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Komplexe Interventionen – Entwicklung durch Austausch: 13. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin

Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e. V.

15.03. - 17.03.2012, Hamburg

Sind systematische Cochrane-Übersichten für den Zahnarzt von Nutzen?

Meeting Abstract

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Komplexe Interventionen – Entwicklung durch Austausch. 13. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin. Hamburg, 15.-17.03.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12ebm019

DOI: 10.3205/12ebm019, URN: urn:nbn:de:0183-12ebm0195

Veröffentlicht: 5. März 2012

© 2012 Türp.
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Gliederung

Text

Hintergrund und Fragestellung: Der evidenzbasiert handelnde Zahnarzt wird nicht selten mit dem Phänomen konfrontiert, dass „beim Zurateziehen von Meta-Analysen oder systematischen Übersichten (über therapeutische Interventionen) der wenig hilfreiche stereotype Schlusssatz zu finden ist: Ergebnisse unschlüssig, Studienqualitäten zu heterogen. Weiter multizentrische randomisierte kontrollierte Studien sind vonnöten“ [1]. Daher stellt sich die Frage, in welchem Ausmaß die von der Cochrane Collaboration erstellten systematischen Übersichten (SÜ) zu zahnmedizinischen Therapien von solch „wenig hilfreichen“ Schlussfolgerungen betroffen sind.

Material/Methoden: Auf der Webseite der Cochrane Oral Health Group wurden am 22.11.2011 die publizierten Aktualisierungen der vorhandenen SÜ identifiziert. In den Volltexten wurden die strukturierte Zusammenfassung gelesen und die Schlussfolgerungen der Autoren sowie die „Zusammenfassung in Klartext“ inhaltlich auf das Vorhandensein von Handlungsempfehlungen überprüft. Bei klinischen Empfehlungen wurde unterschieden, ob sie anhand „starker“ (RCTs guter Qualität) oder „schwacher“ Evidenz (unterhalb des Niveaus methodisch „guter“ RCTs, aber oberhalb der Evidenzstufe V) ausgesprochen worden waren.

Ergebnisse: Drei der 35 vorhandenen aktualisierten SÜ geben Handlungsempfehlungen hoher Evidenzstufe [2], [3], [4]. In 20 SÜ werden Empfehlungen auf schwachem Evidenzniveau gegeben. Die restlichen 12 SÜ sprechen keine Empfehlungen aus. Qualitätsbezogene Anmerkungen finden sich in 25 SÜ.

Schlussfolgerung: Ein Drittel der untersuchten SÜ sind für den Zahnarzt ohne praktischen Nutzen. Dass ein Teil der SÜ mehr Wert auf Empfehlungen zur Methodik als zur derzeit besten Therapie zu legen scheint, deutet darauf hin, dass für einen Teil der ‒ in einem erstaunlich hohen Ausmaß „fachfremden“ zahnärztlichen und nicht-zahnärztlich tätigen ‒ Autoren die Hauptadressaten ihrer Analysen nicht Zahnärzte sind, sondern vielmehr Forscher, die sich in Studien klinischen Fragestellungen widmen.


Literatur

1.
Schindler HJ. Evidenz-basierte Zahnmedizin: Chimäre oder hilfreiches Konzept für den Praktiker? Dtsch Zahnärztl Z. 2006;61:59-60.
2.
Ahovuo-Saloranta A, Hiiri A, Nordblad A, Makela M, Worthington HV. Pit and fissure sealants for preventing dental decay in the permanent teeth of children and adolescents. Cochrane Database Syst Rev. 2008:CD001830.
3.
Clarkson JE, Worthington HV, Eden OB. Interventions for preventing oral candidiasis for patients with cancer receiving treatment. Cochrane Database Syst Rev. 2007:CD003807.
4.
Robinson PG, Deacon SA, Deery C, Heanue M, Walmsley AD, Worthington HV, Glenny AM, Shaw WC. Manual versus powered toothbrushing for oral health. Cochrane Database Syst Rev. 2005:CD002281.