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Evidenz und Entscheidung: System unter Druck
10. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin

Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e. V.

05.03. - 07.03.2009 in Berlin

Umgang mit Selbstzahlerleistungen und Leistungsbegrenzungen in Arztpraxen: Auswirkungen, Defizite und Vorschläge aus der Sicht GKV-Versicherter

Meeting Abstract

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  • corresponding author presenting/speaker Susanne Richter - Institut für Sozialmedizin, Universität zu Lübeck / Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Lübeck, Deutschland
  • author Heiner Raspe - Institut für Sozialmedizin, Universität zu Lübeck / Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Lübeck, Deutschland

Evidenz und Entscheidung: System unter Druck. 10. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin. Berlin, 05.-07.03.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09ebmP5.7

DOI: 10.3205/09ebm070, URN: urn:nbn:de:0183-09ebm0709

Veröffentlicht: 4. März 2009

© 2009 Richter et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund

Vor zehn Jahren wurde das Konzept individueller Gesundheitsleistungen (IGeL) entwickelt. Verbindliche Definitionen, Abgrenzungen und Kataloge existieren nicht. GKV-Versicherte berichten zunehmend Erfahrungen mit IGeL (2001: 9%, 2008: 27%; WIdO 2008) und Leistungsbegrenzungen. Die vorliegende Studie schafft eine wissenschaftsinitiierte Datenbasis zur Prävalenz und patientenseitigen Wahrnehmung bzw. Bewertung beider Phänomene. Präsentiert werden zum einen Auswirkungen von IGeL und Leistungsbegrenzungen auf die Arzt-Patienten-Beziehung, die Arzt- und Patientenrolle, das Solidarprinzip der GKV und das Bild der Medizin und ihrer Handlungsgrundlagen aus Patientensicht [1]. Zum anderen werden Defizite und Vorschläge zum ärztlichen Umgang mit beiden Phänomenen aus Patientenperspektive dargestellt, die sich auch an den zehn Hinweisen der Bundesärztekammer zur Erbringung von IGeL orientieren (BÄK 2006).

Methoden

Innerhalb einer quantitativen Studienphase wurden parallel in Lübeck und Freiburg i. Br. zwei systematische Stichproben (à N=2450) der erwachsenen deutschen Wohnbevölkerung im Alter von 20 bis 79 Jahren postalisch zu ihren Erfahrungen mit Leistungsbegrenzungen und IGeL in Arztpraxen befragt. Zur Vertiefung und Ergänzung der Surveyergebnisse wurden sieben Fokusgruppen durchgeführt. Sie wurden nach Wohnregion, Geschlecht und Schulbildung stratifiziert, nach Alter und Gesundheitszustand homogenisiert und inhaltsanalytisch ausgewertet.

Ergebnisse

IGeL werden weitaus häufiger vom Arzt (v.a. Augenärzten, Gynäkologen) angeboten als vom Patienten nachgefragt. Die Bewertung der IGeL-Durchführung zeigt Defizite hinsichtlich schriftlicher Informationen und Risikoaufklärungen auf. Leistungsbegrenzungen werden v.a. bei Orthopäden, Allgemeinärzten und Augenärzten berichtet. Fokusgruppenübergreifend werden mangelnde Aufklärung, Information und Transparenz thematisiert, der Rollen- und Beziehungswandel wird ambivalent gesehen.

Schlussfolgerung/Implikation

Patienten äußern einen deutlichen Bedarf an mehr Aufklärung, Information und Transparenz sowohl in Bezug auf Leistungsbegrenzungen als auch IGeL. GKV-Versicherte wünschen sich Informationen zum GKV-Leistungskatalog und einen transparenten IGeL-Katalog, der von neutraler Instanz erarbeitet werden soll.


Literatur

1.
Raspe H. Individuelle Gesundheitsleistungen in der vertragsärztlichen Versorgung. Eine medizinethische Diskussion. Ethik Med. 2006;18:1-15.
2.
Bundesärztekammer, Hrsg. Beschlussprotokoll des 109. Ärztetages vom 23.-26.Mai 2006 in Magdeburg. Verfügbar unter: http://www.bundesaerztekammer.de/downloads/Beschluss109DAET.pdf (letzter Zugriff:12.11.2008) Externer Link
3.
Wissenschaftliches Institut der Ortskrankenkassen (WIdO). IGeL-Markt wächst weiter. Die Initiative kommt meist vom Arzt. Pressemitteilung vom 19.08.2008. Verfügbar unter: http://www.wido.de (letzter Zugriff: 12.11.2008) Externer Link
4.
Richter S, Rehder H, Raspe H. Erfahrungen GKV-Versicherter mit individuellen Gesundheitsleistungen und Leistungsbegrenzungen in Arztpraxen. Dtsch Arztebl. (eingereicht)