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19. Jahrestagung der Gesellschaft für Arzneimittelanwendungsforschung und Arzneimittelepidemiologie (GAA)

Gesellschaft für Arzneimittelforschung und Arzneimittelepidemiologie

22.11. - 23.11.2012, Jena

Einsatz von medizinischen Gasen in nordrhein-westfälischen Krankenhäusern

Meeting Abstract

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Gesellschaft für Arzneimittelanwendungsforschung und Arzneimittelepidemiologie e.V. (GAA). 19. Jahrestagung der Gesellschaft für Arzneimittelanwendungsforschung und Arzneimittelepidemiologie. Jena, 22.-23.11.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12gaa09

DOI: 10.3205/12gaa09, URN: urn:nbn:de:0183-12gaa094

Veröffentlicht: 14. November 2012

© 2012 Wessel.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Ein auch für (Amts-)Apotheker eher exotisches, im medizinischen Alltag aber unverzichtbares Segment der Arzneimittel stellen die medizinischen Gase dar. Seit dem Jahr 2000 liegen Monografien im Europäischen Arzneibuch für verschiedene Gase und Gasgemische vor und sind entsprechende Fertigarzneimittel zugelassen.

In welcher Art und Weise medizinische Gase in nordrhein-westfälischen Krankenhäusern eingesetzt werden, war bisher unklar, da lediglich Ergebnisse von vereinzelten Inspektionen vorlagen.

Material und Methoden: Im Mai 2011 wurde daher ein Fragebogen entwickelt, der von interessierten Amtsapotheker/Innen in NRW für eine erste Bestandsaufnahme zum Thema an Krankenhäuser verschickt werden konnte. Nach Beantwortung konnten diese Fragebögen zwecks anonymer, landesweiter Auswertung im Rahmen eines sozialpharmazeutischen Projekts an das Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen (lzg.nrw) weitergeleitet werden. Insgesamt konnten 187 Fragebögen aus 22 kreisfreien Städten und Kreisen ausgewertet werden, was bei rund 405 Betriebsstätten (Krankenhäuser) in NRW insgesamt einer Rücklaufquote von 46% entspricht. Hinzu kommen 16 Bögen, die nach einer Inspektion der entsprechenden Betriebsstätten durch den Inspektor selber ausgefüllt wurden und nicht in die hiesige Bewertung übernommen wurden, da bereits eine erste Auswertung in einigen Fragestellungen deutliche Abweichungen von den übrigen Ergebnissen ergab. Insgesamt wurden 49 Fragen gestellt, die durch die betroffenen Einrichtungen beantwortet werden sollten. Überwiegend waren es Ja/Nein-Fragen, in 7 Fällen waren umfangreichere Antworten möglich.

Ergebnisse: Überwiegend sind die Produktions- und Lagerstandorte der med. Gase durch die Krankenhäuser erfasst (93%), den versorgenden Apotheken bekannt (87%) und werden regelmäßig kontrolliert (in 79% der Meldebögen mindestens jährlich).

Eine besondere Bedeutung hat die medizinische (Druck-) Luft, die meist eigenverantwortlich mit Hilfe von Kompressoren hergestellt wird (90%). Eine regelmäßige Wartung dieser Anlagen wurde in allen Fällen bejaht. Allerdings wurde eine Qualifizierung des Anlagedesigns nur in 65% der Fälle durchgeführt.

Der technische Betrieb (Zustand der Anlagen, Wartung) entspricht sehr häufig den Vorgaben. Die erfassten Parameter liegen sehr häufig innerhalb der Arzneibuch-Grenzwerte. Allerdings gab es bei rund 20% der Einrichtungen Abweichungen von den Grenzwerten in den letzten 12 Monaten, wobei Häufigkeit und Schwere der Abweichungen nicht erfasst wurden. Immerhin bereits 42% der Einrichtungen messen kontinuierlich Spezifikationen. Die Gestaltung der Räumlichkeiten (Abtrennung, Sauberkeit) und auch die Luftansaugung entsprechen überwiegend den Erwartungen. Die Einbindung der Apotheke ist zwar häufig formal vollzogen, oft aber noch nicht ausreichend. So wird zwar zu 99% bei Störungen der Anlage ein Alarm an die Technikzentrale gegeben, allerdings wird hierüber die Apotheke nur in 42% der Meldebögen informiert. Auch Wartungsunterlagen und Prüfzertifikate werden der Apotheke nur in 71% zur Verfügung gestellt. Auch überprüft die Apotheke nur in 16% der Fälle selbst die Einhaltung der Spezifikationen an der Anlage. In 74% der Fälle werden regelmäßig Messungen an Entnahmestellen durchgeführt. Eine mikrobielle Beprobung erfolgte in rund 3% der Fälle.

Schlussfolgerung: Die vorliegenden Daten beruhen auf den Selbsteinschätzungen der befragten Einrichtungen. Abweichende Beurteilungen anlässlich bei einer Inspektion sind möglich und bedürfen noch einer näheren Betrachtung, da auch 16 Meldebögen aus einer externen Beurteilung vorliegen. Bereits die Durchführung der Befragung hat zu einer deutlich erhöhten Aufmerksamkeit seitens der Krankenhäusern geführt. Die Ergebnisse der Befragung zeigen, dass insbesondere die technischen Aspekte wie Räume, Wartung und Alarmierung häufig zufriedenstellend gelöst sind. Dagegen ist die Einbindung der versorgenden Apotheken häufig noch nicht ausreichend realisiert. Hier muss die Überwachung noch verstärkt Hilfestellung geben, um die Einhaltung von arzneimittel- bzw. apothekenrechtlichen Standards auch für diesen Bereich des Umgangs mit und der Herstellung von Arzneimitteln sicherzustellen.