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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)

02.10. - 05.10.2008, Greifswald

Erzielen Studierende in einer OSCE-Prüfung bessere Resultate, wenn sie im Gegensatz zu ihren Kommilitonen bereits vor der Prüfung über die Stationsinhalte kommunizieren können?

Vortrag/lecture

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  • corresponding author Johannes Jäger - Universität Homburg/Saar, Medizinische Fakultät, Lehrbereich Allgemeinmedizin, Homburg/Saar, Deutschland
  • author Volker Köllner - Universität Homburg/Saar, Medizinische Fakultät, Abt. für Psychosomatische Medizin, Homburg/Saar, Deutschland
  • Norbert Graf - Universität Homburg/Saar, Medizinische Fakultät, Abt. für Pädiatrische Onkologie, Homburg/Saar, Deutschland

Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung - GMA. Greifswald, 02.-05.10.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. Doc08gma12

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gma2008/08gma012.shtml

Eingereicht: 12. Juni 2008
Überarbeitet: 6. August 2008
Angenommen: 6. August 2008
Veröffentlicht: 19. August 2008

© 2008 Jäger et al.
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Gliederung

Text

Fragestellung: Die Prüfungsform des OSCE hat sich mittlerweile auch an vielen deutschen Medizinischen Hochschulen als klinisch-praktische Prüfung auf hohem Kompetenzniveau bewährt. Der organisatorische und finanzielle Aufwand ist jedoch beachtlich. Wenn eine große Zahl Studierender in mehrere Kohorten aufgeteilt und über mehrere Tage hinweg geprüft werden muss, vermehrt sich dieser Aufwand dann noch dadurch, dass man, um eine „gerechte“ Prüfung für alle zu erreichen, die Kohorten räumlich trennen muss bzw. die Stationsinhalte des OSCE für die später zu prüfende Kohorte verändert. Nach gründlicher Literaturrecherche finden sich allerdings keine grundlegenden Untersuchungen darüber, ob man tatsächlich so verfahren muss. Ausgehend von einer Beobachtung bei der erstmaligen OSCE-Prüfung im Lehrbereich Allgemeinmedizin unserer Fakultät wurde die Forschungsfrage gestellt, ob Studierende dadurch, dass sie eine Woche vor ihrer OSCE-Prüfung über die Stationsinhalte kommunizieren können, ein besseres Prüfungsergebnis erreichen.

Methodik: 88 Studierende des Sommersemesters 2007 wurden, aufgeteilt in zwei gleich große Kohorten, an zwei verschiedenen Tagen im November 2007 geprüft. Der zeitliche Abstand beider Tage betrug eine Woche. Die Prüfungsinhalte wurden mittels eines „blueprint“ mit den Lernzielen des Curriculums des Blockpraktikums Allgemeinmedizin abgeglichen. Beide Kohorten durchliefen identische Prüfungsstationen; drei davon beinhalteten Simulationspatienten, eine ein Phantom. An jeder Station waren 25 Punkte zu erreichen. Dabei gab es max. 20 Punkte für die Demonstration von skills und attitudes, max. 5 Punkte für die Wiedergabe reines Faktenwissens. Um die Interrater-Reliabilität zu überprüfen, kamen an beiden Prüfungstagen auch zwei geschulte Simulationsstudenten zum Einsatz. Innerhalb und zwischen beiden Prüfungskohorten waren der freien Kommunikation keine Grenzen gesetzt. Auf der studentischen Internetplattform www.medizinhomburg.de waren die Stationsinhalte schon am Abend des ersten Prüfungstages nachzulesen.

Ergebnisse: Ähnlich wie bereits zuvor beobachtet, schnitt die zweite Prüfungskohorte im Bereich „skills and attitudes“ signifikant schlechter ab, als die erste. Das Prüfungsergebnis für die reinen Wissensfragen war dagegen erwartungsgemäß in der späteren Kohorte signifikant besser. In der Beurteilung der Simulationsstudenten zeigten die Prüfer kongruente Ergebnisse.

Schlussfolgerungen: Wird in OSCE-Stationen tatsächlich, so wie es eigentlich gedacht ist, die Demonstration klinisch-praktischer Kompetenz geprüft, kann man ruhigen Gewissens verschiedene Kohorten an verschieden Tagen prüfen, ohne dass man die Stationsinhalte geheim halten oder verändern muss. Dadurch ist es möglich, gerade auch bei der Durchführung „großer“ OSCE-Prüfungen, den logistischen und organisatorischen Aufwand in engen Grenzen zu halten. Aus einer großen Zahl (mind.12) Stationen bestehende OSCE-Parcours könnten als fest installierte, quasi stationäre Einrichtungen z.B. dazu dienen, nach den klinischen Blockpraktika mehrere Fächer gleichzeitig strukturiert praktisch zu prüfen.