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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)

02.10. - 05.10.2008, Greifswald

Wirkt der Präparierkurs traumatisierend?

Vortrag/lecture

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  • corresponding author Wael Hamdan - Medizinische Fakultät der Universität des Saarlandes, Institut für Psychoanalyse, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin, Homburg/Saar, Deutschland
  • Nicolas Becker - Universität des Saarlandes, Differentielle Psychologie und psychologische Diagnostik, Homburg/Saar, Deutschland
  • Kurt W. Becker - Medizinische Fakultät der Universität des Saarlandes, Anatomisches Institut, Homburg/Saar, Deutschland
  • author Volker Köllner - Mediclin Bliestal Kliniken, Fachklinik für Psychosomatische Medizin, Blieskastel, Deutschland

Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung - GMA. Greifswald, 02.-05.10.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. Doc08gma13

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gma2008/08gma013.shtml

Eingereicht: 14. Juni 2008
Überarbeitet: 6. August 2008
Angenommen: 6. August 2008
Veröffentlicht: 19. August 2008

© 2008 Hamdan et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Aus bisherigen Untersuchungen ist bekannt, dass Studierende der Medizin überdurchschnittlich stark durch körperliche Symptome, Depressivität und Burnout belastet sind. Wenige Untersuchungen gibt es bisher zu Symptomen von Angststörungen und der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTB). Der Kurs der makroskopischen Anatomie wird als besonders belastend erlebt, da die Studierenden hier sowohl zum ersten Mal mit einer Leiche konfrontiert werden als auch einem überdurchschnittlich erlebten Prüfungsdruck ausgesetzt sind. Ziel dieser Studie war es, die Prävalenz von PTB-Symptomen sowie Angst und Depressivität vor und nach dem Kurs zu messen und die Daten mit Werten von Studierenden im fortgeschrittenen Studium und mit Werten der Normalbevölkerung zu vergleichen.

Methoden: Es wurde eine Längsschnittstudie mit Studierenden des 3. vorklinischen Semesters durchgeführt, die zu zwei Zeitpunkten, direkt vor (T1) und nach (T2) dem Präparierkurs, einen Fragebogen ausfüllten. Von 128 Fragebögen konnten zu T1 und zu T2 100 Fragebögen gepaart ausgewertet werden (78,13%). Bei T1 war das Alter 22,52 J, w/m 60,2%/39,8%; Symptome der PTB wurden mit der IESR (Impact of Event Scale), Angst und Depressivität mit der HADS (Anxiety and Depression Scale) erfasst.

Ergebnisse: Bereits vor dem Präparierkurs lagen 19% der Studierenden in der IES-R über dem für das Vorliegen einer PTB sprechenden Cutoff-Wert. Mittelwerte lagen bei Intrusion(I) 15,2 SD ± 7,9, Vermeidung(V) 15,6 SD ± 8,6, Hyperarousal(H) 15,7 SD ± 7,5. Nach dem Kurs fiel dieser Anteil auf 10%. Mittelwerte waren hier (I) 12,9 SD ± 7,6, (V) 13,6 SD ± 8,4, (H) 11,4 SD ± 7,4. Studenten aus Vergleichsgruppen liegen bei (I) 6,1 SD ± 5,3, (V) 6,6 SD ± 7,0 und (H) 6,9 SD ± 8,9. Hinsichtlich der Belastung durch Angst und Depressivität waren vor dem Kurs 39% bzw. 13,3% auffällig. Mittelwerte lagen bei Angst 9,8 SD ± 4,2 und Depressivität 6,1 SD ± 3,7. Nach dem Kurs fielen diese Prävalenzen auf 29%, bzw. 2%, Mittelwerte 8,5 SD ± 3,5 bzw. 4 SD ± 2,8. Normwerte aus Vergleichsgruppen liegen bei Angst 4,2 SD ± 3 und Depressivität 3,1 SD ± 3,1.

Schlussfolgerungen: Im Vergleich zur Normalbevölkerung ist die Belastung durch Angst und Symptome einer PTB deutlich erhöht. Die Studierenden geben mit ca. 35% vor allem die mündlichen Anatomietestate als Grund an. Auffällig ist, dass die Symptombelastung durch Angst und PTB-Symptome nach dem Kurs zurückging. Offensichtlich ist die psychische Belastung vor dem Kurs besonders groß, was eher für Erwartungsangst als für Traumatisierung spricht. Trotzdem sind die Werte zu beiden Zeitpunkten auffällig hoch. Im Beitrag wird dargestellt, welchen Einfluss die erhöhte Belastung vor dem Kurs auf das Befinden nach dem Kurs hat. Weitere Studien müssen zeigen, ob sich Studierende der Medizin hier von anderen Fächern unterscheiden und ob es sich beider hier gefundenen starken psychischen Belastung nur um ein vorübergehendes Phänomen handelt.