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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)

16.11. - 18.11.2007, Hannover

Problemorientiertes Lernen (POL) als Blended Learning: erste Evaluationsergebnisse zu einem Pilotprojekt im Aachener Modellstudiengang Medizin

Problem based learning (PBL) as Blended Learning: first evaluation results for a pilot project in the new Aachen medical curriculum

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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung - GMA. Hannover, 16.-18.11.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07gma53

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gma2007/07gma053.shtml

Veröffentlicht: 14. November 2007

© 2007 Woltering et al.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielf&aauml;ltigt, verbreitet und &oauml;ffentlich zug&aauml;nglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Gliederung

Text

Ziel: Das Problemorientierte Lernen (POL) ist als didaktisches Format in der medizinischen Ausbildung seit langem etabliert. Neben seinen Vorteilen zeigen sich auch spezifische Grenzen und Probleme [1], [2]. Die Gewährleistung einer angemessenen POL-Betreuung gehört hierzu. Um das POL zu verbessern und insbesondere die Motivation der Studenten zu fördern, wurde eine internetbasierte Lernumgebung zur Unterstützung des POL entwickelt. Sie soll mit seinem anschaulichen und realitätsnahen Aufbau das Interesse der Studenten wecken, ihre Motivation fördern und sich dadurch positiv auf den Lernprozess und die Zufriedenheit mit dem POL auswirken. Das Programm versteht sich dabei im Rahmen des Blended Learning als Ergänzung zum POL in Gruppen mit einem Tutor.

Methoden: Blended Learning ist die didaktisch abgestimmte Kombination computerbasierter Lehr- und Lernangebote mit Präsenzveranstaltungen. Angelehnt an die didaktischen Lernkonzepte des POL wurde in einer kooperativen Zusammenarbeit einer Studentengruppe mit Lehrenden nach neuen Wegen zur Gestaltung des POL als Blended Learning gesucht und für einen ersten Fall zum Themengebiet „Wachstum“ umgesetzt. Das Konzept sieht vor, dass die Studenten den ersten Termin in der Gruppe mit Hilfe des Programms – jedoch ohne einen Tutor – und den zweiten Termin mit dem Programm und der zusätzlichen Unterstützung durch einen Tutor durchführen.

Die ca. 230 Studenten des 6. Semesters im Aachener Modellstudiengang Medizin wurden in zwei Gruppen aufgeteilt, von denen eine den POL-Fall konventionell (d.h. ohne die Nutzung des Programms) und eine weitere auf Basis des Blended Learning Ansatzes löste. Die Evaluation beinhaltet die Kombination quantitativer und qualitativer Methoden. Quantitative Daten wurden über einen Fragebogen und Systemlogs zum Nutzerverhalten, erhoben. Zusätzlich können Klausurergebnisse gegenübergestellt werden. Qualitative Daten stammen aus Feedbackrunden und Freitextantworten.

Ergebnisse: Das Programm wurde im Sommersemester 2007 erstmalig im regulären Unterricht eingesetzt. Die Evaluation ist noch nicht abgeschlossen, insbesondere stehen die Klausurergebnisse noch aus. Erste Auswertungen der Evaluationsdaten zeigen eine positive Bewertung des Programms durch die Studenten. (Der Aussage „Ich würde gerne eine ähnlich aufgebaute Veranstaltung besuchen.“ stimmen 45,7% der Studenten mit Blended Learning Falllösung und 9,5% der Studenten mit konventioneller Falllösung voll zu).

Diskussion: Weltweit wird POL in medizinische Curricula eingebaut und ist seit vielen Jahren eine etablierte Komponente der medizinischen Ausbildung [1]. Blended Learning spielt in der universitären Lehre eine zunehmend größere Rolle [3], [4].

Bisher wurden beide didaktische Konzepte jedoch kaum miteinander kombiniert.

Um diese Lücke zu füllen, wurde das vorgestellte Programm entwickelt. Es zielt darauf ab, die Studenten beim anwesenheitspflichtigen POL zu unterstützen. Dazu schafft es realitätsnahe und anschauliche Fallszenarien, ermöglicht eine budgetierte Diagnostik und stellt ein Whiteboard zum Sammeln der Ergebnisse und Austausch untereinander, Zusatzmaterialien sowie einen Selbsttest zur Verfügung und bietet so umfassendere Informationen zum Fall als die konventionelle Methode. Ein zentraler Aspekt des in Aachen verfolgten Ansatzes ist die konsequente Beteiligung der Studierenden an der (Weiter-) Entwicklung der POL Unterstützung im Rahmen eines individuellen Qualifikationsprofils „Neue Medien, Kommunikation, Didaktik“ [5]. Als Konsequenz aus den sich abzeichnenden positiven Evaluationsergebnisse, erfolgt ein Ausbau des Fallangebots.


Literatur

1.
Albanesse M A, Mitchell S. Problem-based learning: a review of literature on its outcomes and implementation issues. Acad Med. 1993;68(1):52-81.
2.
Hoffmann B, Ritchie D. Using multimedia to overcome the problems with problem-based learning. Instr Sci. 1997;25(2):97-115.
3.
Sharpe R, Benfield G, Roberts G, Francis R. The undergraduate experience of blended learning: a review of UK literature and research. York (UK): The Higher Education Academy; 2006. http://www.heacademy.ac.uk/4884.htm
4.
Voos R. Blended Learning – What is it and where might it take us? Sloan-C View. 2003;2(1):3-5.
5.
Spreckelsen C, Classen-Linke I, Baumann M, Herrler A, Ohnesorge-Radtke U, Rotgans J, Spitzer K, Weßel C. "Neue Medien, Kommunikation, Didaktik in der Medizin“: ein Curriculum für Studierende der Humanmedizin. Abstract zur Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung - GMA. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2006. Doc06gma108. Zugänglich unter: http://www.egms.de/en/meetings/gma2006/06gma108.shtml.