gms | German Medical Science

EbM – ein Gewinn für die Arzt-Patient-Beziehung?
Forum Medizin 21
11. EbM-Jahrestagung

Paracelsus Medizinische Privatuniversität, Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e. V.

25.02. - 27.02.2010, Salzburg, Österreich

Aus- und Weiterbildung in der Präanalytik

Meeting Abstract

EbM – ein Gewinn für die Arzt-Patient-Beziehung?. Forum Medizin 21 der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität & 11. EbM-Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin. Salzburg, 25.-27.02.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10ebm096

DOI: 10.3205/10ebm096, URN: urn:nbn:de:0183-10ebm0966

Veröffentlicht: 22. Februar 2010

© 2010 Schnabl et al.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Gliederung

Text

Hintergrund: Die präanalytische Phase bei der Erstellung laboranalytischer Parameter umfasst zusammenhängende Bedingungen und Abläufe, die vor der eigentlichen Durchführung der Parametermessung erfolgen.

Der Prozess der Probengewinnung und -bearbeitung ist prinzipiell exakt vorgeschrieben . Die Blutentnahme, sowie die Kontrolle diverser Einflussfaktorenfaktoren in Beziehung dazu und der Transport der Probe ins medizinische Laboratorium erfolgt häufig außerhalb des Verantwortungsbereiches der im Labor tätigen BMA und ist selten evidenzbasiert und standardisiert.

Nach Bonini sind mehr als 65% der fehlerhaften Laborergebnisse präanalytisch verursacht.

In einer Triangulation wurde begonnen, zum einen qualitativ das Wissen über präanalytische Faktoren in verschiedenen med. Berufsgruppen zu eruieren, zum zweiten wurden quantitativ mehrere Lipid-Serumwerte unter verschiedenen präanalytischen Bedingungen in Bezug auf Lagerung und körperliche Belastung der ProbandInnen vor der Probengewinnung gegenübergestellt.

Material/Methoden: Mit Hilfe eines Fragebogens (19 items) wurde das praktische Vorgehen bei der Blutabnahme und das Wissen in Bezug auf Präanalytik in verschiedenen med. Berufsgruppen erfragt. Die Unterschiede in den Berufsgruppen wurden mit Hilfe eines Chi-Quadrattests erhoben.

Die quantitative Analyse der Lipidparameter wurde in einer randomisierten kontrollierten Interventionsstudie an der FH Salzburg durchgeführt.

Ergebnisse: Qualitativ: Die Berufsgruppen zeigen keinen Unterschied hinsichtlich verschiedener Fragen bezüglich Ausbildung und praktischer Vorgehensweise bei venöser Blutabnahme. Auf die Frage nach Fortbildung in diesem Bereich (p=0,046) oder wie die Blutabnahme erlernt wurde (p=0,001) gibt es signifikante Unterschiede. Während ÄrztInnen dies eher praktisch erlernt hatten, bekamen Dipl. GuK-Personen sowohl eine theoretische als auch praktische Einführung. Auch bekommen letztere am Arbeitsplatz eher praktische Einweisungen (p<0,001).

Quantitativ: In der Analyse zeigt ein zweiseitiger t-Test bei HDL eine signifikante Änderung (p=0,016; 95%CI –16,00 bis –1,68). Andere Lipidwerte haben sich nicht signifikant unterschieden.

Schlussfolgerung/Implikation: Am Beispiel des HDL konnte gezeigt werden, dass einfache Umgebungsparameter einen Einfluss auf medizinische Laborwerte haben. Die Auswertung der Fragebögen ließ erkennen, dass die Kompetenzvermittlung über Präanalytik in medizinischen Berufsgruppen in der Aus- und Fortbildung einen unterschiedlichen, teilweise geringen Stellenwert hat. Als Konsequenz wurde ein Schulungsmodul im Bereich „Präanalytik – venöse Blutabnahme“ entwickelt, welches in einer medizinischen Ausbildungsstätte exemplarisch durchgeführt wurde.


Literatur

1.
Hallbach J. Klinische Chemie und Hämatologie. Thieme; 2001. p. 6.
2.
Thomas L, Hrsg. Labor und Diagnose. TH-Books-Verl.-Ges.; 1998. p. 1491.
3.
Bonini et al. Clinical Chemistry. 2002;48(5):691-8.