gms | German Medical Science

Forum Medizin 21, 45. Kongress für Allgemeinmedizin und Familienmedizin

Paracelsus Medizinische Privatuniversität in Zusammenarbeit mit der Deutschen, Österreichischen und Südtiroler Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin

22.09. - 24.09.2011, Salzburg, Österreich

Polypharmazie und der Einsatz ungeeigneter Medikamente in der hausärztlichen Versorgung – eine Sekundäranalyse der AgeCoDe-Studie

Meeting Abstract

45. Kongress für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, Forum Medizin 21. Salzburg, 22.-24.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11fom008

DOI: 10.3205/11fom008, URN: urn:nbn:de:0183-11fom0084

Veröffentlicht: 14. September 2011
Veröffentlicht mit Erratum: 28. September 2011

© 2011 Zimmermann et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Höheres Lebensalter geht mit erhöhter Morbidität und erhöhtem Medikamentenkonsum einher. Polypharmazie wiederum birgt gerade für ältere Menschen viele Risiken. Inzwischen existiert neben der Beers-Liste potenziell inadäquater Medikamente (PIM) für Ältere eine deutsche Adaptation, die PRISCUS-Liste. Im Rahmen der „German Study on Ageing, Cognition and Dementia in primary care patients“ (AgeCoDe) analysieren wir den Langzeitverlauf des Medikamentkonsums und den Einsatz der Wirkstoffe anhand der genannten PIM-Listen: Wie entwickelt sich die eingenommene Menge an Medikamenten über einen Zeitraum von über vier Jahren? Welche Wirkstoffe der PIM-Listen kommen zum Einsatz?

Material und Methoden: 3.327 Hausarzt-Patient/innen ohne Demenz, zur Baseline zwischen 75 und 89 Jahre alt, wurden bei Hausbesuchen im Abstand von 18 Monaten detailliert nach den Medikamenten befragt, die sie regelmäßig und bei Bedarf einnehmen. Für 1.942 Patienten liegen vollständige Medikamentenanamnesen zur Baseline und zum Follow-Up 3 vor, bei einer Beobachtungszeit von 4,5 Jahren. Wir beschreiben die Veränderungen in der Medikamenteinnahme und vergleichen die Entwicklung derjenigen, die zur Baseline mehr als 5 bzw. mehr als 7 sowie Medikamente aus den PIM-Listen eingenommen haben. Mittels multivariater Modelle ermitteln wir Faktoren für die Veränderung der Medikamenteneinnahme.

Ergebnisse: Die mittlere Einnahme rezeptpflichtiger Medikamente erhöhte sich von durchschnittlich 3,4 auf 4,8 pro Patient. Anfänglich nahmen 95,0% der Patient/innen mindestens ein verschreibungspflichtiges Medikament, nach 4,5 Jahren stieg der Anteil auf 97,7%. Der Anteil derjenigen, die zur Baseline 5 und mehr Medikamente einnahmen, stieg von 26,1% der Population auf 47,8%. Der Anteil derer, die 7 und mehr Medikamente einnehmen, stieg über 4,5 Jahre von 9,8% auf 24,4%.

Schlussfolgerung/Implikation: Für Hausärzte mit vielen Patienten im höheren Lebensalter bedeutet eine solche Entwicklung eine erhöhte Vorsorgenotwendigkeit, denn das Risiko für unerwünschte Wirkungen steigt mit jedem weiteren Medikament. Die Daten zur Beantwortung der Frage, inwieweit die Verordnung von PIM ebenso steigt wie die Medikation allgemein, liegen vor und werden gegenwärtig analysiert. Etwaige Risikofaktoren für die zunehmende Medikamenteneinnahme werden auf der DEGAM-Tagung vorgestellt.


Erratum

Aufgrund eines Zuordnungsfehler wurden die Zahlen für die mittlere Anzahl der rezeptpflichtigen Medikamente und die Anteile der Patienten mit mindestens einem, 5 und mehr sowie 7 und mehr rezeptpflichtigen Medikamenten bei der Erstpublikation im Abschnitt Ergebnisse falsch angegeben.