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EbM – ein Gewinn für die Arzt-Patient-Beziehung?
Forum Medizin 21
11. EbM-Jahrestagung

Paracelsus Medizinische Privatuniversität, Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e. V.

25.02. - 27.02.2010, Salzburg, Österreich

Ökonomische Evaluationen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie: eine systematische Übersicht

Meeting Abstract

  • corresponding author presenting/speaker Philipp Radlberger - Ludwig Boltzmann Institut für Health Technology Assessment, Wien, Österreich
  • author presenting/speaker Ingrid Zechmeister - Ludwig Boltzmann Institut für Health Technology Assessment, Wien, Österreich
  • author Tarquin Mittermayr - Ludwig Boltzmann Institut für Health Technology Assessment, Wien, Österreich

EbM – ein Gewinn für die Arzt-Patient-Beziehung?. Forum Medizin 21 der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität & 11. EbM-Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin. Salzburg, 25.-27.02.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10ebm024

DOI: 10.3205/10ebm024, URN: urn:nbn:de:0183-10ebm0246

Veröffentlicht: 22. Februar 2010

© 2010 Radlberger et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Klinische Studien belegen, dass sich psychiatrische Erkrankungen bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen unterschiedlich manifestieren. Daraus folgen auch Unterschiede in den Notwendigkeiten der Versorgungsstrukturen. Gesundheitsökonomische Evaluationen dienen als ein gängiges Methodenbündel, um Kosten und Nutzen für Therapieoptionen abzuschätzen. Die Studie untersucht die aktuelle Evidenz zu derartigen Evaluationen im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Material/Methoden: Zur Identifizierung der ökonomischen Evaluationen wurde eine systematische Literatursuche in relevanten medizinischen und wirtschaftswissenschaftlichen Datenbanken und eine ergänzende Handsuche durchgeführt. Die Studien wurden hinsichtlich methodischer Charakteristika und Ergebnisse sowohl indikations- als auch therapiebezogen analysiert. Ein besonderes Augenmerk wurde auf Methoden der Kostenberechnung und Modellierung gelegt.

Ergebnisse: Über einen Beobachtungszeitraum von 25 Jahren konnten ein systematischer Review und 25 Einzelstudien identifiziert werden. Einzelne Indikationen, wie etwa ADHS, sind besser beforscht als andere. Auf der Ebene der Interventionen existiert ein Ungleichgewicht zugunsten familientherapeutischer Interventionen. Die meisten Studien sind Kosteneffektivitätsstudien. Die Kosteneffektivitätsergebnisse der untersuchten Interventionen sind im Vergleich zu evaluierten Intervention in der somatischen Medizin niedrig. Die Mehrzahl der identifizierten Studien ist methodisch wenig transparent. Dies trifft insbesondere auf die Informationen zu Kostenerhebung und Modellierung zu. Die Übertragbarkeit der Studien ist aufgrund kontextspezifischer Interventionen eingeschränkt.

Schlussfolgerung/Implikation: Obwohl sich aus der Gesamtheit der Studien über die Indikationen hinweg vergleichsweise günstige Kosteneffektivitätsverhältnisse abzeichnen, bedarf es zur Planung einer nachhaltig finanzierbaren kinder- und jugendpsychiatrischen Versorgung einer größeren Menge an transparenten, länderspezifischen ökonomischen Arbeiten, insbesondere zu bis dato wenig gesundheitsökonomisch beforschten Interventionen und Indikationen wie zum Beispiel Motivationstherapie und Suchterkrankungen. Zudem bestehen große Lücken in den Bereichen der Langzeitkostenabschätzung zur Identifizierung langfristiger Einsparungspotenziale und bei der Integration einer breiten Kostenperspektive, die auch Sektoren außerhalb des Gesundheitssystems berücksichtigt.