gms | German Medical Science

Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)

16.11. - 18.11.2007, Hannover

Kommunikation in der Palliativsituation: Ein Trainingskonzept mit standardisierten Patienten

Communication in a palliative setting: A trainig programm with standardized patients

Poster

  • corresponding author Birgitt van Oorschot - Klinik und Universitätsklinikum Würzburg, Poliklinik für Strahlentherapie, Würzburg, Deutschland
  • Silke Neuderth - Universität Würzburg, Institut für Psychotherapie und Medizinische Psychologie, Würzburg, Deutschland
  • Corinna Peath - Universität Würzburg, Institut für Psychotherapie und Medizinische Psychologie, Würzburg, Deutschland
  • Andreas Bepperling - Universität Würzburg, Institut für Psychotherapie und Medizinische Psychologie, Würzburg, Deutschland
  • Michael Flentje - Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie, Universitätsklinikum Würzburg, Würzburg, Germany
  • Hermann Faller - Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie, Universitätsklinikum Würzburg, Würzburg, Germany

Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung - GMA. Hannover, 16.-18.11.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07gma30

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gma2007/07gma030.shtml

Veröffentlicht: 14. November 2007

© 2007 van Oorschot et al.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielf&aauml;ltigt, verbreitet und &oauml;ffentlich zug&aauml;nglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Gliederung

Text

Viele Studien (z. B. [1], [2], [3], [4]) belegen, dass Studierende durch den Einsatz standardisierter Patienten (geschulte Laienschauspieler) auf den Umgang mit schwierigen realen Gesprächssituationen vorbereitet werden können. Das Vorgehen erscheint geeignet, die Kommunikationsfähigkeit zu verbessern und eine realistische Selbstwahrnehmung der angehenden Ärzte zu fördern.

An der Universität Würzburg wurden im Sommersemester 2007 erstmals standardisierte Patienten für ein „Kommunikationstraining Palliativsituation“ ausgebildet und im Rahmen der Seminarreihe „Interdisziplinäre Onkologie eingesetzt. Das Training richtet sich als Pflichtveranstaltung an Studierende im 7. Fachsemester Humanmedizin. Ziele des Trainings sind die Verbesserung der Kommunikation in der Palliativsituation sowie eine Sensibilisierung der Studierenden hinsichtlich der Bedürfnisse von Patienten sowie eigener Stärken und Schwächen im Gesprächsverhalten. In der 90-minütigen Trainingseinheit wird zunächst ein Leitfaden zum Überbringen schlechter Nachrichten vorgestellt (SPIKES-Modell, Baile, 2000). Im Anschluss daran werden Rollenspiele durchgeführt, wobei die Studierenden in Kleingruppen (3-4 Personen) das Überbringen einer schlechten Nachricht üben. Die Patientenrollen werden dabei von geschulten Laienschauspielern übernommen. Über den Einsatz von Beobachterchecklisten und ein strukturiertes Feedback durch den Schauspieler sowie die Beobachter des Rollenspiels soll eine nachhaltige Lernerfahrung ermöglicht werden.

Um den Nutzen sowie möglichen Modifikationsbedarf des Kommunikationstrainings zu erfassen, wurden alle teilnehmenden Studierenden direkt im Anschluss an die Veranstaltung mit einem Evaluationsbogen befragt. Zum aktuellen Zeitpunkt liegen n = 98 Fragebögen vor (60% der Studierenden sind weiblich, das mittlere Alter liegt bei 23 Jahren; 30% der Studierenden hatten im Rollenspiel die Möglichkeit, die Arztrolle zu übernehmen). In der Zwischenauswertung zeigt sich, dass sich die Studierenden durch das Training besser in der Lage fühlen, eine schlechte Nachricht zu überbringen (88% Zustimmung), ehrlich mit Patienten zu reden, ohne deren Hoffnung zu zerstören (Zustimmung 71%) und Patienten in Entscheidungen einzubeziehen (Zustimmung 58%). Die Rollenspiele mit standardisierten Patienten wurden im Mittel als gut bis sehr gut bewertet (M=1,6 auf einer Schulnotenskala); ebenso das Feedback durch Schauspieler und Kursteilnehmer (M=1,8 bzw. M=1,9 auf einer Schulnotenskala). 84% der Teilnehmer geben an, das Seminar als hilfreich für ihre spätere Tätigkeit zu empfinden, und 90% würden es weiterempfehlen. Ebenfalls 90% sprechen sich dafür aus, das Seminar als Bestandteil des Pflichtcurriculums beizubehalten.

Die Evaluation erbrachte Hinweise für eine Weiterentwicklung des Seminarkonzepts. So wird aktuell geprüft, ob die Fallkonstellationen den Teilnehmern schon im Vorfeld zur Verfügung gestellt werden können, um mehr Zeit für die Rollenspiele zu gewinnen und es damit einem größeren Anteil der Studierenden zu ermöglichen, die Arztrolle zu übernehmen. Auch soll dem Umgang mit emotionalen Reaktionen von Patienten (z. B. Weinen oder Wut) in Zukunft ein größerer Stellenwert beigemessen werden.


Literatur

1.
Jünger J, Schäfer S, Roth C, Schellberg D, Friedmann Ben-David M, Nikendei C. Effects of basic clinical skills training on objective structured clinical examination performance. Med Educ. 2005;39(10):1015-1020.
2.
Nikendei C, Schilling T, Nawroth P, Hensel M, Ho AD, Schwenger V, Zeier M, Herzog W, Schellberg D, Katus HA, Dengler T, Stremmel W, MÜller M, Jünger J. Integriertes Skills-Lab-Konzept für die studentische Ausbildung in der Inneren Medizin. Dtsch Med Wochenschr. 2005;130(18):1133-1138.
3.
Schildmann J, Härlein J, Buchardi N, Schlögl M, Vollmann J. Die Aufklärung schwer kranker Patienten im interprofessionellen Kontext: Ein Lehrprojekt für Medizinstudenten und Krankenpflegeschüler. GMS Z Med Ausbild. 2006;23(4):Doc67.
4.
Simmenroth-Nayda A, Chenot JF, Fischer T, Scherer M, Stanske B, Kochen MM. Mit Laienschauspielern das ärztliche Gespräch trainieren. Dtsch Arztebl. 2007;104(13):749-751.