahrnehmung sprechen könnte.