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EbM & Individualisierte Medizin
12. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin

Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e. V.

24.03. - 26.03.2011, Berlin

Kosteneffektivität des HPV-basierten Primärscreenings in der Zervixkarzinomfrüherkennung in Deutschland. Eine Entscheidungsanalyse im Rahmen von HTA

Meeting Abstract

  • corresponding author presenting/speaker Gaby Sroczynski - Department of Public Health, Information Systems and Health Technology Assessment, UMIT - University for Health Sciences, Medical Informatics and Technology, Hall i. T., Österreich
  • author Petra Schnell-Inderst - Department of Public Health, Information Systems and Health Technology Assessment, UMIT - University for Health Sciences, Medical Informatics and Technology, Hall i. T., Österreich
  • author Nikolai Mühlberger - Department of Public Health, Information Systems and Health Technology Assessment, UMIT - University for Health Sciences, Medical Informatics and Technology, Hall i. T., Österreich
  • author Katharina Lang - CAREM GmbH, Sauerlach, Deutschland
  • author Pamela Aidelsburger - CAREM GmbH, Sauerlach, Deutschland
  • author Jürgen Wasem - Lehrstuhl für Medizin-Management, Universität Duisburg-Essen, Essen, Deutschland
  • author Thomas Mittendorf - Institut f. Gesundheitsökonomie, Universität Hannover, Deutschland
  • author Jutta Engel - Tumorregister München des Tumorzentrums München, Institut für med. Informationsverarbeitung, Biometrie und Epidemiologie, Ludwig-Maximilians-Universität München, Deutschland
  • author Peter Hillemanns - Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Medizinische Hochschule Hannover, Deutschland
  • author Karl-Ulrich Petry - Frauenklinik, Klinikum der Stadt Wolfsburg, Akademisches Lehrkrankenhaus der Medizinischen Hochschule Hannover, Deutschland
  • author Alexander Krämer - School of Public Health, Fakultät f. Gesundheitswissenschaften, Universität Bielefeld, Deutschland
  • author Uwe Siebert - Department of Public Health, Information Systems and Health Technology Assessment, UMIT - University for Health Sciences, Medical Informatics and Technology, Hall i. T., Österreich

EbM & Individualisierte Medizin. 12. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin. Berlin, 24.-26.03.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11ebm46

DOI: 10.3205/11ebm46, URN: urn:nbn:de:0183-11ebm462

Veröffentlicht: 23. März 2011

© 2011 Sroczynski et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Der HPV-Test erzielte in Studien eine höhere Sensitivität jedoch geringere Spezifität als die aktuell eingesetzte Zytologie. Ziel dieses vom DIMDI in Auftrag gegebenen HTA ist eine systematische Evaluation der Langzeiteffektivität und Kosteneffektivität des HPV-basierten Zervixkarzinom-Primärscreenings in Deutschland.

Material/Methoden: Es wurde ein Markov-Modell für den natürlichen Verlauf der Zervixkarzinomentwicklung für den Kontext des deutschen Gesundheitssystems entwickelt und validiert. Screeningstrategien mit Zytologie allein, HPV-Test allein, HPV-Test in Kombination mit Zytologie oder mit zytologischer Triage von HPV-positiven Frauen in unterschiedlichen Screeningintervallen wurden untersucht. In das Modell gingen deutsche epidemiologische, klinische und ökonomische Daten sowie Daten zur Testgüte aus internationalen Metaanalysen ein. Zielparameter der Analysen waren die Reduktion von Zervixkrebs/-mortalität, Restlebenserwartung und das diskontierte inkrementelle Kosteneffektivitätsverhältnis (IKEV). Die Kostenträgerperspektive wurde gewählt und 3% jährliche Diskontrate.

Ergebnisse: HPV-basiertes Screening war effektiver als die Zytologie (71%–97% versus 53%–80% Zervixkrebsreduktion, je nach Screeningintervall). Die IKEV lagen zwischen 2.600 Euro/Lebensjahr (LJ) (Zytologie allein ab 20J, 5J-Intervall) und 155.500 Euro/LJ (HPV-Screening ab 30J, Zytologie 20J–29J, 1J-Intervall). Jährliche Zytologie, wie in Deutschland empfohlen, wurde von HPV-Screening dominiert. HPV-Screening ab 30J (Zytologie 20J–29J) alle 2J war kostengünstiger und gleich effektiv. Die Erhöhung des Alters für den Screeningbeginn auf 25J hatte keinen relevanten Effektivitätsverlust zur Folge, reduzierte aber den Ressourcenverbrauch.

Schlussfolgerung/Implikation: Basierend auf diesen Modellergebnissen ist das HPV-basierte Zervixkrebsscreening effektiver als die Zytologie und bei Screeningintervallen von zwei oder mehr Jahren als kosteneffektiv zu bewerten. Für den deutschen Kontext könnte ein HPV-Screening ab dem 30. LJ und Zytologie im Alter von 25J–29J jeweils im 2J-Intervall eine optimale Strategie sein. Längere Screeningintervalle könnten für Frauen ohne erhöhtes Risiko und regelmäßiger Screeningteilnahme bzw. im Fall einer Abnahme der HPV-Inzidenz in der Population um mehr als 70% sinnvoll sein.


Literatur

1.
Cuzick J, Arbyn M, Sankaranarayanan R, Tsu V, Ronco G, Mayrand MH et al. Overview of human papillomavirus-based and other novel options for cervical cancer screening in developed and developing countries. Vaccine. 2008 Aug 19;26(Suppl 10):K29-41.