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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)

16.11. - 18.11.2007, Hannover

Theorie-Geschichte-Visionen oder GTE und TGV in Heidelberg

Theory and History: GTE in Heidelberg

Vortrag/Lecture

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  • author Maike Rotzoll - Universität Heidelberg, Institut für Geschichte der Medizin, Heidelberg, Deutschland
  • corresponding author Marion Hulverscheidt - Universität Heidelberg, Institut für Geschichte der Medizin, Heidelberg, Deutschland

Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung - GMA. Hannover, 16.-18.11.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07gma197

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gma2007/07gma197.shtml

Veröffentlicht: 14. November 2007

© 2007 Rotzoll et al.
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Gliederung

Text

Seit nunmehr fünf Semestern ist die Modulform des GTE-Kurses in Heidelberg eingerichtet.

In unserem Beitrag zu einen Erfahrungsaustausch werden wir nach der Darstellung der Eckdaten auf zwei Felder eingehen, die im momentanen Entwicklungsstand des Fachs GTE in Heidelberg bedeutsam und diskussionswürdig erscheinen: Zum einen die engere Verknüpfung der Bereiche Theorie und Geschichte zumindest im Seminarteil des Faches, zum anderen die in den Seminaren eingesetzten Methoden.

In Heidelberg werden bislang die drei Bereiche Geschichte, Theorie und Ethik getrennt unterrichtet. Es gibt Vorlesungen zu den jeweiligen Fachgebieten (vier in Geschichte, drei in Ethik, zwei in Theorie) und so genannte Parallelseminare mit jeweils drei Terminen. Auf diese Parallelseminare möchten wir unseren Betrag konzentrieren. Die Studierenden wählen eins unter den angebotenen Seminaren aus; neben den hier zu besprechenden Seminaren in Geschichte und Theorie wird auch ein Ethik-Parallelseminar angeboten. Bei der Wahl werden zwei Präferenzen angegeben, bei der Zuteilung von ungleich verteilten Präferenzen entscheidet das Zufallsprinzip.

In den vergangenen fünf Semestern war zu beobachten, dass die Studierenden gegenüber dem Angebot des Theorieseminars – wahrscheinlich wird der Begriff Theorie schlicht mit „abstrakt“ und „schwierig“ assoziiert – eher unsicher und zur Belegung weniger geneigt waren. Die Präferenz lag deutlich auf Geschichte und Ethik; das Theorieseminar fand bereits zwei mal gar nicht statt. Um die Studierenden „dort abzuholen, wo sie sind“, ohne auf uns zentral erscheinende Inhalte aus der medizinischen oder wissenschaftlichen Theorie und deren Geschichte zu verzichten, sollte aus unserer Sicht die Form des Angebotes neu überdacht werden.

Wir sehen als eine Lösungsmöglichkeit an, die Teilbereiche Theorie und Geschichte in einen (noch) engeren Zusammenhang zu stellen. Die Integration der beiden Bereiche soll betont und deutlich gemacht werden auch durch eine Umbenennung der Parallelseminare aus diesen beiden Bereichen in „Geschichte und Theorie“ oder „Theorie und Geschichte“. Inhaltlich kann allerdings auch der Bereich Ethik nicht ausgeblendet werden: Das Thema Medizin im Nationalsozialismus kann kaum ohne Bezüge zur Ethik unterrichtet werden, eine Diskussion des Menschenversuchs muss vertieft werden durch Elemente aus der Geschichte der Bakteriologie und durch die theoretische Überlegungen zu einer naturwissenschaftlich orientierten Medizin. Wir haben mittlerweile einige Beispiele ausgemacht, an denen die Zusammenschau der Bereiche gut vermittelbar ist. Hierüber wünschen wir uns fachinternen Austausch.

Nun zur Methode: In den Geschichte- und Theorieseminaren wurden bisher – auf der Grundlage von zuvor zur Verfügung gestellten Texten – neben Darstellungen durch die DozentInnen mit Plenardiskussion vor allem Gruppenarbeit mit Ergebnispräsentation durch die Studierenden als Methode eingesetzt, wobei auch Bildbeschreibungen durchgeführt wurden. Als neue Methode möchten wir im kommenden Semester die „Faction“ erproben. Diese aus der Literatur stammende Vorgehensweise, bei der aus historischen „facts“ literarische „fiction“ entsteht, könnte auch für Unterrichtszwecke fruchtbar gemacht werden. Die Studierenden sollen selbst kurze Texte produzieren, die auf von uns zur Verfügung gestellten und zuvor durchgesprochenen historischen oder theoretischen Quellentexten beruhen. Die Studierenden sollen beim Schreiben jeweils bestimmte Perspektiven einnehmen, Beispiele könnten der Brief einer Frau an ihre Freundin, in dem über die Vaccination der Kinder berichtet wird, oder ein Brief von Galen an einen seiner Schüler sein, in dem dieser seine theoretischen Grundannahmen darlegt. Durch den Perspektivwechsel, besonders auch durch den Gebrauch der Ich-Form in den Briefen, erhoffen wir uns neue Impulse in Unterricht und einen lebendigeren bezug zu Geschichte und Theorie.