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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)

02.10. - 05.10.2008, Greifswald

Stellt das Geschlecht der Studierenden eine Biasvariable bei der Beurteilung medizinipsychologischer Lehrveranstaltungen dar?

Poster

  • corresponding author Marianne Giesler - Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Abt. für Medizinische Psychologie, Freiburg, Deutschland
  • Jürgen M. Giesler - Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Institut für Rehabilitationsforschung und Prävention, Klinik für Turmorbiologie, Freiburg, Deutschland
  • Waltraud Silbernagel - Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Abt. für Medizinische Psychologie, Freiburg, Deutschland
  • author Götz Fabry - Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Abt. für Medizinische Psychologie, Freiburg, Deutschland

Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung - GMA. Greifswald, 02.-05.10.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. Doc08gma91

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gma2008/08gma091.shtml

Eingereicht: 9. Juni 2008
Überarbeitet: 6. August 2008
Angenommen: 6. August 2008
Veröffentlicht: 19. August 2008

© 2008 Giesler et al.
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Gliederung

Text

Fragestellung: Als Biasvariablen bei der studentischen Beurteilung von Lehrveranstaltungen sind nach Marsh [5] solche Faktoren zu betrachten, die nur mit der Beurteilung der Veranstaltung, nicht aber mit anderen Maßen der Lehrwirksamkeit wie z.B. dem Lernerfolg in Zusammenhang stehen. Eine von vielen möglichen Biasvariablen stellt das Geschlecht der Studierenden dar. Verschiedenen Studien zufolge ist dessen Einfluss auf die Beurteilung von Lehrveranstaltungen jedoch als gering anzusehen. Im Gegensatz dazu ergaben Analysen der routinemäßigen Beurteilungen eines Seminars der Medizinischen Psychologie an der Medizinischen Fakultät der Universität Freiburg im Sommersemester 2007 aber Hinweise auf mögliche Biaseffekte des Geschlechts, die im Bereich mittlerer Effektstärken lagen. Dies gab Anlass, die Beurteilungen dieses Seminars aus den Studienjahren 2003/2004 bis 2007/2008 im Hinblick auf mögliche Biaseffekte des Geschlechts zu analysieren.

Methodik: Die Seminarbeurteilungen wurden mit Hilfe einer speziell hierfür angepassten Kurzform [4] des VB-Psych [3], [2], [1] erfasst. In die Datenanalyse gingen neun Stichproben von Studierenden ein, die das Seminar der Medizinischen Psychologie in der Zeit vom WS 2003 bis zum WS 2007 besucht hatten. Jede Stichprobe umfasst acht Seminargruppen mit jeweils ca. 20 Studierenden des ersten bzw. zweiten Studiensemesters. Die Seminarbeurteilungen von Studentinnen und Studenten wurden innerhalb der einzelnen Stichproben varianzanalytisch miteinander verglichen. Als Maß der Effektstärke wurde die Größe eta2 berechnet.

Ergebnisse: Es lassen sich mehrheitlich geringe (eta2 < .06) und vereinzelt mittlere (eta2 < .14) Effekte des Geschlechts der Studierenden nachweisen. Zugleich zeigt sich, dass die Stärke der Effekte in Abhängigkeit von den mit dem VB-Psych erfassten Dimensionen variiert. Hierbei ergeben sich die stärksten Effekte für die Beurteilungsdimensionen „Relevanz der Veranstaltungsinhalte“ und „Involvement“.

Schlussfolgerung: Die Ergebnisse stimmen weitgehend mit Befunden anderer Untersuchungen überein, die zeigen konnten, dass das Geschlecht im Allgemeinen einen eher geringen Einfluss auf die Beurteilung von Lehrveranstaltungen hat. Dass sich im vorliegenden Fall die vergleichsweise stärksten Effekte für zwei spezifische Beurteilungsdimensionen des eingesetzten Verfahrens ergeben, spricht ebenfalls gegen eine Interpretation der Befunde im Sinne eines (globalen) Biaseffekts. Um einen Biaseffekt aber definitiv ausschließen zu können, wäre es jedoch zusätzlich erforderlich, positive Zusammenhänge zwischen den Seminarleistungen der Studierenden und ihren Beurteilungen der Veranstaltung nachzuweisen. Für einen solchen Zusammenhang lassen sich zwar verschiedene Anhaltspunkte anführen, eingehende Untersuchungen hierzu stehen aber noch aus. Darüber hinaus ist noch näher zu klären, welche Faktoren den hier gefundenen Einfluss des Geschlechts auf die Beurteilung vermitteln.


Literatur

1.
Diehl JM, Kohr HU. Entwicklung eines Fragebogens zur Beurteilung von Hochschulveranstaltungen im Fach Psychologie. Psychol Erzieh Unterr. 1977;24:61-75.
2.
Diehl JM. Normierung zweier Fragebögen zur studentischen Beurteilung von Vorlesungen und Seminaren. Psychol Erzieh Unterr. 2003;50:27-42.
3.
Diehl JM. Studentische Lehrevaluation in den Sozialwissenschaften: Fragebögen, Normen, Probleme. In Keiner E (Hrsg.). Evaluation (in) der Erziehungswissenschaft. Weinheim: Deutscher Studien Verlag; 2001.
4.
Giesler JM, Giesler M, Silbernagel W, Fabry G. Die Evaluation eines Seminars der Medizinischen Psychologie mit einer Kurzform des VB-Psych: Replikationsversuche. In Krämer M, Preiser S, Brusdeylins K (Hrsg.). Psychologiedidaktik und Evaluation VI. Göttingen: V& R unipress; 2007.
5.
Marsh H. Students' evaluations of university teaching: dimensionality, reliability, validity, potential biases, and utility. J Educ Psychol. 1984;76(5):707-754.