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Komplexe Interventionen – Entwicklung durch Austausch: 13. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin

Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e. V.

15.03. - 17.03.2012, Hamburg

Ist die breite Informationsversorgung eine Illusion?

Meeting Abstract

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Komplexe Interventionen – Entwicklung durch Austausch. 13. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin. Hamburg, 15.-17.03.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12ebm105

DOI: 10.3205/12ebm105, URN: urn:nbn:de:0183-12ebm1057

Veröffentlicht: 5. März 2012

© 2012 Riegler.
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Gliederung

Text

Einleitung: Die Forderung, evidenzbasierte Patienteninformationen müssen einfach und leicht verständlich angeboten werden, ist berechtigt. Erhebungen zeigen aber, dass vorhandene Angebote, in Papierform oder digital im Internet, vor allem von bildungsfernen Schichten oft nicht oder nur teilweise verstanden werden.

Methodik: Gesucht wurde nach Daten, die darüber Auskunft geben, wie verständlich angebotene Gesundheitsinformationen in Österreich sind und welche Instrumente vorhanden sind, um die Verständlichkeit zu überprüfen.

Ergebnisse: Es konnten keine relevanten Ergebnisse darüber gefunden werden, wie verständlich der deutschsprachigen Bevölkerung vorhandene gesundheitsrelevante Informationen sind. Instrumente wie die Wiener Sachtextformel oder DISCERN sind als Messinstrumente nur bedingt zur Überprüfung geeignet. Der zurzeit stattfindende Health Literacy Survey in Europa [1] wird vermutlich erstmals aufzeigen können, dass beachtliche Defizite in der Bevölkerung in Bezug auf das Verständnis vorhanden sind.

Schlussfolgerung: Unterschiedliche Bildungsniveaus in der Bevölkerung verlangen auch nach unterschiedlich komplex gestalteten Informationen. Bestehende Forderungen und der Glaube, dass vorhandene Angebote die Vorgaben ausreichend erfüllen, entsprechen nicht der Realität. Um das System zu verbessern, braucht es für den deutschen Sprachgebrauch geeignete Instrumente zur Bewertung von Texten, ähnlich REALM oder WRAT [2]. Qualitativ hochwertige Texte mit geringen Anforderungen an das Sprachverständnis sollten dann in Anlehnung an ein Ampelsystem gekennzeichnet sein. Menschen mit Migrationshintergrund, Kinder/Jugendliche und andere Leser wird auf diese Weise signalisiert, dass vorhandene Angebote für diese Zielgruppen konzipiert wurden.


Literatur

1.
HLS-EU. 2011. http://inthealth.eu/research/health-literacy-hls-eu/
2.
Andrus MR, Roth MT. Health Literacy. A Review. Pharmacotherapy. 2002;22(3):282–302.