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EbM & Individualisierte Medizin
12. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin

Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e. V.

24.03. - 26.03.2011, Berlin

Hochintensiver fokussierter Ultraschall (HIFU) zur Behandlung des Prostatakarzinoms: eine systematische Übersicht

Meeting Abstract

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  • corresponding author presenting/speaker Marisa Warmuth - Ludwig Boltzmann Institut für Health Technology Assessment, Wien, Österreich
  • author Tim Johansson - Institut für Allgemein-, Familien- und Präventivmedizin, Salzburg, Österreich

EbM & Individualisierte Medizin. 12. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin. Berlin, 24.-26.03.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11ebm25

DOI: 10.3205/11ebm25, URN: urn:nbn:de:0183-11ebm250

Veröffentlicht: 23. März 2011

© 2011 Warmuth et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung von Männern in der Europäischen Union [1]. Konventionelle Therapieoptionen umfassen die chirurgische Therapie, die Strahlentherapie, die Hormontherapie sowie die „Aktive Überwachung“, wobei die Auswahl einer geeigneten Therapie von verschiedenen Faktoren abhängig ist. HIFU ist eine neue, minimal-invasive Methode zur Behandlung des Prostatakarzinoms.

Ziel der vorliegenden systematischen Übersichtsarbeit war es, die Wirksamkeit und Sicherheit von HIFU zur Behandlung des Prostatakarzinoms zu erheben.

Material/Methoden: Wir führten eine systematische Literatursuche in mehreren Datenbanken, eine Internetsuche sowie eine Handsuche durch und kontaktierten die Hersteller der beiden kommerziell erhältlichen HIFU Geräte bezüglich weiterer Informationen. Die Suche wurde auf den Zeitraum 2000 bis 2010, Studien an Menschen sowie englisch- und deutschsprachige Literatur eingeschränkt.

Wir inkludierten alle prospektiven Studien mit mehr als 50 Patienten, wenn diese den vordefinierten Einschlusskriterien entsprachen und beurteilten die Qualität der Evidenz anhand des GRADE Schemas.

Ergebnisse: Wir identifizierten 20 unkontrollierte, prospektive Fallserien, in denen zwischen 58 und 517 Patienten behandelt wurden. Insgesamt wurden 3.018 Patienten mit HIFU behandelt (Primärtherapie 93%, Sekundärtherapie 7%). Das biochemische krankheitsfreie Überleben betrug 78–84% nach 1 Jahr, 45–84% nach 5 Jahren und 69% nach 7 Jahren. Die negative Biopsierate betrug 86% nach 3 Monaten und 80% nach 15 Monaten. Die Gesamtüberlebensrate und krankheitsspezifische Überlebensrate betrugen 90% bzw. 100% nach 5 Jahren und 83% bzw. 98% nach 8 Jahren. Unerwünschte Nebenwirkungen betrafen die ableitenden Harnwege (1–58%), die Potenz (1–77%), das Rektum (0–15%) sowie Schmerzen (1–6%). Die Erhebung der Lebensqualität führte zu kontroversiellen Ergebnissen.

Schlussfolgerung/Implikation: Die Evidenz zu Wirksamkeit und Sicherheit von HIFU stützt sich ausschließlich auf unkontrollierte Fallserien mit kurzen Nachbeobachtungsperioden. Die Qualität der vorhandenen Evidenz ist entsprechend dem GRADE Schema als sehr niedrig zu beurteilen.


Literatur

1.
European Cancer Observatory – Cancer Fact Sheets. 2010 [cited 2010 Oktober 16]. Available from: http://eu-cancer.iarc.fr/2-cancer-fact-sheets.html.en Externer Link
2.
Warmuth M, Johansson, T. Hochintensiver fokussierter Ultraschall (HIFU) zur Behandlung des Prostatakarzinoms. Systematic Review. Decision Support Document Nr. 037. 2010.
3.
Warmuth M, Johansson T, Mad P. Systematic Review of the Efficacy and Safety of High-Intensity Focussed Ultrasound for the Primary and Salvage Treatment of Prosate Cancer. Eur Urol. In press.