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Forum Medizin 21, 45. Kongress für Allgemeinmedizin und Familienmedizin

Paracelsus Medizinische Privatuniversität in Zusammenarbeit mit der Deutschen, Österreichischen und Südtiroler Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin

22.09. - 24.09.2011, Salzburg, Österreich

Das Forschungspraxennetz als Basis hausärztlicher Forschung – eine Fokusgruppenanalyse

Meeting Abstract

45. Kongress für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, Forum Medizin 21. Salzburg, 22.-24.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11fom191

DOI: 10.3205/11fom191, URN: urn:nbn:de:0183-11fom1915

Veröffentlicht: 14. September 2011

© 2011 Bleidorn et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Für primärmedizinische Forschung aus dem Alltags-Betrieb heraus sind praxisbasierte Forschungsnetzwerke international erfolgreich erprobt [1], [2], [3], [4]. Um Forschung in deutschen hausärztlichen Praxen zu optimieren und permanent zu etablieren, beabsichtigt das Institut für Allgemeinmedizin der MHH (amhh) den Aufbau eines Forschungspraxennetzes mit den Schwerpunkten Projektpraxen, Prüfpraxen und primärdatensammelnde Beobachtungspraxen. In Fokusgruppen wurden von Hausärzten Stellungnahmen zur zukünftigen Mitarbeit und Akzeptanz erarbeitet.

Material und Methoden: Hausärzte unterschiedlichen Hintergrunds wurden in zwei Fokusgruppen leitfadengestützt befragt und zur Diskussion miteinander angeregt.

Input: Vorstellungen seitens amhh zu einem Forschungspraxennetz. Simultanes Video- und Audio-Recording, nachfolgend sequentielle Auswertung unter Nutzung von Mapping-Verfahren [5]. Orientierende Intention, deshalb zunächst zwei Fokusgruppen.

Ergebnisse: Zwei Fokusgruppen mit fünf bzw. acht Hausärzten, davon insgesamt fünf weiblich, aus Hannover-Land fanden im März und April 2010 statt. Dauer der Niederlassung drei bis 22 Jahre; zwei Hausärzte im Angestelltenstatus, eine Assistentin in der Weiterbildung.

Die teilnehmenden Hausärzte zeigten großes Interesse an engerer Zusammenarbeit bei hausärztlicher Forschung. Das aus früherer Zusammenarbeit gewachsene Vertrauen wurde als wichtige Basis benannt.

Zur Teilnahme an versorgungsnahen Forschungsprojekten motiviere neben dem Wunsch nach Standortbestimmung die Erwartung, zum Gewinnen von Evidenz mit praktischer Relevanz beitragen zu können, Neues kennenzulernen, aber auch Rückmeldung über die eigene Arbeit zu erhalten. Voraussetzung sei neben guter bidirektionaler Kommunikation (z.B. mittels persönlicher Treffen oder internetbasierter Foren) die klare und abschließende Beschreibung der erwarteten Belastung sowie minimale Störung des Praxisbetriebes, später die zeitnahe Rückmeldung von Ergebnissen. Frühzeitiges Einbeziehen der Praxen in Planung und Umsetzung von Projektideen wurde als sinnvoll für die Machbarkeit eines Forschungsprojektes erachtet. Eine dem tatsächlichen Aufwand entsprechende Aufwandsentschädigung sei für die Teilnahmebereitschaft an Forschungsprojekten insbesondere für Einzelpraxen wichtig. Grundsätzliche Bedenken oder Ablehnung gegenüber einem strukturierten Forschungspraxennetz wurden nicht formuliert.

Schlussfolgerung/Implikation: Grundsätzliche Bedenken oder Ablehnung eines Forschungspraxennetzes drückten die Teilnehmer der Fokusgruppen nicht aus. Das aus früherer Zusammenarbeit mit dem Institut für Allgemeinmedizin gewachsene Vertrauen wurde als wichtige Basis herausgestellt.

Geeignete frühzeitige Einbindung, bidirektionale Kommunikation, klare und abschließende Beschreibung der erwarteten Belastung sowie minimale Störung des Praxisbetriebes benannten die teilnehmenden Hausärzte als essentiell in einem Forschungspraxennetz.

Es ist angezeigt, eine Pilotphase des Forschungspraxennetzes unter Berücksichtigung dieser Fokusgruppenergebnisse zu starten.


Literatur

1.
Sloane PD, Dolor RJ, Halladay J. Increasing the Role of Practice Networks in Medical Research. J Amer Board Fam Med. 2009;22(4):348-51.
2.
Pace WD, Cifuentes M, Valuck RJ, Staton EW, Brandt EC, West DR. An Electronic Practice-Based Network for Observational Comparative Effectiveness Research. Ann Intern Med. 2009;151(5):1-4.
3.
Mallen C. Crisis? What Crisis? The need to develop academic capacity in general practice. Eur J Gen Pract. 2010;16:201-2.
4.
Pelz C, Schmitt A, Meis M. Knowledge Mapping als Methode zur Auswertung und Ergebnispräsentation von Fokusgruppen in der Markt- und Evaluationsforschung. FQS. 2004;5(2):Art.35. Available from: http://www.qualitative-research.net/index.php/fqs/article/view/601/1304 Externer Link
5.
Burgess-Allen J, Owen-Smith V. Using mind mapping techniques for rapid qualitative data analysis in public participation processes. Health Expectations. 2010;13(4):406-15.